Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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Ich glaube also, es ist eigentlich dasselbe, was
du bist.

Sicher ist, dass wir unseren Dunghaufen sehr
behutsam behandeln, und doch nicht behutsam ge-
nug. Sonne und Wind sind zwei Dungdiebe, und
um sie abzusperren ist Elfström jetzt im Begriff,
ein Brett, ein hohes, auch vor diese Seite anzubrin-
gen. Der Regen ist ebenfalls ein Dungzerstörer,
und deshalb pflegt man den Schatz mit einem Dach
zu versehen. Dies brauchen wir nicht, die wir eine
Menge des kostbaren Aufsaugers, der Torfstreu be-
sitzen. Sie breiten wir wie eine Decke über die
ganze Herrlichkeit; das schützt gegen die warmen
Küsse der Sonne und die verdrossenen Thränen des
Regens.

Nun mag der Dung in seinem Asphaltbett
brennen, soviel er will. Und damit ihm kein Un-
glück widerfährt, haben wir eine Jauchegrube ge-
mauert . . .

„Gott liebt die Ordnung", sagt ein deutsches
Sprichwort.

Bauer, sorge erst für deinen Dunghaufen, dann
für deine Seele!

Mit ihm hat es grössere Eile, und er ist nütz-
licher für das Land.

Aber vernachlässige auch deine Seele nicht, wie
es so Viele thun, bis du auf dem letzten Loch
pfeifest.

Siehst du, auch in dir soll es ein Weilchen
brennen —■ bis du hinausgefahren wirst!

Schlachtfest.

Das ist eine scheussliche Geschichte. Aber sie
durfte doch, fand ich, nicht ausgelassen
werden. Widerwärtig und grausam!

Aber: hat unser Schwein auch nur kurz gelebt,
so hat es doch gut und sorglos gelebt. Nirgends
im ganzen Dorfe haben es die Schweine so gut wie
bei mir. Sie sind ja menschlich! Dicke Verwandt-
schaft am Ende? Die ist am schlimmsten, d. h. die
Linie, der wir angehören!

Namenlos und ohne Lebensgeschichte, mit Vor-
fahren, aber ohne Nachkommen, starb dieses Exem-
plar einen Heldentod, da es mit der Schlachtmaske
erschossen wurde.

Es darf nicht klagen.

Und es bekam einen guten Nachruf am Weih-
nachtsabend!

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