Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 24.1908-1909

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-^SÖ> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^-s~

geistige Durchdringung und ein stark entwickeltes VON AUSSTELLUNGEN

Gefühl für Linienschönheit. Einzelne seiner hier tnirs riüüiiiu/<ru

ausgestellten Landschaften besitzen einen sehr feinen UND SAMMLUNGEN

Stimmungsgehalt.

Bei Gurlitt stellen gemeinsam zwölf Stuttgarter DASEL. In unserer Kunsthalle haben wir vor kur-
Künstler aus. Ihre Bilder rufen einen eigentümlich zem zwei gute Ausstellungen gehabt. Zunächst

einheitlichen Eindruck hervor durch eine fast durch- gab's Bilder, die uns einige Schweizer Künstler ge-
gängige Zurückhaltung in der Farbe. Bis auf Bern- nauer kennen lehrten. Vor allem haben wir in Jakob
hard Pankok, der mit frischen, leuchtenden Farben Herzog einen neuen Landschafter zu verzeichnen,
ans Werk geht, haben sie fast alle eine stumpfe, etwas dessen Bilder von ungesuchter, schlichter Natürlich-
kalkige Palette, dafür aber allerfeinste Tonwerte. Es keit, voll Saft und Kraft sind; namentlich waren ein
seien hier nurhervorgehoben die kleinen,auf delikaten paar Graubündnerszenerien von solcher erfreulichen
Abstufungen einer Grundfarbe aufgebauten Hafen- Manierlosigkeit. Auch Figürliches von Herzog war
bilder von Carlos Grethe, die Putten und eine Mär- Zeugnis für ein frisches, ernstes Talent. — Ein-
chendarstellung von Chr. Landenberger, bei denen seitiger als Herzog, d. h. allzu absichtlich auf Linien-
es erstaunlich ist, wie kräftig doch die verhaltenen und Flächenbehandlung abstellend, ist U. W. Züri-
Akkorde seiner Farben klingen, sowie das ganz präch- cher; doch gelingt ihm einiges dekorativ Wertvolle,
tige, breit hingestrichene Flußbild von O. Reiniger, Am unmittelbarsten, weil ungegrübelt einfach, gibt
das eine überzeugende Lebendigkeit besitzt. Alfred sich der Maler in duftigen Aquarellen. — Eine Dame,
Schmidt operiert mit einer feinen Modulation blasser Paula Häberlin, geht mit Geschick und Geschmack
Töne. — Von Hans Thoma finden wir zwei wunder- auf die Feinheiten von Licht und Farbe, nament-
volle Flußlandschaften aus allerjüngster Zeit. Vor lieh in hellen, groß aufgefaßten Figurenbildern, aus;
allem köstlich ist ein weidenüberhangenes Wasser, in wir sehen, speziell in der Malerei aus Frauenhand,
dem die Reflexe der Morgenröte sich mit den grau- nicht oft Größe und nobles koloristisches Empfin-
blauen ziehenden Nebelstreifen vermischen. Wil- den so angenehm vereinigt wie hier.
helm Trübner bleibt bei seinen bekannten schlich- Sodann nahm — leider für allzu kurze Zeit —

ten Motiven der letzten Jahre (Hemsbach, Amor- »Die Walzet, d. h. der >Verein schweizerischer graphi-
bach, Starhemberger See), in denen er sich aber scher Künstler«, die Räume der Basler Kunsthalle
zu immer größerer plastischer Kraft und Raum- in Anspruch. Die Schweiz nennt einige der besten
Wirkung durchringt. r. s. deutschen Graphiker die ihrigen. Man denke nur

an Albert Welti, der mit seinem so
reichen Blatte »Der Ehehafen« wieder
alle Freunde seiner Kunst anzog; immer
wieder findet man neue entzückende
Motive und Szenchen: Lebensfülle ohne-
gleichen, durch ein Temperament ange-
schaut, ein so rein künstlerisches und
unverfälscht schweizerisches Tempera-
ment wie dasjenige Albert Weltis.— Dann
ist Carl Theodor meyer-Basel wegen
seiner Radierungen und farbigen Litho-
graphien ebenfalls weit herum bekannt,
findet sich doch in ihnen ein ehrlich reali-
stischer Sinn für das Tatsächliche mit ei-
nereigenartig poetischen Auffassungeng
verbunden.—Auch Ernst KRElDOLFist
ein Schweizer. Wer macht gegenwärtig
schönere Bilderbücher als er? Seine
>Sommervögel« sind wohl unstreitig das
zartest dekorative, auch das lebendigst
anthropomorphisierende Tierbuch der
Welt. Er war in der Ausstellung mit einer
delikaten Farbstiftlandschaft und mit ei-
nem reizvoll poetischen Blatte »Schlaf,
Kindlein schlaf«, einer schlichten Drei-
felderkomposition aus seiner eigensten
naiven Welt, vertreten. Ado lfThom ann,
der Tiermaler, gab einfache breite, helle
schwarz-weiße Holzschnitte (Walliser-
szenen); von Otto Gampert, dem in
Stäblis Fußstapfen wandelnden bedeu-
tenden Landschafter, waren weiche, in
den Linien wie in den Licht- und Schat-
tenmassen gleich ausgezeichnete, im
besten Sinn bildmäßig wirkende Radie-
rungen zu sehen. Ganz klare, räum-
lich prächtig gelungene Landschaften
bot Plinio Colombi, der Berner Hell-
maler, der sich, bei aller Vorliebe für
Hodler, nicht in den Troß von dessen
Nachahmern begeben hat. — Von Hans
reinhold begas eva mit kain und abel Beat Wieland war der farbig so groß

Ausstellung der Akademie der Künste, Berlin und einfach gefaßte Steindruck »Eiger,

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