Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1892.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 9.

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somit 13 cm. Wie das Aeufsere so ist auch das
Innere vollkommen cylindrisch gestaltet; die
Tiefe des unten flach abgerundeten Beckens
bemifst sich auf 0,50 m. Das Material des Tauf-
steines besteht in Trachyt,
sein Schmuck in einer
Reihe von Arkaden, die
ihn in zehnfacher Wieder-
holung umgeben, und ein
schmales Fufs- und Kopf-
band ausgenommen, den
Mantel des Cylinders in
seiner ganzen Höhe aus-
füllen. Die im Halbrund
gebildeten Bogen ruhen
auf Pilastern, deren Breite
die Bogenstärke um mehr als das Doppelte
übertrifft; sie sind mit Basen und mit Kapitellen
versehen, die gleich gebildet und einfach aus
Platte und Schmiege zusammengesetzt sind. Sie
treten nicht vor die Mantelfläche hervor und

ebenso ist auch die übrige Architektur in den
Stein hineingearbeitet.

Zu einer bestimmten Datirung des Taufsteins
fehlt es an jedem urkundlichen Anhalt: die Form
desselben und ebenso
seine Ausbildung aber
weisen darauf hin, dafs wir
in ihm ein Werk vor uns
haben, dessen Entstehung
noch in das XI. Jahrh.
hineinreichen kann.

Es ist zu wünschen und
zu erwarten, dafs bei der
bevorstehenden Restau-
ration der Kirche von
Seligenthai das jetzt als
Taufbecken dienende stillose Machwerk entfernt
und durch den hier beschriebenen Taufstein
ersetzt wird, der vor der weitaus gröfsten Anzahl
seiner Gefährten den Altersvorrang in Anspruch
nehmen darf. Effmann.

Der Centralbau auf dem Valkenhoie bei Nymwegen.

Mit 2 Abbildungen.

uf einem von der Waal, dem brei-
testen Mündungsarm des Rheines be-
spülten Bergabhange liegt, amphi-
theatralisch aufsteigend, die freund-
liche holländische Stadt Nymwegen. Ihre Ge-
schichte reicht bis in die Römerzeit zurück. Das
städtische Museum birgt noch zahlreiche, dort
gefundene römische Alterthümer, und mehrere
hervorragende aus dem Mittelalter und der Re-
naissanceperiode stammende Bauten bezeugen,
dafs der Ort auch in späteren Jahrhunderten von
Bedeutung war. An der östlichen Grenze der
Stadt und ebenso wie diese unmittelbar an den
Ufern der Waal erhebt sich ein nach drei Seiten
steil abfallender Berg, der sogen. Valkenhof,
bekannt als die Stätte einer ehemaligen Kaiser-
pfalz. Noch jetzt ist dort ein malerisch von
Bäumen beschatteter Chor, als Ueberrest einer
reich gestalteten romanischen Kapelle sowie ein
kleiner Centralbau erhalten, welcher bisher all-
gemein auf Karl den Grofsen als Erbauer zurück-
geführt und als eine Nachahmung der Aachener
Pfalzkirche bezeichnet worden ist. Denn auch
beim Nymwegener Bau wird ein achteckiger
Mittelraum von einem sechzehnseitigen, aus zwei

Geschossen bestehenden Umgang umgeben, und
auch im Einzelnen manche Uebereinstimmung
mit der Aachener Pfalzkirche gefunden.

Ueber dies merkwürdige, fast in jeder Kunst-
geschichte erwähnte Gebäude sind bisher zwei
längere Beschreibungen veröffentlicht, eine ältere
von Oltmans in den »Baukundige Bydragen«,
Amsterdam 1845, auch in Sonderausgabe er-
schienen unter dem Titel -»Description de la
chapeüe carolingienne ei la chapelle rotnane de
Nymeguci, Amsterdam 1847, und eine im Jahre
1884 in den »Jahrbüchern des Vereins von Alter-
thumsfreunden im Rheinlande« Bd. 77 zum Ab-
druck gelangte, von Hermann verfafste Abhand-
lung. In der Beurtheilung des Baues weichen
beide Arbeiten hinsichtlich einzelner Punkte von
einander ab, während si c in Bezug auf die Abbil-
dungen im Wesentlichen übereinstimmen. Trotz
vieler Vorzüge dieser Veröffentlichungen wäre
eine neue gründlichere Erforschung des merk-
würdigen Baudenkmals sehr zu wünschen. Als
daher der Schreiber dieser Zeilen im vorigen
Jahre vom Museumsdirektor Abeleven zu Nym-
wegen die Aufforderung erhielt, einen Plan zur
Wiederherstellung der in nicht sehr gutem bau-
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