Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1802. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 2.

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Die Kirche „Maria Himmelfahrt" zu

ereits am Schlüsse des I. Jahrganges
dieser Zeitschrift wurde der „kunst-
historische Roman" gewürdigt, den
Cornelius Gurlitt in seiner »Ge-
schichte des Barockstiles und des Rokoko in
Deutschland« S. 20 f. über die Jesuitenkirchen zu
Köln, Bonn, Koblenz und Düsseldorf erdichtet
hat. Alle diese Kirchen wären demnach nur
jesuitische Umbauten älterer Anlagen. Die Wich-
tigkeit der ehemaligen Jesuitenkirche zu Köln
und die zahlreichen lrrthümer, welche hinsicht-
lich ihres Baues und ihrer Ausstattung in kunst-
historischen Büchern Platz fanden, berechtigen
wohl, eine kurze aber quellenmäfsige Darlegung
ihrer Geschichte hier zu geben.

Als erste Quelle dient dazu die im Pfarr-
archiv derselben ruhende Geschichte des Kölner
Jesuitenkollegiums. Sie ist von Jahr zu Jahr
durch Zeitgenossen verfafst und bringt zu den
Jahren 1618, 20, 21, 23, 27, 29, 31 vereinzelte
Notizen, zum Jahre 1654 aber eine zusammen-
fassende Darlegung über die Förderung des
Baues und seiner Ausstattung. Eingehende Nach-
richten bietet auch das 1G45 zu Köln gedruckte
Buch des Aegidius Gelenius: »De admiranda
Sacra et civili magnitudine Coloniae« S. 503 f.
Im Jahre 1729 erschien zu Köln bei Hilden die
Schrift: »Tempii Mariani Agrippinensis PP.
Socictatis Jesu eleu, die mir aber nicht zu Ge-
bote stand. Aus den genannten Werken schöpfte
Reiffenberg für seine »Historia Societatis Jesu
ad Rhenum inferiorem«., deren erster Band 1704
zu Köln gedruckt ward, während der zweite,
nur handschriftlich vorhandene, zeitweilig im
Kölner Stadtarchiv ruht. Weitere Nachrichten
aus zeitgenössischen Handschriften und Büchern
geben v. Mering und Reischert »Die Bischöfe
und Erzbischöfe von Köln«, Köln 1844, I., 452 f.
und Milz in drei Programmen des Königl. kath.
Gymnasiums an Marzellen für 1886, 88 u. 89.

Als der Karthäuser Winheim 1607 sein »Sa-
crarium Agrippinae« veröffentlichte und darin
die Kölner Kirchen beschrieb, wirkten die Jesuiten
noch in der nördlich von der jetzigen Maria-
Himmelfahrtskirche liegenden Kapelle des heil.
Achatius. Als die Patres dieselbe am 17. Sep-
tember 1582 erlangten, hatte sie kaum je 30 Fufs
Länge und Breite. Sie wurde darum auf 100 Fufs
1 ,änge bei 30 Fufs Breite erweitert und sammt
vier Altären am 4. August 1583 durch den päpst-

Köln und ihr sogen. „Jesuitenstil".

liehen Nuntius Johann Franz, Bischof von Ver-
celli, eingeweiht. Bereits Gelen theilt die Inschrift
ihres Portales mit: Sanctissimac et individuac
Trinitati in Honorem SS. Decem millium Mar-
tyrum Achatii et Sociorum eorundem Dedica-
tum, Renovatum vero et auetum Anno Domini
MDLXXXIII. Diese Achatiuskapelle brannte
nun 1621 völlig nieder.

Vielleicht hat Gurlitt etwas davon gehört
und darausgeschlossen, die jetzigeJesuitenkirche
sei ein aus jener Achatiuskapelle entstandenes
Gebäude. Dies ist indessen nicht richtig, ob-
gleich es auch anderswo behauptet worden ist;
denn bereits 1618 war durch den Nuntius Anton
Albergati am 15. Mai der Grundstein zur neuen
Kirche gelegt worden.1) Da der eben erwähnte
Brand auch die Wohnungen stark beschädigt
und die Bibliothek gänzlich zerstört hatte, wurde
1621 der Bau der Kirche wenig gefördert. Die
ökonomische Leitung desselben lag in den Hän-
den des Paters Heinrich Scheren, die technische
hatte man dem Bruder Valentin Roth anver-
traut. Letzterer war eigentlich Schreiner, zeich-
nete sich aber auch durch Kenntnifs des Bau-
handwerkes rühmlichst aus. Beim Entwurf der
Pläne hatte man viele berühmte Baumeister zu
Rath gezogen, besonders den Pater Jo. Reinhard
(Erhard) Ziegler S. J., geb. 1569, gest. zu Mainz
1636, der als Mathematiker Ruf hatte, mit Kepp-
ler in Korrespondenz stand und die Kollegien
zu Mainz und Aschaffenburg als Rektor leitete.2)

Im Jahre 1626 war der Rohbau im Wesent-
lichen vollendet. Pater Goswin Nickel, seit dem
28. Oktober Rektor des Kölner Kollegs, sorgte
für die innere Ausstattung, besonders für die Her-
stellung der Kirchenbänke, der Beichtstühle,
der Statuen Christi, Maria und der Apostel an
den Säulen des Mittelschiffes und für die Be-
malung der Gewölbe. Die Kanzel kostete 500
Thaler und wurde vom Senator Wimmer ge-
schenkt, den Hochaltar gab der Kölner Kurfürst
Ferdinand. Für dessen Holzwerk und Statuen

1) Die Kirche ward also nicht „1602 begonnen",
wie die Festschrift: »Köln und seine Bauten« (Köln
1888, Du Moni) S. 137 angibt.

2) Reiffenberg IL, S. 34, verweist für Ziegler auf
Menkens »Gelehrten-Lexikon« (Leipzig 1715), wo
S. 2574 eine kurze Notiz über Ziegler gegeben ist. Seine
Werke sind aufgezahlt bei De Bäcker »Bibliotheque des
ecrivains de la Compagnie de Jesus«. 2. Ed. III., p. 171'J.
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