Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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ich, so flott- in feinem Trab und es konnte garnicht
besser gehn. Schon ausserhalb von Madrid fingen wir
an scharf zu fahren, ich jährte die Zu gel, da sagte
er zu nur: soll ich ihn einmal umdrehen lassen a la
Napolitana. (Das Pferd stoppte daher), ich gab ihm
die Zügel, da ich wünschte, etwas Neues zu sehen und
kennen zu lernen und im Galopp, wie er in der Mitte
des Weges ging, — obwohl dieser breit war, war er
es doch nicht genug, um sich das, was er ausführte,
vorstellen zu können —kamen wir beim Umbiegen zum
Stillstand, Wagen, Pferd und wir überschlugen uns
und Gott sei Dank, war der, welcher am schlechtesten
davonkam, nur ich, es hatte nichts weiter zu bedeuten,
als dass ich seit dem Santjago - Tage, als dieses pas-
sierte, bis heute meinen Hof-Arzt erwarte, um zu
wissen, ob er mir erlaubt, etwas zu gehen. Es ist
nämlich am Knöchel das rechte Bein verletzt, aber
nichts gebrochen noch ausgerenkt. Ich hatte mir ein
beneidenswertes Dasein geschaffen, schon hatte ich nicht
mehr zu antichambriren. Wer etwas von mir wollte,
kam zu mir, ich machte mich immer rarer, und wenn
es nicht eine sehr hohe Persönlichkeit war oder mit
Empfehlung eines Freundes kam, führte ich für Nie-
manden eine Arbeit aus, und je unentbehrlicher ich
mich machte, desto weniger verliessen sie mich (noch
verlassen sie mich), so dass ich nicht weiss, wie fertig
werden. Indem ich auf diese Weise so ahnungslos
war wie du es nur im entferntesten sein kannst, er-
fuhr ich, dass es Anwärter für die 'Teppichfabrik gab,
und es interessierte mich nicht weiter, als dass ich mich
freute, dass einige der verdientesten Professoren ihr
Auskommen finden würden. Eines Tages Hess mich
Bayeu rufen — wir standen uns nicht besonders (?),
was mir grosse Verwunderung verursachte und begann
mir zu sagen, dass der Dienst des Königs immer be-
gehrenswert wäre und dass er mit 12000 Realen ange-
fangen hätte und dass er diese aus der Hand, Mengs
erhalten und zwar nur als Gehilfe, dass ich jetzt aber eine
bessere Gelegenheit hätte, in den Dienst des Königs zu
treten zugleich mit Ramon, und dass wir schon in Betracht
gezogen wären, denn ihm und Maella wäre ein Befehl
des Königs zugegangen, die besten Maler in Spanien
auszusuchen, und dass ein Jeder einen vorschlagen
solle, und dass er seinen Bruder vorgeschlagen und
es derart arrangiert hätte, dass Maella mich vor-
schlüge, um die Torlagen für die Teppichfabrik zu
malen und für jede andere Art von Arbeit für den
königliehen Dienst mit jährlich 1 y 000 Realen. Ich
dankte ihm und wusste nicht, was mir geschah; nach
2 Tagen hatten wir schon die Mitteilung, dass der
König es zu denselben Bedingungen, wie angegeben,

dekretiert habe, derart, dass, als ich es erfuhr, es
schon dekretiert und dem Schatzamt angewiesen
war. Wir gingen dem Könige, Kronprinzen und In-
fanten uns vorzustellen, und da bin ich ohne zu wissen,
wie das Abscheuern geschah.

Mit dem, was ich hatte, bringe ich es auf beinah
2S 000 Realen und nicht will ich mehr Gnade bei Gott,
was ich Dir aufrichtig zur J rerfügung stelle, Du musst
nicht sagen, dass ich nicht ein Schwätzer bin. Bitte
grüsse D. Juan Martin und sorge, dass diese Beilage
meine Schwester empfange.

Dein Tran de Goya

Madrid, den 1. August 1786.

ch habe Pallas noch nicht gesehen, um ihm den
geben.

r Martin, ich schreibe Dir nicht franzö-
sisch, bis ich es besser zu sprechen verstehe, weil es mir
noch viel Arbeit kostet. Durch Yoldi erfuhr ich, dass
du Drosseln fängst und dich so gut wie möglich zer-
streust, wir sind einige Mal auf Lerchen gegangen
und schössen so schön vorbei, wie Du, aber wir brachten
den Tag vergnügt und im Freien zu. Alles erscheint
einem Zerstreuung, nur das Beschmutzen der Flinten
ist unangenehmer als es erscheint. Ich möchte wissen,
ob Du schmuck, vornehm oder ruppig bist, ob Du Dir
einen Bart zugelegt hast, ob Du alle Zähne hast, ob dir
deine Nase gewachsen ist, ob du Brillen trägst, ob du
stramm schiffst, ob du irgendwo weiss geworden bist
und ob für dich die Zeit wie für mich verstrichen ist.
Mich hat sie alt gemacht mit vielen Runzeln, so dass
du mich nicht erkennen würdest, ausser an der Stumpf-

nase und an dem feuchten....... Sicher beginne

ich schon recht die 41 Jahre zu fühlen. Du aber hast
dich vielleicht so conserviert, wie in der Schule des
Pater Joaquin.

An den Mönch in Valencia habe ich wegen der
Farben geschrieben. An meine Schwester schreibe ich
heute Abend, dass sie zu dir gehen soll und du wirst
ihr die 1 /• duros geben, die ich hier an Piran und an
Joldi zahlen werde, denen ich, bevor ich die Summe
wusste, die sie dir schuldete, 200 Realen gab, aber auf
dein Conto rechne ihm nur die 9 'Thaler an, denn er
sagte mir schon, dass er mir den Rest gutschreiben
würde, aber ich brach in Lachen aus, indem ich ihm
für die Rechtschaffenheit dankte.

Gute Nacht, Friede auf Erden und Wohlgefallen
in Ewigkeit, Amen.

Fr an de Goya

28. November 87.

Entschuldige die Mühe.



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