Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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Sie haben diese Werkstät-
ten in der nie de l'Universite
oft beschreiben hören. Es
sind Bauhütten, in denen die
Bausteine dieses grossen Wer-
kes behauen werden. Fast
steinbruchhaft unwirtlich,
bieten sie dem Besucher keine
Zerstreuung; nur für Arbeit
eingerichtet, zwingen sie ihn,
das Schauen als Arbeit auf
sich zu nehmen, und viele
haben an dieser Stelle zuerst
empfunden, wie ungewohnt
ihnen diese Arbeit ist. Andere,
die es lernten, traten mit
einem Fortschritt wieder her-
aus und merkten, dass sie ge-
lernt hatten, an allem was
draussen war. Am merkwür-
digsten aber sind diese Räume
sicher für Die gewesen, die
schauen konnten. Von einem
Gefühle sanfter Notwendig-
keit geführt, kamen sie hier-
her, manchmal von weit, und
es war für sie das, was eines
Tages kommen musste, hier
zu stehen unter dem Schutz
dieser Dinge. Es war ein Ab-
schluss und ein Anfang und
die stille Erfüllung des Wun-
sches, dass es irgendwo ein
Beispiel geben möge unter all
den Worten, eine einfache
Wirklichkeit des Gelingens.
Zu solchen trat dann Rodin
heran und bewunderte mit
ihnen, was sie bewunder-
ten. Denn der dunkle Weg seiner absichtslosen Arbeit, so begreift man plötzlich, dass für diesen
Arbeit, der durch das Handwerk führt, ermög- Schaffenden die Eingebung dauernd geworden ist,
licht ihm, vor seinen vollendeten Dingen, die er dass er sie nicht mehr kommen fühlt, weil sie nicht
nicht überwacht und bevormundet hat, selber mehr aussetzt, und man ahnt den Grund seiner un-
bewundernd zu stehn, wenn sie erst da sind und unterbrochenen Fruchtbarkeit,
ihn übertreffen. Und seine Bewunderung ist jedes- „Avez-vous bien travaille:" ist die Frage, mit

mal besser, gründlicher und entzückter als die des der er Jeden begrüsst, der ihm lieb ist; denn wenn
Besuchers. Seine unbeschreibliche Konzentrierung die bejaht werden kann, so ist weiter nichts mehr
kommt ihm überall zu gute. Und wenn er im zu fragen und man kann beruhigt sein: wer arbeitet
Gespräch die Zumutung der Inspiration nachsichtig ist glücklich.

und mit ironischem Lächeln abschüttelt und meint Für Rodins einfache und einheitliche Natur,

es gäbe keine —, keine Inspiration sondern nur die über unglaubliche Kraftvorräte verfügt, war

AUGUSTE RODIN, WEIBLICHER AKT

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