Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 24.1908-1909

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ZUR JAHRHUNDERTFEIER DER MÜNCHNER AKADEMIE
DER BILDENDEN KÜNSTE

Von Georg Jacob Wolf

n den Maitagen dieses Jahres begeht die Man ist geneigt, diesen künstlerischen Auf-
Münchner Akademie der bildenden Künste schwung ein für allemal König Ludwig I. zu-
ihre Hundertjahr-Feier, allerdings mit einer gute zu schreiben. Wir denken dabei an
beträchtlichen Verspätung, denn schon am sein feinsinniges und großzügiges Mäzenat,
13. Mai 1808 erhielt sie von König Max I. in unsere Ohren klingen die Worte, die er
Joseph ihre Konstitution; freilich mag man in erlesener Kennerschaft bei derGrundstein-
als Entschuldigung anführen, daß die Wirk- legung der Neuen Pinakothek sprach: „Als
samkeit der Akademie erst ein Jahr später an- Luxus darf die Kunst nicht betrachtet werden,
hub: de facto besteht das Institut erst seit 1809. in allem drücke sie sich aus, sie gehe über
München ist keine Kunststadt alten Stils — ins Leben, nur dann ist sie, was sie sein
es ist im eigentlichen Sinn eine neuzeitliche soll." Wir denken daran und vergessen dar-
Künstlerstadt. Sein Besitzstand an alten künst- über das Verdienst, das sich Bayerns erster
lerischen Werten vermag sich mit dem Augs- König Max Joseph um die Kunst erwarb, als
burgs, Nürnbergs, Rothenburgs in keiner er, nach dem Vorbilde Düsseldorfs, Berlins
Weise zu messen — erst mit dem 19. Jahr- und Dresdens, die Münchner Akademie grün-
hundert hebt sich Münchens Kunstniveau. dete. Sie hatte freilich auch in München

ANTON NOWAK STILLEBEN

Frühjahr-Ausstellung der Wiener Secession

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