Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1892. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 12.

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Ueber Form und Ausstattung der Bilderrahmen.

ie wichtig der Rahmen für das Bild
ist, welches er zu umgeben hat, gilt
wohl als eine allgemein bekannte
Sache. Man erfährt dies am besten,
wenn sich Gelegenheit bietet, ein Bild ohne alle
Umrahmung und dann in einem Rahmen zu
sehen. Selbst eine linienbreite Einfassung thut
ihre Wirkung. Weil also die grofse Bedeutung
eines Rahmens sogleich in die Augen springt,
so hängt sehr viel davon ab, ob man in Form
und Ausstattung desselben im Verhältnisse zum
Bilde wohl das rechte Mafs getroffen hat. Es
kann ein Bild durch einen passenden Rahmen
gleich gewinnen, wie durch einen nicht passen-
den gleich in seiner Wirkung einbüfsen.

Der Rahmen hat zum Hauptzweck, das Bild
von der Mitwirkung aller umgebenden oder in
der Nähe befindlichen Gegenstände für das Auge
möglichst auszuschliefsen. Um dies desto besser
zu erreichen, mufs man vor andern) auf das
Bild selbst seine gröfste Aufmerksamkeit richten.
Diesem zum Besten ist zuerst auf die Breite des
Rahmens und dessen Ränder zu sehen, damit
etwa nicht die Umfassung einen mächtigeren
Eindruck macht als das Umfafste, welches doch
immer als die Hauptsache erscheinen mufs. Es
ist also nothwcndig, dafs die Umrahmung in
ihrem Gröfsenverhältnisse sich so weit unter-
ordne, um der Wirkung des Bildes die volle
Oberhand zu lassen. Sonst hat man nicht Bilder
in einem passenden Rahmen, sondern breite
Flächen, die zufällig eine Oeffnung in der Mitte
haben, welche nicht unschön mit figürlicher
Zeichnung in oder ohne Farben ausgefüllt ist.
Wie der Rahmen schadet, wenn er zu breit
gehalten wird, so tritt ein ähnlicher Uebelstand
ein, wenn er zu dick ist, wodurch das Bild zu
tief zu liegen kommt, wie in einem Kasten. Der
Beschauer mufs dann ins Bild hineinsehen, etwa
wie er durch den Fensterrahmen in die Landschaft
hinausschaut. Ein solcher Rahmen ist auch noch
deshalb dem Bilde nachtheilig, weil sich, falls
nicht gerade ein Fenster gegenüber liegt (und das
ist der schlechteste Platz), ein starker Schlag-
schatten bildet und nur ein Theil des Bildes für
einen und denselben Augenblick sichtbar bleibt.
Der Zweck der Abgrenzung ist allerdings und
zwar in einem hohen Grade erreicht, aber in sehr
unerwünschterWeise: es ist das Bild theilweise
oder unter Umständen ganz dem Blicke entzogen.

Indessen nicht nur allein dem Bilde gegen-
über ist es keine leichte Aufgabe, das rechte
Mafs in dem Rahmen für jeden einzelnen Fall
zu treffen, sondern auch die Form oder der Bau
desselben hat seine Schwierigkeiten. Hauptsäch-
lich weifs man sich bei der Zeichnung eines
Bilderrahmens deshalb nicht leicht zu rathen,
weil, die Neuzeit den rechten Begriff dieses so
wichtigen Gegenstandes vergessend in der Regel
nur Verkehrtheiten gehuldigt hat und wir die
Folgen derselben stark bii'sen müssen. Zwei-
tens sind die Studien hierüber in den früheren
Kunstperioden sehr erschwert, weil es damals
andere Verhältnisse gab, unter denen die Bilder
aufgestellt wurden, so zwar, dafs sie der Rahmen
in unserem heutigen Sinne häufig gar nicht oder
nur in einer anderen meist ganz einfachen Weise
bedurften. So z. B. gibt uns die Hinterlassen-
schaft des klassischen Alterthums für die Ge-
staltung seiner Bilderrahmen sehr wenig Anhalts-
punkte. Wie bekannt, sind eigentliche Bild-
tafeln, wie wir sie jetzt uns denken, kaum in
Abbildungen an der Wand auf uns gekommen.
Und diese bestehen meist in einer schmalen,
ganz flachen Stableiste oder gar nur in braunen
oder rothen, bandartigen Einfassungen. Besser
sind wir mit dem Mittelalter daran; da begegnen
wir schon sehr frühe einer kräftigeren Umsäu-
mung der Bilder in den Initialen und Verzie-
rungen der Handschriften. Der spätere reiche
Bau der Altäre bietet dann noch bessere Mo-
tive, unsere bisherige Rahmenbehandlung zu
vervollkommnen. Freilich ist hierbei wohl zu
unterscheiden, was bereits als Altarschmuck und
nicht mehr als Rahmen- oder Bilderschmuck zu
gelten hat. Man irrt daher, wenn namentlich
die obere Hälfte des Rahmens nur reich be-
handelt wird, indem dieselbe nach dem Muster
eines verzierten Giebels sich gestaltet, mit Mafs-
werk ausgefüllt oder mit durchbrochenem Laub-
werk besetzt wird. Um somit nicht in neue
Verkehrtheiten hinein zu gerathen, sehe man
zuerst von den reicheren Formen der Umrah-
mungen der Altäre ab und berücksichtige bei
seinen Versuchen zunächst die kleinen Bildtafeln
aus Elfenbein, Diptychen und Triptychen; ihre
Umrahmungen sind fast durchgängig nur ein-
fache, schwache Bänder, die keinen anderen
Zweck haben, als das vertieft in derMitte liegende
Relief zu schützen. Dann suche man die frei-
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