Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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KARL STEFFECK, FRAU VON KRAUSE ZU PFERDE

ZWEI BRIEFE FRANZ KRÜGERS
AN KARL STEFFECK





Mein lieber Herr Steffeck!

Sie haben mich durch Ihren eben so lieben als inter-
essanten Brief* recht sehr erfreut; er hat mich eines-
theils über Ihr Wohlergehen beruhigt, anderntheils von
dem Zustande der dortigen Kunst in Kenntniss gesetzt.
Ich danke Ihnen recht herzlich dafür und sollten Sie
einmal wieder die Idee bekommen, mir schreiben zu
wollen, so genieren Sie sich keineswegs wegen der
Länge des Briefes und lassen Sie dabei das Sprichwort
gelten: je länger je lieber! Ohne nun auf die ein-
zelnen Punkte in Ihrem Briefe zurückzukommen, so
hat mich besonders die Schilderung über die Art des
Grau-Malens der dortigen jungen Künstler um so mehr
in Verwunderung gesetzt, als uns Deutschen ja die
Farbe in den französischen Bildern vorzugsweise zusagt.
Sollte dies Verfahren nicht dazu dienen, die Leutchen

* (aus Paris).

im Zeichnen und Modelliren erst recht fest zu machen ?
Dieser einzig guten Grundlage folgt alsdann, voraus-
gesetzt, dass einer Farbensinn hat, die Farbe von selbst.
— Wie beneide ich Sie so viel Schönes sehen, die Ate-
liers der berühmtesten dortigen Künstler besuchen zu
können ! etc. Wills Gott, im nächsten Frühjahr; dann
hoffe ich, Sie auch noch dort zu treffen und nehme im
Voraus Ihren Schutz und Beistand in Anspruch. Sehr
freue ich mich, Arbeiten von Ihnen zu sehen, bitte Sie
aber, doch die Pferde nicht ganz zu vernachlässigen
Sollte auch die franz. Cavalerie deren nicht die schönsten
haben, wie ich schon vielfach gehört habe. — An Le
Poitteoin 1000 Grüsse sowie an meine Landsleute, die
sich meiner erinnern — Hier ist alles beym alten.
Perdisch geniert mich sehr durch seine feurige Leb-
haftigkeit und Raabe durch sein burschikosen, lüder-
lichen Lebenswandel!'! Themann will ein religiöses

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