Wochenbeilage zum "Pfälzer Boten" — 1890

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Nr. 31. Sonntag, den 3. Auguſt. 1890.
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4 Das Gebel der Multer. ſchien, als wenn dieſe Worte einigen Eindruck auf ihn

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Natur zuwenden kann, iſt ohne Zweifel das Geſchenk
wahrhaft chriſtlichen Mutter — Unermeßlich glücklich
as Kind, das eine wahrhaft chriſtliche Mutter hat. —
n die Mutter ſchon lange im Grabe ruht, der Sohn
, von den Stürmen des Lebens ergriffen, Hın und Her
rfen wird und nahe daran iſt, Glauben und Sitte ein—
oen und dem ewigen Verderben anheimzufallen, ſo wird
romme edle Geſtaͤlt ſeiner chriſtlichen Muͤtter ihm noch



Glaubens und der Tugend zurückführen.


3 Ketteler über die großen ſozialen Fragen der Gegen—



© vom Lande und ſind überzeugt, daß ſie manche chriſt—
Nutter in ihrem frommen Eifer beſtärken wird.

— Frühiahre des Jahres 18. . kam ein junger Mann,
4 er ſeine Studien auf der Univerſität eben vollendet

in in unſer Dorf, um ſeine zerrüttete Geſundheit bei


er allen religibſen Troſt von ſich weiſe und ihrem


ſ4 luchte die tief bekümmerte Frau zu tröſten und ver⸗
4 dem Bruder meine ganze Theilaahme zu widinen.
Ich ſah den jungen Mann, welcher an der Schwind—
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en ſpazieren gehen und benutzte dieſe Gelegenheit,
ihm zu nähern. Ich ſprach ihn eines Tages freund-
6*. und erkuͤndigte mich nach ſeinem Befinden. Mein


Nnfter an, antwortete höchft einfilbig und gemeſſen
Meine Fragen, und als ich allmählich das Geſpräch
— Troſt, den die Religien in den Leiden verleihe,
8 e, verabſchiedete er ſich ſogleich mit dem Bemerken,
* anhaltende Sprechen ſeiner Geſundheit nachtheilig


und der Arzt die Befürchtung ausgeſprochen
* aB vielleicht ein Bluͤtſturz plötzlich jeinem Leben ein
4 — fünne. Es war jebt meine Pflicht, ihn zu
* und ihn mit Liebe und Ernſt auf ſein ewiges
tip Sufmerffanı zu machen. Nachdem ich am Morgen
C aiten Sı ſeine Seele dem Herrn empfohlen und
ite * Hirten um Beiſtand und Erleuchtung gebeten
4* ich den etwas ſchweren Weg zu ſeiner Woͤhnung
4 Schweiter empfing mich und führte mich zu dem
DD * Cr ſaß auf dem Kanapee, den Lopf in der
meeneheeen Als die Schweiter mich
—42 Warf er ihr einen zürnenden Blick zu und er—
uld daß mein Beſuch ihm ſehr unangenehm ſei Ich
4 n freundlich das herbe Wort, fuchte ihn zu be-
8 und bat ihn, ſich zu Gott im vertrauungsvollen




machten, aber ich hatte mich ſehr geirrt; er erhob ſich nach
einigen Minuten und erflärte in bitterm Tone, daß er
meines Troſtes nicht bedürfe.. Ich erinnerte ihn darauf an
den Glauben ſeiner Jugend, machte ihn aufmerkſam, daß
dieſe Krankheit ihm vielieicht von Gott geſchickt fei, daß er
einen forſchenden Blick in ſein Inneres richte und der Ewig—
keit gedeuke; da wurde er aber ſo aufgeregt und heftis.
daß ich es rathſam fand, mich zu entfernen. Die Schweſter
war untröftlih. Ich bat fie, im Gebete für ihren unglück—
lichen Bruder zu verharren und der Barmherzigkeit Gottes
zu vertrauen, und verſprach, in den erſten Tagen meinen
Beſuch zu wiederhoͤlen.

Als ich kaum zu Hauſe wieder angelangt war, erhielt
ich einen Brief, woͤrin der Kranke ſich alle meine Beſuche
ernſtlich verbat und hörte zugleich von der Ueberbringerin,
daß er der Schweſter gedroht haͤbe, er würde ſofork das
Haus verlaſſen und einen Gaſthof beziehen, wenn ſie es
noch einmal verſuche, einen Geiſtlichen zu ihm zu führen.

Der Kranke erholte ſich in étwas wieder; er ging
wieder ſpazieren und begegnete mir eines Tages. Er bot
alle Kräfte auf, ſeine Schwäche zu verbergen und ging
raſch vorüber, meinen freundlichen Gruß kaum erwidernd.

Anı folgenden Morgen kam die Schweſter gleich nach
der hHeil. Meſſe zu mir und rief mir voll Freude zu „Oott
ſei Dank! mein Bruder iſt wieder ein Chriſt; er läßt ſie
bitten, ihn noch heute zu befuchen.“ Ich war nicht wenig
überraͤſcht, und eilte ſofuͤrt zu dem Kranken, da die Schweſter
zu aufgeregt und verwirrt war, um mir über dieſe plößliche
und unerwartete Umwandlung des Bruders volle Aufklär—
ung geben zu können.

Der Kranke ſchien mit einiger Ungeduld auf meinen
Beſuch gewartet zu haben, er kam mir ſchon an der Treype
entgegen ergriff meine Hand, bat mich wegen ſeines frühe—
ren Betragens um Verzeihung und ſprach dann mit Thränen
in den Augen: „Danken Sie mit mir dem barmherzigen
Sott, ich bin wieder ein Chriſt. Helfen Sie mir, daß ich
ein guter Chriſt werde und als guter Chriſt fterbe.“ Ich
wünſchte ihin und der frommen Schweiter von Herzen
Gluͤck und erkundigte mich nach der Veranlaſſung dieſer ſo
wunderbaren Umwandlung.

„Geſtern Abend,“ erzählte er, uns auf ſein Zimmer
führend, „durchmuſterte ich als ich vom Spaziergange zu—
rückkehrte und Langeweile hatte, die Bücher, welche in einem
Heinen Wandjchranke in dem Zinuner meiner Schweſter
aufgeſtellt find. Da fiel mir plötzlich das Gebetbuch meiner
Mutter in die Hand. Ich öffnele es wid das SErite, was
ich fah, war dieſes Bildchen. Sehen Sie, die gute Mutter
hHat darauf den Tag meiner erften h. Communion bemerkt,
den 14. April 18 . . und darunter das Gebet geſchrieben:
„Sefu8 Chriſtus, Du biſt in das Herz meines Sohnes
herabgekonimen, ich preiſe Deine unendliche Liebe und bitte
Dich erhalte ihn im Glauben und in heiliger Unſchuld
und führe ihn durch die Gefahren der Welt, zum ewigen
Leben! Heilige Mutter Gottes, bitte für ihn !“ — Du haſt
den Glauͤben nicht bewahrt, dır haſt deine Unſchuld verloxen,
das fiel mir zentnerſchwer auf die Seele; ich wußte nicht,






















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