Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 24.1908-1909

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^-feÖ> DIE FRÜHJAHR-AUSSTELLUNG DES WIENER HAGENBUNDES <&^~

Antwerpen u. a.), sowie sehr interessante und sehr
geschickt gewählte Ansichten in Farbenholzschnitt
aus dem Goethe-Haus in Weimar von Margarete
Geibel. Erwähnenswert sind die Originalholz-
schnitte von Karl Schmoll von Eisenwerth
(Spaziergang, Im Garten), von Carl Thiemann
(Altdarmstadt, Die Moral u. a.), sowie die amüsanten
Musikerkarikaturen von Hans Lindloff in Gul-
branssons Art. Unter den farbigen Zeichnungen sind
ein Paar wunderschöne Blätter von Rudolf Sieck
eine Reihe seiner komischen Buntstiftzeichnungen hat
Heinrich Zille ausgestellt, und von Martin
Brandenburg finden wir eine große wirkungsvolle
Zeichnung Macbeth und die Hexen. — Im ganzen
bietet die Ausstellung ein treffliches Bild tüchtigen
Könnens und Fortschreitens auf dem Gebiete der
graphischen Kunst, wobei nur zu wünschen wäre,
daß sich die >großen Meister« bei der Beschickung
mehr angestrengt hätten. Paul Schumann

DIE FRÜHJAHR-AUSSTELLUNG

DES WIENER HAGENBUNDES

7U dem angenehmen befriedigenden Eindruck des
^ Gesamtbildes trägt nicht zum wenigsten die
geschickte Aufteilung des Raumes bei; sie ist im
einzelnen so vorgenommen worden, daß größere
oder heftig sich gebärdende Werke ohne dadurch
beeinträchtigte Umgebung bleiben und alles Kleine
und Intime zueinander versammelt ist. Schließlich
hebt sich alles gegenseitig auf einem zugepaßten
Hintergrund. Diese vergänglichste aller Leistungen,
diese unauffällig praktische Inszenierung rührt vom
Architekten Oskar Laske her, dem sich Joseph
Urban, der sonst immer sie besorgte, für einmal
unterordnete. Ein Mittelpunkt für die ganze Anlage
war durch die maßvoll stilisierte Gruppe »Frühlings-
erwachen« des Bildhauers Josef Heu gegeben, der
sich außerdem durch zwei Porträtbüsten von ver-
schiedenem Materialreiz auszeichnet. Eigenartig
charakterisierend erfaßt ist auch die vornehme » Halb-
figur« von Karl Stemolak. Durch die Bronze-
statuette eines Jünglings überrascht Franz Barwig,
denn man ist gewohnt, ihm als Holzschnitzer zu
begegnen; als solcher ist er reichlichst vertreten,
denn außer einem >Rudolf von Habsburg«, der aus
dem zu breit bestimmten Formen zwingenden Eichen-
holz geholt ist, läßt Barwig eine ganze Heerschar
kleiner bemalter Figuren aufmarschieren, in histo-
rischen Trachten sowie als mährische Volkstypen,
immer spassig, eckig oder rundlich, Spielzeug,
das bei einiger Phantasie auch von Massenerzeu-
gern hergestellt werden kann. Hier seien auch gleich
die schönen Holzintarsien von Herbert Grafen
Schaffgotsch erwähnt. In seiner ganzen Viel-
seitigkeit zeigt sich Rudolf Junk: als Oelmaler
mit pointillistischen Landschaften, als Kunstgewerb-
ler mit einem gestickten Wandbehang, als Graphiker
mit farbigen Holzschnitten und Buchschmuck; aber
geradezu Aufsehen erregt er durch eine illuminierte
Pergamenthandschrift, in der sich moderner Ge-
schmack und ein unsäglicher Aufwand von gedul-
digem Fleiß vermählen. Ein ornamentaler Zug von
besonderem Zuschnitt und viel Poesie geht durch
die Arbeiten Junks, eines Gelehrten unter den Künst-
lern. Schneller als solch ein Kleinmeister wissen
die Maler zu packen, sei es nun, wie August Roth
durch die Beseelung der eigentümlich fluktuierenden
Tafeln, oder durch ungehemmte Farbenspiele, denen
L. F. Graf huldigt. Unter den Landschaftern weiß
diesmal besonders Otto Barth zu fesseln, denn
seine Schilderung -Aus dem Bergsteigerleben«

ist zugleich naturwahr und in breit dekorativem
Sinn aufgefaßt. Adolf Gross (»Winterbild«), der
zusehends sich verfeinernde Hugo Baar, Gustav
Bamberger, A. Wodnansky, Raoul Frank, J.
Beyer, die intim behutsamen Münchner Otto
Bauriedl und Rudolf Sieck reihen sich jenen
an. Ungemein zahlreich haben sich die Maler des
Figuralen eingestellt, längst bewährte wie A.D. Goltz
mitseinen Behagen verbreitenden » Niederösterreichi-
schen Winzern« und der Porträtist Ludwig Kuba,
als Führer der Gäste Altmeister Gotthard Kuehl,
den Ferd. Dorsch aus Dresden herbegleitet, wäh-
rend aus München Hoffmann von Vestenhof
eine skizzierte Historie (»Heliogabalus«) und L. v.
Zumbusch schnurrige »Landstreicher« eingeschickt
haben. Und etliche aus dem Nachwuchs wären zu
nennen: Leo Delitz, Gino Parin, die gut münch-
nerisch geschulten G. J. Buchner und Otto
BrOnauer, V. Hammer, Heinrich Revy, dessen
Talent man einige Absurdität ebenso gerne nach-
sieht wie der in jeder Beziehung rätselhaften, aber
als Hellmalerei tüchtigen »Disharmonie« von A. O.
Alexander. Der Tiermaler Karl Huck bringt
einen im Hochgebirg von Blitzen umwitterten Adler
(»Imperator«) zu höherer, symbolischer Bedeutung,
die auch dem Flug Nebelkrähen, deren sich ein
Falke zu erwehren hat, bei allem japanisch keckem
Impressionismus eigen ist. Alexander Wilke
weist seine Hand in einer kräftigen gemalten Studie
aus dem Arbeiterleben und bestätigt seinen Ruf als
Illustrator durch die geistreichen Skizzen zu einer
Bilderfibel. — Die Krakauer Vereinigung =Sztuka«
ist durch eine Abordnung vertreten, die sorgfältig
gewählt wurde. Ganz meisterlich sind die Studien-
köpfe und römischen Architekturstudien von Jozef
Mehoffer gezeichnet; neben ihnen sind am bemer-
kenswertesten ein Glasfenster des allmählich sich
beruhigenden Henryk Uziemblo und der polnisch
national empfundene Entwurf für eine Glasmalerei
von Kasimir Sichulski. Noch im Experimentieren
ist Georg Merkel begriffen, in bleichsüchtiger oder
minutiöser Malweise, neben der Theodor Axento-
wicz mit seinem einschmeichelnden Kolorismus
doppelt vornehm wirkt. Auch unter den Tschechen
begegnet man uns schon bekannten Erscheinungen,
wie dem diesmal nicht so knallig wie sonst hin-
fegenden BauernmalerJozAUPRKA,den sich Vaclav
Maly (»Prozession im Böhmerwalde«) und wohl
auch der mit wimmelnden Farbenflecken überaus
geschickt arbeitende Otokar Nejedly zum Vorbild
genommen haben. Voll Energie ist L. Vacatko
(»Pferdeschwemme«), im Aufstieg sind alle die Land-
schafter begriffen, A. Kalvoda, J. Ullmann, Jan
Honsa u.a. m.; als origineller und eleganter Radierer
glänzt wieder Franz Simon in seinen Pariser
Blättern. Karl m. kuzmany

VON AUSSTELLUNGEN

ANTWERPEN. Salon de VArt Contemporain. Ohne
** Bindemittel akademischer Konventionen stellt
sich in Belgien in der Ausbildung der Maler und
Bildhauer ein Zusammenhang her durch ein ge-
meinsam verfolgtes Ziel nach vorzüglicher Vollen-
dung des »Metiers" und nach Wahrheit im Ausdruck
einer Naturempfindung, die jeder Künstlernach eigner
Art, doch aus ähnlichen Quellen sich schöpft. Dies
beweist wieder die in Antwerpen organisierte dies-
jährige Ausstellung der »Art Contemporain«, in der
immer in besonders strenger Auswahl das Charakteri-
stische aus der überreichen Produktion heraus-
geschöpft ist. Es sind derselben auch Werke aus-
ländischer Künstler beigefügt, wobei für Deutsch-

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