Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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Der blosse Nachahmer ist ein armseliges
Geschöpf. Wenn der Mann schon ein Künstler
wäre, der einen Baum, eine Blume, oder irgend
einen Gegenstand einfach abmalt, so müsste der
Photograph der König der Künstler sein. Der
Künstler muss mehr als dies thun: bei einem Porträt
muss er mehr auf die Leinwand bringen als das
Gesicht, das das Modell gerade an diesem einen
Tage zur Schau trägt, er muss, kurz gesagt, den
ganzen Menschen malen, nicht nur den momen-

tanen Ausdruck. Beim Farbenarrangement muss er
die Blume als die Tonart betrachten, in der er
komponiert, nicht als das trockene Modell. Dies
wird jetzt leidlich gut verstanden, wenigstens von
den Schneidern. In jedem Kleid ist man jetzt auf
eine gewisse Tonart in bezug auf die Farbe be-
dacht, die in der Komposition immer wiederkehrt,
wie der Gesang der Wiedertäufer im „Propheten"
oder das Hugenotten-Lied in der Oper gleichen
Namens.

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