Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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K. SCHUCH, ABAZZIA ST. GREG0R10

Er meinte hiernach auf das Klarste, dass in
letzter Instanz ein Werk nur Wert hat durch die
Persönlichkeit, die dahinter steht, nicht durch die
Ausdrucksform, Sprache, in der es vorgetragen.
Dass er sich treu blieb, sieht man an seinen grossen
Waldbildern vom Doubs, wohin er in den achtziger
Jahren oft ging. Das Licht zittert in den Bildern
aber der Helle ging er doch eher aus dem Wege,
als dass er sie suchte. Es zittert durch die mannig-
faltigen Valeurs. Nur ein Deutscher konnte Wald-
bilder scharfen von solcher Intimität und Wucht,
diese Waldbilder vom Doubs, geben mir Recht,
wenn ich behaupte, dass Schuch sein Ziel vom Still-
leben zur Architektur und Landschaft zu kommen
erreichte. Statt aber, dass eins dieser grossen Wald-
bilder mit dem grossen Küchenstilleben, das Schuch
für sein Hauptwerk hält, eine deutsche Galerie
schmückt und sein Bild vervollständigt, sind sie in
Wien begraben.

Dass Schuch auch Köpfe, von denen mein Por-
trät Leibische Qualitäten hat, und auch Akte malte,
darf ich nicht unerwähnt lassen. Leider werden
nur meine Sachen übrig geblieben sein.

Schuch als Mensch zu schildern, würde
auch sehr interessant sein, doch muss ich mich
kurz fassen. Wenn bei einer künstlerischen
Persönlichkeit der Künstler nur der Extrakt
von seinem Menschen ist, so ist der Rück-
schluss bei Schuch nicht trügerisch. Nur
ein tief- und feinfühlender Mensch konnte
diese Kunst scharfen, und wenn für den
Liebhaber der Sinn, Bilder zu sammeln, der
ist, dass er hinter seinen Kunstwerken ihre
Erzeuger von der Wand deutlich reden hört,
so muss ich sagen, dass mir mein Porträt
von ihm ein kostbarer Besitz ist, der mir
sein Andenken als Freund und Lehrer immer
gegenwärtig und lebendig erhält.

Bei allseitiger Bildung, bei lebhaftem
Temperament, bei grosser Opferfreudig-
keit und Aufrichtigkeit, war es eine
Freude, mit ihm zu leben und zu streben.
Seine Treue war gross; und für mich
war es die schönste Zeit, meine eigentliche
Lehrzeit, als ich mit ihm zusammenstrebte
und lebte.

Wenn ich neuerdings lese, in welcher
Weise Trübner über seinen verstorbenen
Freund spricht, so befremdet mich das
sehr. Ich weiss, dass Schuch mit Trübner
intim befreundet war, dass Schuch mit
ihm Freundschaft schloss, um gemeinsam zu streben
und dass Schuch der Letzte sein würde, einen Ein-
fluss Trübners zu bestreiten. Wieviel Einer dem
Andern gab, ist schwer festzustellen und auch voll-
kommen gleichgültig, die es in letzter Instanz für
die Bedeutung Schuch doch nur darauf ankommt,
was er ohne Einfluss geschaffen hat. Ich glaube
aber, dass bei der starken Intelligenz Schuchs die
aus seinem Lebenswerk sowie aus seiner Korre-
spondenz spricht, auf der ich fusse, von einer Ab-
richtung keine Rede sein kann. Wenn Trübner
diese Briefe, in denen Schuch über ihn spricht, lesen
würde, so könnte er keinen Augenblick im Zweifel
sein, wie ihn Schuch als Freund verehrte, wie er
sein Talent anerkannte und stets für ihn eingetreten
ist. Sicher hätte Trübner nicht in solcher Weise
über seinen toten Freund sprechen können. Wenn
Talent gestaltendes Gefühl ist, so hatte Schuch sehr
viel und sein Lebenswerk wird für Einsichtige be-
kunden, inwieweit er von Trübner beinflusst war
und was er unbeeinflusst schuf. Dies Lebenswerk
(die grossen genannten Bilder an der Spitze), wird
deutlicher für ihn reden als ich es jemals vermöchte.

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