Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1S92.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 3.

9G

B ü c h e r s c h a u.

Der Dom von Eichstätt in seiner baugeschicht-
lichen Entwicklung und Restauration. Festgabe zum
25jährigen Bischofs-Jubiläum des Herrn Dr. Franz
Leopold Freiherrn von Leonrod, Bischof von Eich-
stätt, am 19. März 1892, von Fr. Xav. Herb. Mit
4 lithographischen Tafeln und 2 Lichtdruck-Abbil-
dungen. Eichstätt 1892, Kommissions-Verlag der
Ph. Brönner'schen Buchhandlung.
Der Dom von Eichstätt, den der Verfasser mit Recht
einen „denkwürdigen Monumentalbau" nennt, verdient
eine Beschreibung sowohl wegen seiner ,,baugeschicht-
lichen Entwickelung", als in Bezug auf seine „Restau-
ration", welche 1881 begann und ihrem Abschlüsse ent-
gegengeht. Den Spuren der alt christlichen Anlage
geht der Verfasser nach, beschreibt eingehend die
romanische Pfeilerbasilika und weist die An-
und Umbauten der gothischen Periode nach, alles
dieses an der Hand urkundlicher Nachrichten und
archäologischer Untersuchungen, die sich, von mehreren
Grund- und Aufrissen unterstützt, zu einem ganz klaren,
anschaulichen Bilde vereinigen. — Der Begeisterung,
mit welcher der hochwürdigste Herr Bischof zur Restau-
ration des Domes rief, entsprach der Erfolg in den
zusammengebrachten Geldmitteln, wie in dem, was mit
ihrer Hülfe geschaffen wurde, an Wand- und Glas-
malereien, an Möbeln und sonstigen Ausstattungsgegen-
ständen. Die Aufgabe war keine leichte, sie darf aber
als eine gelungene bezeichnet werden, und was der
Verfasser darüber mittheilt, ist höchst interessant und
instruktiv. Möge das warm und anregend geschriebene
Büchelchen recht viele Abnehmer finden! G.

Die gottgeweihten Jungfrauen in den ersten
Jahrhunderten der Kirche. Nach den palristi-
schen Quellen und den Grabdenkmälern dargestellt
von Joseph Wilpert. Mit 5 Doppeltafeln und
3 Abbildungen im Text. Freiburg 1892, Herder'sche
Verlagshandlung.
Ein neues, bislang von den Geschichtsschreibern
der allchrisllichen Kirche nur gelegentlich berührtes
Thema ist es, welches der hochverdiente, ungemein
produktive Katakombenforscher in seiner neuesten
Schrift behandelt. Trotzdem erscheint es nicht in der
provisorischen Gestalt spärlicher Beiträge, sondern in
der ausgereiften Form einer umfassenden, abgeschlos-
senen Studie, die durch den überaus lieblichen Gegen-
stand, wie durch die lichtvolle Art seiner Behandlung,
etwas sehr Anziehendes hat. Im I. Theil stellt der
Verfasser auf 51 Folioseiten zusammen, was ihm über
den „Stand der gottge we ihten Jungfrau en" in
der altchristlichen Zeit seine eingehenden und müh-
samen Studien in den Schriften dieser Periode ergeben
haben. Es ist ein überraschend reiches Material, so
dafs wir erstaunt sind, in dieser Zeit einem jungfräu-
lichen Klosterleben zu begegnen, das wir bis jetzt ge-
glaubt hatten, (in dieser Durchbildung) erst im Mittel-
alter annehmen zu dürfen. Ueber das „Ansehen, in

welchem die gottgeweihten Jungfrauen standen", über
ihre „Gelübde" resp. deren „Ceremonien", über die
Einkleidungsformalitäten, die Alters- und Freiheitsver-
hältnisse, ihre „Lebensweise" und klösterliche Einrich-
tung, sowie über den ihnen verheifsenen himmlischen
Lohn, unterrichten bis ins Einzelne die 8 A bschnitte,
in welche dieser Theil zerfällt. — Den „bildlichen
Dar Stellungen der gott geweihten Jungfrauen"
ist der II. Theil gewidmet, in welchem zunächst der
„Einkleidungs-Szene in den Katakomben der hl. Pris-
cilla", als der durch Alter, Ausführung und Erhaltung
hervorragendsten bezüglichen Darstellung, eine umfäng-
liche und gründliche Untersuchung an der Hand einer
ganz ausgezeichneten Chromo-Photographie zu Theil
wird. Nachdem „verschiedene Ansichten über die Be-
deutung des Gemäldes", die zum Theil sehr weit von-
einander abweichen, vorgeführt sind, gibt der Verfasser
eine „Erklärung", die überzeugend ist, obgleich sie in
Bezug auf mehr untergeordnete Details eine gewisse
Latitüde läfst. Im Anschlüsse daran behandelt der Ver-
fasser die Parabel von den klugen und thörichten Jung-
frauen, deren in der altchristlichen Zeit äufserst seltene
Darstellungen zum ersten Male in zwei zuverlässigen Ab-
bildungen erscheinen, von bezüglichen „Grabinschriften"
gefolgt Und erläutert. Eine Sarkophag-Darstellung mit
dem „Chor der Jungfrauen" und zahlreiche „Grab-
inschriften von Jungfrauen aus den römischen Kata-
komben" bringen die überaus lehrreiche Erörterung zum
Abschlüsse, die einen neuen Merkstein in der Geschichte
der Katakombenforschung bezeichnet. D.

Häusliche Kunst. Herausgegeben von Frieda
Lipperheide. Berlin 1891, Verlag von Franz
Lipperheide.
In diesem, auf 9 Lieferungen berechneten Werke
stellt sich die um die Reform der weiblichen Kunst-
thätigkeit hochverdiente Herausgeberin die überaus zeit-
genräfse Aufgabe, in gemeinverständlicher, durch zahl-
reiche Illustrationen unterstützter Darlegung aller tech-
nischen Verfahren zusammenzustellen, welche bei der
künstlerischen Ausstattung des Hauses verwendet und
auch von nichtberufsmäfsigen Händen ausgeführt zu
werden geeignet sind. Was in den bereits erschienenen
4 Lieferungen vorliegt, verdient sowohl in Bezug auf die
Auswahl des Stoffes, wie die Art der Unterweisung und
die Brauchbarkeit der Muster uneingeschränktes Lob.
Der äufserst geringe Preis von 50 Pf. für jede Lieferung
ermöglicht in den Damenkreisen, für welche das Werk-
chen vornehmlich bestimmt ist, die weiteste Verbreitung.
Von den derselben Verfasserin zu dankenden
„Musterblättern für künstlerische Hand-
arbeiten" ist soeben die III. Sammlung (25 bis 36
Blatt) für 3 Mk. erschienen, vornehmlich aus den letzten
Jahrhunderten angehörenden Stickereimuslem bestehend,
die von der Kunstanstalt der »Illustrirten Frauen-Zei-
tung« in vortrefflichen Farbendrucken mit ganz frap-
panter Treue wiedergegeben werden. Schnütgcn.
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