Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1892.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 9.

292

Nachrichten.

f Johannes Pieper,

begeisterter Freund und treuer Mitarbeiter unserer Zeit-
schrift, starb als Pfarrer in Brenken bei Büren am
19. Oktober d. J. im Alter von 45 Jahren. Wie er in
verschiedenen seelsorglichen Stellungen auch unter
grofsen Schwierigkeiten seinen erleuchteten Seeleneifer
und seinen unbeschränkten Opfersinn zu bethätigen
verstand, so wufste er auch seine reiche, besonders
mathematischen und naturwissenschaftlichen Studien
zuneigende Begabung voll Begeisterung in den Dienst
der kirchlichen Kunst zu stellen, zunächst und zumeist
durch Entwerfen von Bauplänen, wozu er sich durch seine
praktischen Erfahrungen und durch seine Fertigkeit im
Zeichnen, namentlich aber auch durch das BedUrfnifs
gedrängt fühlte, sich für kirchliche Zwecke nützlich zu
machen. Den mit grofsem Eifer gepflegten kunst-
geschichtlichen und archäologischen Studien, welche
diese selbstlose Thätigkeit begleiteten, konnte er leider
weder durch gröfsere Reisen, uoch durch Anschaffung
gröfserer Literatur die Ausdehnung und Vertiefung zu
Theil werden lassen, die er so innig wünschte und beim
seltenen Zusammentreffen mit gleichgesinnten Freunden
so warm betonte. Die Seelsorge band ihn fast beständig
an seine Gemeinde, noch gröfsere Beschränkung legte
ihm, besonders in den letzten Jahren, seine Kränklich-
keit auf, die allergröfste aber eine Kette von Schwierig-
keiten, für welche wohl nicht ausschliefslich sachliche
Beweggründe mafsgebend waren. Zu früh ist der talent-
volle, fleifsige und durchaus uneigennützige Priester
auch seiner Diözese entrissen worden, der er gewifs
noch manchen Dienst hätte leisten können, auch auf
dem Gebiete der von geistlicher Seite leider so viel-
fach vernachlässigten oder unrichtig beurtheilten und
behandelten kirchlichen Kunst. s.

Die Overbeck'schen Kartons der
sieben hl. Sakramente,

welche auf der mit der letzten Generalversammlung
der Katholiken Deutschlands verbundenen kirchlichen
Kunstausstellung wiederum der bevorzugte Gegenstand
der Beschauung und Bewunderung gewesen sind, haben
leider immer noch keinen Ruhepunkt gefunden. Das
ist um so auffallender, als es ihnen seit ihrer Voll-
endung um die Mitte der sechziger Jahre an begeisterten
Lobsprüchen, weder von Seiten der Kritiker noch der
Mäzenaten, nicht einmal an dem berufenen Urtheil
gefehlt hat, dafs sie nicht blofs als die edelste und
reifste Frucht des Overbeck'schen Geistes und Stiftes,
sondern als das hervorragendste Erzeugnifs der reli-
giösen Kunst unseres Jahrhunderts zu betrachten seien.
Freilich bezeichnen die Mafse der Kartons von 4,53
Breite und 4,7 Höhe etwas aufsergewöhnliche Dimen-
sionen, freilich fehlt ihnen der Reiz der Farbe, freilich
ist die deutsche Malerei inzwischen andere Wege ge-
wandelt. Aber wie viele öffentliche Sammlungen bieten
Raum genug, und gerade die farblosen Zeichnungen
Overbecks sind seine besten Schöpfungen, wahre Meister-
bilder tief empfundener und künstlerisch wie technisch
vollendeter Darstellung, hoch erhaben über alle Strö-
mungen der Zeit. Es wäre daher sehr zu beklagen
und als eine höchst bedenkliche Erscheinung zu be-
zeichnen, wenn, sei es durch staatliche oder städtische
Fürsorge, sei es durch Vereinigung von Kunstfreunden,
die verhältnifsmäfsig äufserst geringen Opfer nicht auf-
gebracht werden sollten, welche diese Meisterwerke aus
ihrem Kistenverschlusse und all' den Fährnissen, die
mit dieser Art der Aufbewahrung verbunden sind, zu
befreien und dem allgemeinen Studium und Genüsse
zugänglich zu machen vermögen. s.

Bücherschau.

Die Bildnisse der Fürsten und Bischöfe von
Paderborn von I49S bis 1891. Mit erläuterndem
Texte. Von Konr. Mertens. Paderborn 1892,
Druck und Verlag von Ferdinand Schöningh.
Als das schöne Ergebnifs unermüdlichen Forschens
und langjährigen Sammeleifers erscheint dieses vor-
nehm ausgestattete Werk, auf welches die Diözese stolz
sein darf. Denn es enthält in guten photographischen
Reproduktionen, die, mit Ausnahme der beiden ersten,
wohl alle gleichzeitigen Porträtbilder sämmtlicher 24
Bischöfe, die vom Schlüsse des Mittelalters bis jetzt
den Paderborner Sprengel geleitet haben. Jedem ein-
zelnen Bilde folgen zwei Seiten Text, die in sehr an-
sprechender Weise mit dem Leben und der Thätigkeit
des betreffenden Bischofs, daher auch mit einem nicht
unerheblichen Stück deutscher Kirchengeschichte be-
kannt machen. Obwohl es dem Verfasser nicht gelungen
ist, von Bischöfen der noch weiter zurückreichenden
Zeit zuverlässige Bildnisse aufzufinden, die vielleicht
nicht mehr vorhanden sind, so wären doch möglichst

vollständige Notizen über die allerdings zumeist wohl
nur oder vorwiegend phantastischen Abbildungen, die
sich auf Grabmälern, Medaillen u. s. w. erhalten haben,
immerhin wünschenswerth gewesen, auf deren photo-
graphische Wiedergabe allerdings schon der Kosten
wegen hätte verzichtet werden müssen. Möge das mühe-
und opfervolle Beispiel des Verfassers Nachfolger er-
wecken, so dafs bald die meisten deutschen Sprengel
in ähnlicher Weise ihre bischöfliche Ahnenreihe vor-
zuführen im Stande sind! G.

Meisterwerke der deutschen Bildnerei des
Mittelalters, ausgewählt u. erläutert von Dr. Aug.
Schmarsow, aufgenommen und herausgegeben von
Eduard von Floltwell. I. Theil: Die Bild-
werke des Naumburger Domes. Magdeburg
1892, Verlag von E. von Flottwell.
Der Entschlufs des Architektur-Photographen von
Flottwell, dem die (in dieser Zeitschrift Bd. V, Sp. 29
besprochenen) vortrefflichen Aufnahmen der »Mittel-
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