Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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FRANZ KRÜGER, FARBIGE ZEICHNUNG

beendet har, wo er daran ging die
Plastik zu reorganisieren, ein Mu-
seum der Lebenden zu gründen
und andere konkrete Pläne zum
Segen der deutschen Kunst zu ver-
wirklichen. Seine Galerie reizt
schon jetzt den Neid des Aus-
landes ;umdieserSchöpfungwillen
bewundern uns selbst die Fran-
zosen. Liesse man Tschudi zehn
Jahre noch an seinem Werk ar-
beiten, so würde es vorbildlich
sein für die ganze Welt.

Nicht um eine berlinische
oder preussische Angelegenheit
handelt es sich hier, sondern um
eine alldeutsche. Unter den wirk-
lich schöpferischen Künstlern hat
die Nachricht unendlich erregend
gewirkt. Und wer irgendwie ein
rechtes Verhältnis zur Kunst hat,
fühlt einen Grimm in sich, der
gefährlich ist, weil kein Ausfluss
dafür vorhanden ist. Die Zei-
tungen haben begriffen, was auf dem Spiel steht und
mit erfreulicher Einigkeit Protest erhoben. Wenn die
Regierenden noch hören können und wollen, so ist es
jetzt an der Zeit. Sie haben die Pflicht dazu, als Diener
der Nation. Der Bürger ist es, der diese Galerie bezahlt
und erhalten hat; ihm gehört sie. Wer sie leichtsinnig
ruiniert, übervorteilt ihn und bringt ihn um sein Eigen-
tum. Behandelt ihn daneben wie einen Schulbuben, der
sich jeder Laune fügen muss. Ein Parlament, das jetzt
nicht Einspruch erhebt, ist hoffnungslos. Es kann sprechen,
denn hier steht endlich einmal ein Minister verantwort-
lich vor dem Kaiser. Verstummen die Abgeordneten
auch dieses Mal, so wird die Presse und die öffentliche
Meinung ihr Geschäft übernehmen müssen.

■&

Von Peter Janssen, der vierundsechzigjährig nun ge-
storben ist, giebt es ein paar Bilder und Studien, die
nachdenklich machen können. Während man gleich-
gültig an den düsseldorfischen Historienkompositionen
vorüberging, fesselte zuweilen in Dem, was der Künstler
nebenbei gemacht hat, ein Ton der Ursprünglichkeit,
der aber nie bewusst kultiviert worden ist. Ähnlich,
wenn auch nicht so stark wie bei Eduard von Gebhardt.
Man sieht, hier wie dort, was hätte sein können. Was
hätte sein müssen, wenn die echte Malerbegabung bei
uns nicht immer noch und immer wieder vom offi-
ziellen Akademieprofessor zum Aschenbrödel gemacht
würde. Wieder ein Nekrolog, der nur ein achtungs-
voller Seufzer sein kann!

Es ist jetzt viel die Rede von
Ausstellungen deutscher Skulp-
tur in Amerika. Gleich von
zweien. Eberlein und Walter
Schott laufen sich gegenseitig den
Rang ab. Wenn sich die Herren
mit ihrem so gar nicht künstle-
risch anmutenden Ehrgeiz doch
etwas ruhiger verhalten wollten!
Eine deutsche Kunstausstellung
in Amerika wäre nicht übel. Aber
sie müsste ein Ereignis sein. Nur
mit dem Beistand der staatlichen
Museen, nur unter der Leitung
eines grossen Unparteiischen
könnte etwas Rechtes zu stände
kommen. Künstler, die auf sich
halten, werden es sich sehr zu
überlegen haben, ob sie sich der
Initiative Eberleins oder Schotts
anvertrauen sollen. Am besten
wäre es, man wartete, bis Dr. Va-
lentiner, der frühere Assistent
Bodes, seine Stellung als Leiter
der kunstgewerblichen Abteilung im Metropolitan-
Museum in New-York angetreten hat und hörte, wenn
er sich drüben dann orientiert hat, seinen Rat.

K. S.

Über die Dresdener Museen und ihre Verwaltung
sagte Gustav Pauli neulich im ,,Tag" beherzigenswerte
Worte, die in all1 ihrer Deutlichkeit gerade jetzt hier zu
wiederholen nützlich sein wird:

„......Dresden stagniert, und dass es stagniert, ist

nicht nur eine bemerkenswerte interne Angelegenheit
der Sachsen, sondern Etwas, das die Kunstfreunde der
ganzen Welt angeht. Denn für sie und nicht nur für
die Dresdener sind die Museen Dresdens da. Die Ge-
mäldegalerie leidet an Hypertrophie (in der modernen
Abteilung überdies noch an Wassersucht). In der Skulp-
turensammlung mangelt es an Platz; die Porzellansamm-
lung ist ungünstig untergebracht; die Ordnung des Münz-
kabinetts lässt vieles zu wünschen übrig. Kunstgewerb-
liche Erzeugnisse kann man an fünf verschiedenen Stellen
suchen: im Historischen Museum, in der Porzellansamm-
lung, im Grünen Gewölbe, im Kunstgewerbemuseum
und in der Sammlung des Altertumsvereins. Einen un-
geheuren Bestand an alten Kupferstichen giebt es doppelt
in der königlichen Sammlung und in derjenigen der
prinzlichen Sekundogenitur. Dabei fehlt es nicht an
tüchtigen Museumsbeamten, wohl aber fehlt's an einer
vernünftigen Zentralisation der Verwaltung, die das
Verständnis und die Macht vereinigt, um der Konkur-
renz der Institute untereinander vorzubeugen und um

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