Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1892.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 7.

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ten (unsere Abbildung zeigt sie) ein ni, drei
zeigten Rosen, und bei zweien wölbte sich blofs
der Grund gegen die Mitte hin vor. Ein Kranz
von sechs flachen Bogen fafste die Scheiben ein.
In den Rand waren mittelst Zapfen, 6 cm lang,
7 cm breit und 3 cm stark, grofse Blätter — lovere,
Läuber — von 83 cm Länge und 86 cm Breite
derartig eingelassen,
dafs ihre Spitzen sich
gegenüber dem An-
sätze etwas senkten.
Diese Blätter waren
bei jeder der Schei-
ben mehr oder min-
der verschieden ge-
staltet. Zur Befesti-
gung an der Scheibe,
zu welcher die Zap-
fen nicht genügen
konnten, dienten
ziemlich dünne, auf
der Rückseite an-
gebrachte Streifen
Eisen, 35 cm lang
und 3V2 cm breit.
Auf der Mitte der
Scheibe, hinten, war
mittelst vier 27 cm
langen und 21j2 cm
breiten Laschen eine
60 cm lange und 2i/i cm starke eiserne Stange
befestigt, diese durch den durchbohrten Schlufs-
stein gesteckt und oberhalb desselben, im Dach-
raume, durch ein Splint festgemacht.

Diese Gewölbescheiben waren nun nicht etwa
schlechthin aus Holz geschnitzt oder blofs mit
Gold und Farbe staffirt, sondern die runden Schei-
ben theils vergoldet, theils bemalt, die Blätter
aber vollständig vergoldet. Die Ausführung war
eine ausnehmend sorgfältige, man könnte sagen:

unnöthig sorgfältige, indem z. B. der rothe Grund
der Muttergottes mit schwarzen Röschen verziert
war, was man in der Höhe von 21 m unmög-
lich wahrnehmen konnte, während allerdings die
rothe Färbung der Bogenzwickel sowie der seit-
lichen Flächen der Bogen nicht überflüssig war.
Ohne Zweifel sind die so glänzend ausgestatte-
ten Scheiben gegen-
über den rothen
Wänden und der
ernsten Dekoration
der Gewölbe von be-
deutender Wirkung
gewesen.

Da der Chor 1397
geweiht worden ist,
so wird man kei-
nen Anstand zu neh-
men brauchen, die
besprochenen Ge-
wölbescheiben der
gleichen Zeit zu-
zuschreiben, zumal
der Stil solcher Da-
tirung nicht wider-
spricht. Sie wären
demnach 500 Jahre
alt, und da ist es
kein Wunder, dafs
beim Herunterneh-
men und auf dem Transport namentlich vom
Blattwerk Vieles zu Grunde gegangen ist; denn
da die Kirche 1878 wegen Baufälligkeit abge-
brochen und der Chor zu Zwecken der Schule
eingerichtet wurde, so konnten die Scheiben an
ihrem Platze nicht erhalten bleiben. Die drei mit
Rosen geschmückten sind, jedoch ohne Blätter,
in der Marienkirche im Umgange angebracht,
während die übrigen in der städtischen Samm-
lung deponirt sind. F. Crull.

Kreuzkapellchen zu Gnojau, Kreis Marienburg (Wpr.).

Mit G Abbilduntren.

as „Herrgottshäuschen", wovon

wir Sp. 207/8 Abbildung bringen,

steht unweit Marienburg beim Dorfe

Gnojau an einer Wegetrennung.

Bauwerke dieser Art haben sich aus dem

Mittelalter nicht allzuhäufig erhalten. Hier in

den Ostprovinzen, wo ausschliefslich der Back-

steinbau herrscht, liefsen sich bisher nur vier
Beispiele nachweisen, von denen wieder das
Gnojauer bei weitem das anziehendste ist, denn
es ist besonders reich gestaltet, beweist durch
seine Erhaltung die grofse Bestandfähigkeit einer
guten Backsteintechnik und hat für die Nach-
forschung den Vortheil, dafs es — seit einigen
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