Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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ihm wenn er auf Abwegen wandelt den rechten
Weg zum. Heile der Kunst zu zeigen, so dürften sie
insgesamt diesen Vorschlag, derlei Besprechungen in
den Ateliers der Künstler zu pflegen, ihre begonne-
nen und vollendeten Leistungen kritisch zu beleuch-
ten, annehmen, und ich verpflichte mich, der erste
zu sein, der in seinem Atelier seine Werke einer
solchen Besprechung unterzieht. Nur eine kleine
Bedingung setze ich daran: dass meinerseits einige
Zeugen, wenn auch stillschweigend, diesen Ver-
handlungen beiwohnen.

Nun meine Herren, kann man billiger sein,
haben Sie eine bessere Gelegenheit Ihre Beurteilungs-
fähigkeit zu beweisen?

Auch verpflichte ich mich der erste zu sein, der
über diese Fähigkeit in der Öffentlichkeit seine An-
erkennung ausspricht, und alles widerruft, was er
über ihre Ignoranz zum öftern gesagt und ge-
schrieben, wenn sie das Gegenteil in solcher Art
beweisen. Im Gegenteil aber müssen sie die Sache,
wenn auch eine Lieblingssache von ihnen, aufgeben
und keine Kritik mehr schreiben, denn sonst würde
ich auch ihr Fiasko, bestätigt durch die Zeugen, dem
Publikum zur Einsicht stellen.....

Auch dürfte ihre Anonimität aufhören (viel-
leicht verschweigen sie aus zarten Rücksichten für
ihre Angehörigen ihre Namen!) sie müssten ihre
Kritiken mit ihren wirklichen, nicht Pseudonamen
unterzeichnen, damit das Publikum gleich ersehe,
mit wem es zu thun hat, auch würden dann die
Künstler sich an sie wenden können ihren Rat ein-
zuholen, überhaupt Nutzen schöpfen von ihren
Kenntnissen. Es wäre auch für die Nachwelt

wünschenswert ihre Namen zu wissen, damit sie
bei der verdienten Anerkennung manches Künstlers
und seiner Werke auch ihren Teil bekämen.

Wie sind Mozart, Beethoven bei ihren Lebzeiten
von gewissen Richtern heruntergerissen worden!
Die Nachwelt denkt anders; ihre Werke in ihrer
VortrerFlichkeit und Originalität stehen vor den
Jetztlebenden unerreicht da. Mozart, Beethoven
haben in dürftigen Verhältnissen gelebt, niemand
dachte daran, ihnen wegen ihrer genialen Leistungen
Auszeichnungen zukommen zu lassen, während jetzt
manche Kompositeure (ja wohl ist jetzt alles aus Ver-
schiedenen gestohlen, komponiert!) mit mehreren
Orden prangen, die nicht würdig sind, Jenen die
Schuhriemen aufzulösen. Beethoven hätte sich hoch
geehrt und glücklich gepriesen, wenn er die gol-
dene Medaille erhalten hätte als Anerkennung seiner
künstlerischen genialen Leistungen. Die Aner-
kennung wirklich künstlerischen Verdienstes ist
aber jedem Staate Pflicht und gereicht ihm zur Ehre.

Wie in der Musik, ebenso in der bildenden
Kunst sowohl in Österreich als in Deutschland.
Diejenigen Maler oder Bildhauer und Architekten,
die so recht aus den vorhandenen Kunstwerken
aller Zeiten zu stehlen wissen, werden für diese
Diebstähle honoriert und dekoriert. Bei solchem
Treiben wäre es am Platze, dass die Kunstgelehrten
ihre Stimme erheben und darauf hinweisen sollten;
was ist aber die Ursache ihres Stillschweigens? Un-
kenntnis, Parteilichkeit.....

Mögen derlei geschichtliche Thatsachen das
Publikum für die Folge aufmerksam auf die Unter-
scheidung von Wahrheit und Trug machen.

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