Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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gehoben; sie Hessen sich noch ausserordentlich ver-
mehren, da jahrein jahraus neue, geschicktere Fäl-
schungsarten auftauchen. Auch habe ich hier
nur von solchen Nachahmungen, die eine gewisse
Selbständigkeit der Erfindung und besonderes Ge-
schick verraten, gesprochen. Dass jeder kleine
Antiquar in Italien und zum Teil selbst ausserhalb
Italiens allerlei Nachahmungen und Kopien nach
klassischen alten Kunstwerken besitzt, bei denen
der Käufer in Ungewissheit gelassen wird, ob er
ein Original oder eine Kopie kauft, dass Bronzen
wie die spielenden Engel Donatellos, die heilige
Familie von Pierino da Vinci u. a. m. noch immer
naive Käufer finden, die doch einmal eine Original-
wiederholung darin entdeckt haben wollen, dass

die longobardischen und andere mittelalterliche De-
korationsstücke zu Zehntausenden in Venedig und
sonstwo fabriziert werden, um als Blumenbehälter,
Fontänen u. s. f „drüben", nicht selten aber auch bei
uns einen Platz zu finden, ist Jedem, der Italien
wiederholt bereist und sich dort im Antiquitäten-
handel umgesehen hat, so bekannt, dass ich es hier
nur im Vorbeigehen erwähne. Solche plumpe
Nachahmungen und moderne Umgestaltungen und
Verunstaltungen werden kaum ernste Sammler
täuschen, aber das Verschwinden echter Kunstwerke
aus dem Handel macht Händler und Fälscher täg-
lich erfinderischer, sodass die Warnung zur Vor-
sicht beim Kaufen alter Kunstsachen gar nicht laut
und ernst genug ausgesprochen werden kann.

R1CCIO, DECKEL EINES TINTENFASSES IM ASIIMOLEAN MUSEUM ZU OXFORD

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