Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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DIE GROSSE KUNSTAUSSTELLUNG IN DRESDEN

VON

KARL KOETSCHAU

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^ chon seit einem Jahrzehnt hebt sich Dres-
den in ausgesprochener Besonderheit von
den übrigen Ausstellungsstädten ab. Zum
ersten Male war es ihm im Jahre 1897
1 geglückt, eine von der Parteien Gunst
und Hass in keiner Weise verwirrte Aus-
stellung zustande zu bringen. Die von
einem geläuterten Geschmack getragene Anordnung,
die weise Beschränkung in der Auslese Hessen den
Begriff des Bildermarktes nicht aufkommen, und
in einer sorgfältigen Zusammenstellung der Werke
Meuniers hatte sie Etwas, das man sonst in den
Ausstellungen jener Jahre vergebens suchte: ein
künstlerisches Gewissen.

Im weiteren Verlauf wurden die Grundsätze,
die hier zu einem Erfolge nicht gewöhnlicher Art
geführt hatten, beibehalten. Aus welcher Richtung
ein Kunstwerk hervorgegangen war, blieb, ganz
im Gegensatz zum übrigen Deutschland, nach wie

vor gleichgültig. Die Fragestellung war nicht:
woher kommt es? sondern: ist es gut oder schlecht?
Heute klingt das Vielen selbstverständlich. Vielen,
aber noch keineswegs Allen, nicht einmal den
Meisten. Dieses Streben nach reifer Sachlich-
keit führte dann weiter bei den nächsten Aus-
stellungen dazu, nicht nur in den Werken der
Gegenwart jenes künstlerische Gewissen zu suchen:
man griff in die Vergangenheit zurück. So entstand
die Cranach-Ausstellung, so die historische Portrait-,
eine Empire- und die retrospektive Ausstellung des
Jahres 190.1, die in gewissem Sinne den Gedanken
der Jahrhundert-Ausstellung vorwegnahm und ihn,
indem man sich nicht auf Deutschland beschränkte,
verallgemeinert aussprach. Es entstand schliesslich,
mitten in jener scharfen Auseinandersetzung zwischen
Stillosigkeit und Stil, wie sie die dritte deutsche
Kunstgewerbe-Aussteilung im Jahre 1906 zeitigte,
die Abteilung „Techniken", eine Sammlung alten

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