Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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mörder, den Du für uns hältst, nicht durch ein-
fache Kenntnisse in der Ausübung seiner Pflicht
gehemmt zu werden, daher „passe" über die Aus-
führung; aber er dürfte seines Herrn Ruf für
glänzende Appercus nicht so kompromittieren und
Dinge drucken, über die der erste Beste spotten
kann. Also ernstlich mein lieber Atlas: die Impor-
tanz einer Radierung hängt nicht von ihrem Um-
fang ab. „J am not arguing with you, J am telling
you." Ebenso könnte man von Deinen Witzen
sagen, dass sie, weil kurz, nicht important sind.
Gieb acht, Atlas, sei streng mit dem Mann. Schärfe
ihm ein, dass sein „Geschäftchen" sauber ausgeführt
werden muss. Ich selbst könnte meine eigene Kehle
besser durchschneiden. Und falls Not am Mann, bei
seiner eventuellen Entlassung biete ich meine Dienste
an. In der Zwischenzeit freudig der Deinige.
Eine Berichtigung.

Eine erdichtete Unterhaltung im Punch verur-
sachte folgenden Depeschenwechsel: Von Oskar
Wilde Exeter an Herrn I. Mac. Nil. Whistler, Tite
Street: Der Punch zu albern — wenn Sie und ich
zusammen sind sprechen wir doch über nichts an-
deres als über uns selbst. — Von Wh. Tite Street
an Oscar Wilde Exeter: Mein bester Oskar! Sie
irren sich, wenn Sie und ich zusammen sind, sprechen
wir über nichts anders als über mich.
Naif Enfant.

. . . Nahe hierbei hängt ein anderes Porträt von
allerhöchstem Interesse, und obgleich ganz ab-
weichend gemalt, ist es sehr geeignet, so nahe bei
Herrn Hunts Bild zu hängen. Es ist Mr. J. Ruskin,
von Herrn Herkomer gemalt. Es ist schwer, den
Wert der Malerei dieser Bilder von dem Interesse des
Gegenstandes zu trennen, da es das erste Ölporträt
unseres grossen Kunstkritikers ist, das wir kennen.
Es ist von eigentümlicher Schönheit und unserer
Meinung nach ist Herrn Herkomer noch kein
Porträt so gelungen.

Ein direkter Wink.

„Ne pas confondre intelligence avec gendarmes"
- aber wirklich lieber Atlas, wenn der Kunstkri-
tiker der Times, der möglicherweise an einem chro-
nischen Katarrh leidet, in die Grosvenor Galerie
hineinsegelt, ohne Führung oderKompass und nicht
einmal durch den einfachen Geruchsinn zwischen
Ol und Wasserfarben unterscheiden kann, müsste er
sich, wie Mark Twain, erst erkundigen. Hätte er nur
den Aufseher oder den Feuerwehrmann gefragt, so
hätte wohl jeder Einzelne ihm davon abgeraten, zu
sagen, dass das hauptsächlichste Interesse an Herrn

Herkomefs grossem Aquarell-Porträt von Herrn
Ruskin daran liegt, dass es das erste Ölbild ist,
das wir von unserm grossen Kunstkritiker zu sehen
bekommen. Adieu.

Eine eifrige Autorität.

Herr Whistler versteht es, sich so keck zu ver-
teidigen, dass es ein Vergnügen ist, ihn anzugreifen.
Ich rate daher mit Freuden, lieber Atlas, der
Du Deine Sprachtalente so ausserordentlich ent-
wickelt hast, die folgenden Viertel- und Achtel-
noten, darf ich sie so nennen, denn Herr Whistler
ist grade jetzt sehr in „Nöten" mit seinem Ameri-
kanisch-Italienisch, zu unterbreiten. Sie stammen aus
seinem reizenden, braun gebundenen Katalog. Zum
Anfang: SantaMargharita ist falsch, entweder muss
Margarita oder Margherita stehen, sonst ist es un-
möglich italienisch. Und wer oder was ist denn
San Giovanni Apostolo et Evangelista? Hält der
muntere und scharfe Mac Neill dies für lateinisch?
Und soll Cafe Orientale französisch oder italienisch
sein? Für französisch hat es ein e zuviel und für
italienisch ein f zu wenig. Piazetta, weiter muss
für Piazzetta aushelfen. Und schliesslich gebe ich
Campo Sta Martin gänzlich auf. Ich kann nicht ver-
stehen, was das sein soll. Der italienische Kalender
hat wohl einen San Martino und eine Santa Martina,
aber Sta Martin ist höchst merkwürdig. Der Katalog
ist allerdings äusserst kurz, immerhin sind einige
Namen darin richtig.

Ein Zugeständnis.

Touche. Und meine Reverenz vor Deinem
Korrespondenten, Atlas chcri. Fern sei es von mir,
meine Orthographie zu rechtfertigen. Wer hätte
aber auch daran denken können, dass ein Orthograph
auf Jagdbeute ausgeht. Sicherlich auch „ung vieux
qui a moult .roule en Palestine et autres lieux."
Was für eine gute Sache ist es doch, vorbereitet zu
sein. Atlas, mon pauvre ami, kennst Du die Ge-
schichte des Zeugen, der auf die Frage, wie weit ent-
fernt er von der Stelle stand, an der die That geschah,
ohne Zögern antwortete: 36 Fuss 7 Zoll. Aber
Herr, rief der klägerische Anwalt, wie können
Sie mit solcher Genauigkeit aussagen? Ja sehen Sie,
antwortete der Mann auf der Zeugenbank, ich dachte
gleich, irgend so ein verdammter Esel würde mich
ausfragen und da habe ich gemessen.
Ein unbeantworteter Brief.

Pro Charmoy Autun Saone et Loire France. Ge-
ehrter Herr! Ich schreibe jetzt an einem Buche über
Radierkunst und möchte gern einen vollständigen
Beitrag über Ihre Leistungen in diesem Fache bringen,

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