Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 24.1908-1909

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VON AUSSTELLUNGEN <ös^

duzieren — nur dann ist ihm ja die Ueber-
treibung, das Betonen, das Unterstreichen —
eigentlich also die Fälschung der Natur mög-
lich. Wilhelm Busch hat weder den alten Fritz
noch den großen Napoleon gesehen und trotz-
dem zeichnet er mit einigenStrichen — „Mach'
froh, mal so, dann so" — beide Fürsten. Und
in beiden Fällen sind die Köpfe absolut lebendig,
wirkungsvoll — glaubhaft! Hollah — da stellt
sich ja schließlich das trefflichste Wort erst
ein!! „Glaubhaft!" Malen Sie, was Sie wollen,
wie Sie es wollen und können — es gibt ja
keine Norm der Auffassung oder der Technik

— aber sorgen Sie, daß man Ihnen das Dar-
gestellte glaubt. Es gibt doch zum Glück in
der Kunst Dinge, die uns in unserem oft genug
häßlichen und elenden Dasein völlig fehlen!
Es gibt im Reich der Phantasie brennende
Städte, fliegende Menschen, Fabelwesen, hinter
denen das fabelhafteste Vieh der Erde weit
zurückbleibt. Götter und Teufel leben dort

— existiert etwa dieses schönere Weltall bloß
deshalb nicht, weil wir es nicht sehen? Fehlt
die Darstellungsmöglichkeit,weil wirnichts von
alledem zum Modellstehen zwingen können?"

Wir gaben uns die Hände und gingen aus-
einander.

VON AUSSTELLUNGEN

DU DAPEST. Die Frühjahrsausstellung im Künst-
■*-* lerhause hat eine seltene Erscheinung hervor-
gerufen: eine laute Ehrung Benczurs. Ein Kunst-
mäzen Karl von Meszäros bot nämlich 60000 Kr. der
ungarischen Regierung an, um den denkwürdigen
Moment der Milleniums-Feierlichkeiten, die Huldi-
gung der Magnaten und Abgeordneten vor dem König
unter der Führung Desider Szilägyis, verewigen zu
lassen. Mit der Ausführung der sehr schwierigen
Aufgabe wurde Julius von Benczur beauftragt.
Nach acht Jahren emsiger Arbeit ist der Künstler
mit der Aufgabe fertig geworden. Das große Bild
ist jetzt im Künstlerhause aufgestellt worden. Die
Komposition ist mit der bewährten Kunst Benczurs
in sametartigem braunen Ton zusammengehalten,
voll mit Pilotyreminiszenzen, Textureffekten, leider
aber ohne psychologische Einheit und mit groben
Valeursfehlern. Was aber bei Benczur auffällt, sind
die Verzeichnungen, hauptsächlich die in dem Vor-
dergrund stehenden, zu groß geratenen Figuren. —
Die übrigen Teile der Ausstellung bringen keine her-
vorragenden Arbeiten,nurWerke von Mark, Katona,
Herrer müssen hervorgehoben werden. Die Skulp-
turabteilung ist besser. Da sehen wir eine effekt-
volle Biga von Zala, feine Arbeiten von Ligeti,
Rona, und einigen jüngeren Künstlern. Im Nem-
zeti-Szalon befindet sich jetzt Frauenarbeit. Der Ver-
ein ungarischer Künstlerinnen hat eine kleine inter-
nationale Ausstellung zusammengebracht, leider
fehlen die besten Namen. dh. b. l.

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