Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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FRANZ KRÜGER

1797—1857

VON

GUSTAV PAULI

FRANZ KRÜGERS BILDNIS, NACH EINER ATLEN PHOTOGRAPHIE

Versetzen wir uns einmal im Geiste um siebzig
fahre zurück. Es ist nicht so schwer. Noch
haben wir ja aus dem Munde unserer Grosseltern
etwas von dem Widerhall des wirklichen Lebens
jener Zeit vernommen. Sie ist noch nicht gänzlich
von unserer Gegenwart abgelöst. Sie spricht zu uns
aus dem alten Silberzeug auf unserm Tische, aus den
ererbten Porträten an unsern Wänden, grossen subtil
gemalten Ölbildern und gruppenweise vereinigten
Miniaturen und Schattenrissen. Besuchen wir auf
dem Lande, irgendwo Fern von der Eisenbahn, eine
hochbetagte Tante, so können wir noch die Atmo-
sphäre der dreissiger Jahre atmen, eine dünne
trockene Luft, in der die Sonnenstäubchen tanzen
und in der es nach gedörrtem Lawendel und Räu-
cherkerzchen duftet. Am Ende möchten wir zur
Abwechselung ganz gern noch einmal in jener Atmo-
sphäre leben — nicht sehr lange, aber wohl ein
paar Wochen. Ich meine, wir würden uns dann er-
holen, wir würden ruhiger werden und feiner.

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