Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 24.1908-1909

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-^6Ö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^ä^

DIE DEUTSCHE KUNSTAUSSTELLUNG
BADEN-BADEN 1909

Neben den großen mehr oder weniger internationa-
len Ausstellungen in den Hauptkunstzentren
verdient auch die sich in dem engeren Rahmen
der vorwiegend spezifisch südwestdeutschen Kunst
bewegende Baden - Badener Ausstellung eine ein-
gehendere Würdigung. Sie wurde von der neu ge-
gründeten, rührigen -»Freien Künstler-Vereinigung
Baden*, die tüchtige, in der Ausstellung gut vertretene
Künstler wie A. Baudru, M. v. Geymüller, O. A.
Koch, A. Hamacher und Ivo Puhonny umfaßt,
unter dem Vorsitz und der werktätigen Mithilfe des
Malers Professor Engelhorn aus Mannheim, jetzt
in Baden-Baden lebend, veranstaltet, der auch zum
größten Teil die Mittel zur Erbauung des prächtigen,
in monumentalster Weise nach den Plänen des Pro-
fessors Billing in Karlsruhe errichteten ständigen
Ausstellungsgebäudes stiftete. Da der Jury der-
selben die ersten und besten Karlsruher Künstler,
wie Hans Thoma, W. TrObner, Ferd. Keller,
Schönleber und Hans v. Volkmann, die auch
nebenbei sämtlich an der Ausstellungmit ganz hervor-
ragenden Werken beteiligt sind, angehörten, durfte
man schon eine bedeutsame künstlerische Qualität
derselben erwarten und erlebte hierin auch keinerlei
Enttäuschung. Namentlich ist der in erfreulichster
Weise sich bemerkbar machende künstlerische Nach-
wuchs, zumal der Karlsruher Schule, die hier über-
haupt, was ja ziemlich nahe liegt, in überwältigen-
der Weise auftritt, sehr gut und charakteristisch ver-
treten. Wir nennen hier aus der fast geradezu be-
herrschend sich entwickelnden Trübner-Schule die be-
gabten Künstler Heinrich Freytag (»Marktplatz«),
Artur Grimm (>Kürassiere<), Herm. Goebel und
Jul. Schold mit packenden lebensvollen Bildnissen
und Stilleben, in denen auch die Gattin des Meisters,
Alice Trübner exzelliert, sowie den flotten Kolo-
risten Georg Poppe; aus der Schule des Altmeisters
Hans Thoma, der mit einem seiner schönsten und
feinsten Werke »Kain und Abel« aufs beste vertreten
ist: den talentierten Bildnis- und Figurenmaler Hans
Adolf BOhler (»Hiob«), den originellen Adolf
Hildenbrand, Siegfried Czerny (>Mädchen und
Tod«), Helmut Eichrodt, Hans Brasch und
Aug. Gebhard, die trefflichen Landschafter Otto
Leiber, Karl Mutter, Herm. Osthoff, H.Daur,
K. O. Mathaei, Adolf Schinnerer, Karl Biese,
Walter Conz, H. Schrödter, und den bekannten
und originellen E. R. Weiss, sowie die am besten wohl
hieher zu rechnenden talentvollen Damen Berta
Welte, Helene Albicker und Marta Kropp.
Aus der Schule von Ferd. Keller: den sich immer
mehr zum exquisiten Koloristen entwickelnden, viel-
seitig veranlagten Hermann Göhler (»Sommer-
fest«), den Landschafter Wilh. Nagel, die begabten
Figurenmaler Hermann Möst, Heinrich Pforr,
Karl Walter, Peter Bayer und Heinrich Kley,
dessen Spezialität neuerdings effektvoll dargestellte,
sehr gut beobachtete Interieurs aus den Kruppschen
Eisenwerken bilden, sowie den sich sehr vorteilhaft
entwickelnden Paul Segisser. — Die berühmte
LandschafterschuleSchönlebers — vordem derGlanz-
punkt des Karlsruher Kunstlebens — der selbst zwei
entzückende feine Stücke (»Mühle in Dinkelsbühl«
und >Dorfnacht«) beigesteuert hat, ist durch R. Hell-
wag, Strich-Chapell, Karl Böhme, Adolf
Luntz, Descoudres und die bekannten Meister ihres
Faches: Hans v. Volkmann, Gustav Kampmann
und P. v. Ravenstein sehr gut repräsentiert. Daß
auch die übrigen Koryphäen der Karlsruher Aka-

demie mit ihren Schülern wie Ferd. Keller, Kas-
par Ritter — beide mit feinen Bildnissen — Julius
Bergmann, Schmid-Reutte, Walter Georgi und
Friedrich Fehr (leider mit Ausnahme von Ludw.
Dill), aufs beste und charakteristischste in der sehr
gewählten Ausstellung vertreten sind, versteht sich
nahezu von selbst. Ueberraschend gut und reich-
haltig hat sich auch die benachbarte elsässische, in
erfreulichem Aufstreben begriffene, spezielle Straß-
burger Kunst eingefunden, mit trefflichen Meistern
wie Gust. Stoskopf (»Waschküche«), Lothar
v.seebach(>Interieur« und>Rosen«), KarlJordan,
Hch. Beecke, Sabine Hackenschmidt >Voge-
senlandschaft«), Theod. Knorr dasselbe, Aug.Com-
missar mit einem sonnigen »Frühling«, Georg
Daubner und Paul Löschhorn mit guten Land-
schaften. Die Beteiligung aus dem übrigen Deutsch-
land kann, wie wir oben schon bemerkt haben, wenn
auch aus den Hauptkunstplätzen einzelne zum Teil
recht bedeutende Werke vorhanden sind, doch nur
eine relativ schwache genannt werden. München
vertreten die bekannten Landschafter Edmund Step-
pes, Toni Stadler, Herm. Eichfeld, Benno
Becker, Richard Kaiser, Karl Haider, aus-
gezeichnet auch Franz Hoch, Paul Crodel,
Fritz Baer, Franz Horadam u. a. Dann die Fi-
gurenmaler Julius Exter, Walter POttner, Max
Feldbauer, Hans Bartels, Hierl-Deronco,
L. v. Zumbusch, Th. Th. Heine und Oberländer ;
die Tiermaler Zügel, Schramm-Zittau,v.Hayeck,
Karl Becker u. a. Berlin schickte uns Lovis
Corinth mit einem sehr flotten »Souper«, einem
Meisterwerk des fortgeschrittenstenlmpressionismus,
Karl Röchling mit der »Ansicht aus Eßlingen«,
Hans Herrmann (ditto aus Rotterdam), Max Lie-
bermann mit der brillant gemalten »Kartoffelernte«,
Kallmorgen, O.Frenzel und Hans Looschen mit
bedeutenden Landschaften, Emil Orlik mit einem
entzückenden »Interieur aus Japan« und Dora Hitz
mit dem brillant gemalten Bildnis der Frau Gerhard
Hauptmann. Von Dresden kommen Ferd. Dorsch,
Eug. Bracht und Zwintscher; von Frankfurt:
Steinhausen und Gudden; von Düsseldorf: Cla-
renbach und Eugen Kampf; von Worpswede:
Vogeler, Mackensen, Modersohn.

Was zum Schlüsse die Plastik betrifft, so ist hier
auch in überwiegendem Maße die Karlsruher Schule
vertreten durch sehr gute Werke von Prof. Volz und
Schreyögg, Wilh. Gerstel, H. Binz, Albicker,
Sauer, Karcher und Taucher, Otto Feist und
H. Föry, dem die Münchner sich durch Bermann,
Franz v. Stuck, Hahn, die Berliner durch Tu-
aillon, Kraus und Fritz Klimsch würdigst an-
schließt, während Stuttgart durch Poetzelberger
und Darmstadt durch Daniel Greiner sehr gut
vertreten sind.

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

DERLIN. Den großen Saal der Galerie Eduard
Schulte nehmen Gemälde des Münchner Ludwig
Exter ein. Eine starke, eine rassige Kraft ohne
Zweifel, die manchmal nur — etwa bei der Kreu-
zigung — zu viel psychisches und physisches Pathos
aufwendet. Die Entwicklung zur Aufhellung der
Farbe beginnt bei Exter entscheidend um 1903, um
sich in den neueren Arbeiten siegreich durchzusetzen.
Bei einigen Akten vermißt man nun wieder die
frühere feste Durchmodellierung. Mehrere ausge-
zeichnete Porträts dürfen nicht unerwähnt bleiben. —

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