Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 24.1908-1909

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liehst Suchende, die große Frage nach ver-
borgenem Glück.

Von allen Malern der modernen englischen
Porträtkunst ist Lavery derjenige, der es ver-
standen hat, am besten mit der Farbe zu cha-
rakterisieren. Lavery aber ist kein Streiter,
er liebt es nicht, in die Oeffentlichkeit ge-
zogen zu werden, und nur selten ergreift er
das Wort zu künstlerischen Tagesfragen. Er
ist von jeher seine eigenen Wege gegangen
und er geht sie auch heute, nicht unempfäng-
lich für Kritik, aber nicht der Tagesströmung
folgend. Er ist ein Künstler, mit dessen Wer-
ken man vertraut werden muß, ehe man sie
lieben lernt.

GEDANKEN ÜBER KUNST

So wir aber fragen, wie wir ein schön Bild sollen
machen, werden Etliche sprechen nach der Menschen
Urtheil. So werden dann die Andern nit nachgeben
und ich auch nit. Ahn ein recht Wissen, wer will
uns dann das Gewiss machen?

Aber unmöglich bedunkt mich, so Einer spricht,
er wisse die beste Mass in menschlicher Gestalt an-
zuzeigen. Dann die Lügen ist in unserer Erkanntnuss
und steckt die Finsternuss so hart in uns, dass auch
unser Nachtappen fehlt. Albrecht Dürer

ÜBER NATURSTUDIUM

Von H. Konsbrück

I.

Eines Abends geriet ich in der Osteria eines
Rivieranestes an den Tisch zweier Maler,
die über ihr Handwerk, besonders über ihre
Arbeitsmethoden sprachen. Ich machte mir
nach der Sitzung mit den Wortgladiatoren
kurze Notizen, nach denen ich das Gespräch
heute wiedergebe. Zu bemerken ist, daß der
erste Maler strengster Naturalist war, der zweite
Maler war sein Antipode.

Der erste Maler: „Sie glauben nicht, welche
seelische Depression sich meiner bemächtigt
hat, seitdem ich unter diesem gesegneten Him-
mel lebe. Mein ganzes bisheriges Studium,
dessen Resultate mich dank meines Fleißes
freuten und wirtschaftlich vorwärts brachten,
kommt mir hier so töricht, so dumm und albern
vor, daß ich in einem permanenten Katerzu-
stand umherlaufe. Ich gleiche einem Manne
der Wissenschaft, der am Ende eines langen,
arbeitsamen Lebens einsieht, daß seine For-
schungsmethoden und damit alle seine Resul-
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