Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1892. — ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 10.

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Die Gesichter werden nun zierlicher, die Figuren
kürzer und anmuthiger. Die Ausführung ist bei
dem Cyklus nicht sonderlich fein, aber flott und
gewandt. Lebendig charakterisirte Gestalten ste-
hen inmitten lichter, phantastischer Landschaften
und veranschaulichen trefflich die wechselreiche
Erzählung.

Die grofse Darstellung der Heiligen: Ursula,
Bruno, Paulus, Dominikus, Franziskus in St. Se-
verin19) verräth nicht blofs in der grofsdrapirten
Gewandung den Zug einer neuen Zeit, das Bei-
spiel der Romanisten; an den Pfeilern, welche
das Bild seitlich begrenzen, tummeln sich auch
nackte Putti, diese fröhlichen Kinder eines frem-
den Geschmacks.

Die Befähigung des Meisters von St. Severin
für das Porträt haben wir in seinen lebendigen
Stifterköpfen bereits erkannt und gewürdigt. Das
Bildnifs einer Frau in violettem Kleid in der
Sammlung Pelzer zu Köln fesselt durch seine
glatte Behandlung und den zarten, weichen

meinsames Gebet. — Bonn, Prov.-Museum: 1. Ursula und
Aelherius nehmen Abschied von den Eltern; 2. Gesandt-
schaft vor Ursula's Vater; 3. Ankunft in Basel. — Köln,
Sammlung Nelles: 1. Taufe der hl. Ursula (weich be-
handelt und besser erhalten wie die andern Stücke);
2. ihr Vater weiht Ursula am Altare; 3. der Engel
erscheint Ursula im Traum (stark restaurirt); 4. Ursula
und Gefolge verlassen Köln; 5. Wahl des hl. Cyriakus
zum Papste; (!. Rückkehr nach Basel; 7. Reiterkampf
(zum Theil übermalt); 8. die Gebeine der Märtyrer wer-
den gesammelt und beerdigt (von 2 Bogen umspannt).
— London, Kens.-Museum: 1. Martyrium (von 2 Bogen
umspannt, besser erhalten). — Paris, Musee Cluny 728/29:
1. Ursula zur Heirath erbeten; 2. Abreise von der Heimath.
'») Auf Leinwand. Dr. L. Scheibler a.a.O. Sp. 139.

Fleischton. Das Bildchen scheint der Zeit um
1515 anzugehören.

Zum Schlufs nennen wir noch eine Mina-
ture des Künstlers, mit strichelndem Pinsel auf
Seide gemalt. Man hat die weiblichen Heiligen
in der Sammlung Dormagen früher dem Meister
Stephan oder seiner Schule vindiziren wollen.20)
Wir versetzen das Gemälde in das XVI. Jahrh.,
verkennen aber hiermit nicht seinen echt köl-
nischen Charakter.

Die herben Formen des Künstlers, die un-
gelenke, alterthümliche Steifheit seiner Figuren
haben das geschichtliche Bild des Meisters von
St. Severin getrübt. Es bedurfte flagranter Be-
weise, ihm wieder seinen Platz unter den letzten
grofsen Vertretern unserer original-kölnischen
Malerschule zurückzuerwerben.21)

Bonn. Eduard Firmen ich-Richar tz.

20) Passavant, Kugler, Lübke; vgl. Scheibler
»Meister etc.<t S. 54. Photogr. Raps-Creifelds.

21) Ein Verzeichnifs der Werke des Meisters von
St. Severin gab Dr. L. Scheibler »Meister etc.«
S. 52 bis 56. Es folgt hier ein kleiner Nachtrag, den
ich aus den von dem Autor mir gütigst zugegangenen
Notizen zusammenstelle. Augsburg bei Fürst Fugger-
Babenhausen: hl. Familie nebst Stifter. Wappen der
Familien Turczo und Fugger. Leichtes Holz. Repert. X
S. 30. — Berlin, Vorrath der Kgl. Gallerie: Kreuzigung,
derb behandelt. — Darmstadt, Gallerie Nr. 25b: Krönung
Maria. — Frankfurt, ehemals in der Samml. MUnzen-
berger: Beweinung. — Köln, Museum Nr. 431: Männ-
liches Bildnifs auf rothem Grunde. Bei Herrn Dom-
kapitular Schntitgen: Zwei Szenen der St. Severins-
legende. — London, Murray'. Bischofsweihe mit zwei
Szenen im Hintergrunde. Katalog 1888. — München
bei Maler Clemens, ehemals Petri in Godesberg: Sal-
vator und Madonna.

Die neue Dekoration des Domes zu Frauenburp-.

er Frauenburger Dom gehört der
Blüthezeit der Baukunst im Ordens-
lande Preufsen an, dem XIV. Jahrh.
Der Chor konnte schon im Jahre
1342 geweiht werden, wie eine noch vorhandene
Inschrift besagt; das Haupthaus nebst Vorhalle
war 1388 vollendet. Bis in unsere Tage war der
Dom im Innern ganz mit Mörtel überzogen und
mit glänzend weifser Kalktünche angestrichen,
was dem Bau zwar ein sehr lichtes Aussehen
verlieh, aber doch dem Charakter des mittel-
alterlichen Gotteshauses so wenig entsprach, dafs
man sich endlich entschlofs, ihm eine stilgerechte

Innendekoration zu geben. Maler Bornowski
aus Eibing, der schon eine Reihe alter und neuer
gothischer Kirchen und Gebäude in Ost- und
Westpreufsen dekorirt hat und sich zur Zeit der
höchsten Anerkennung sachkundiger Kreise er-
freut, wurde mit dieser beneidenswerthen Auf-
gabe betraut. Naturgemäfs stellte man sich vor-
erst die Frage: Wie war der Dom im Mittel-
alter geschmückt? Und daraufhin wurde er
einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Es
zeigte sich sehr bald, dafs er ehemals auch im
Innern als Rohbau behandelt war, und so mufste
der Gedanke entstehen, ihm sein ursprüngliches
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