Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1892.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 6.

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Bücherschau.

Die von Friedr. Pfeilstücker in Berlin ver-
anstaltete neue illustrirte Ausgabe der hei-
ligen Schrift, welche bereits in dieser Zeitschrift
(Bd. IV Sp. 166) besprochen und empfohlen wurde, ist
inzwischen zum Abschlüsse gelangt. Der Bilderschmuck
besteht in 45 Tafeln und in mehr als 1000 Text-Illustra-
tionen. Jene bringen Abbildungen von hervorragenden
älteren und neueren Gemälden, auf denen biblische Vor-
gänge dargestellt sind. Bei der Auswahl derselben hätten
deutsche Meisterwerke mittelalterlichen Ursprungs mehr
Berücksichtigung, stellenweise auch die Reproduktions-
art noch mehr Aufmerksamkeit verdient. Die Text-
bilder, die zum Theil zuverlässigen Werken entnommen,
zum Theil auf Grund neuer Aufnahmen hergestellt sind,
gliedern sich dem Texte durchweg in recht gefälliger
und lehrreicher Weise ein, indem sie zu dessen Inhalt,
sei es in Bezug auf Personen oder Einrichtungen, Gegen-
stände oder Oertlichkeiten einen leicht verständlichen
und recht ansprechenden Kommentar liefern. Da die
(von Allioli besorgte und mit Anmerkungen versehene)
Uebersetzung approbirt ist, die Anmerkungen den Text
in sehr übersichtlicher Weise begleiten, so vereinigen
sich bei diesem Werke so manche Vorzüge, dafs eine
angelegentliche Empfehlung desselben gerechtfertigt ist.
___________ G.

Moderne Kirchen-Dekorationen. Ein Vorlage-
werk für ornamentale Kirchenmalerei. Herausgegeben
von Ferd. Ritter von Feldegg, Architekt. Wien,
Kunstverlag von Ant. Schroll & Cie.
Von dem bereits in Bd, IV Sp. 197 dieser Zeitschrift
besprochenen Werke liegt die III. Lieferung vor, welche,
ebenso wie die vorigen, dem Kirchenmaler sehr schätz-
bares Material in tadelloser Ausführung bietet. Beson-
ders die Blätter mit Motiven aus der Wiener Votivkirche
und dem Dome zu Brunn sind zur Benutzung zu em-
pfehlen. Bei Verwendung derjenigen aus der Lazaristen-
kirche in Wien, dürften in koloristischer Hinsicht wesent-
liche Modifikationen anzurathen sein. Göbbels.

Oeuvres completes de Mgr. X. Barbier de Mon-
tault. III. Tomes. Poitiers 1889 et 1S90, Imprime-
rie Blais, Roy & Cie.
Zu den allerfruchtbarsten Schriftstellern auf dem Ge-
biete der mittelalterlichen Kunstgeschichte und Archäo-
logie zählt der in Poitiers residirende Prälat X. Barbier
de Montault. Die Abhandlungen, welche er über kirch-
liche Kunst und ihre Geschichte, namentlich in Italien
und Frankreich, in französischen und belgischen Zeit-
schriften, durch nahezu vier Jahrzehnte veröffentlicht
hat, zählen nach vielen Hunderten. Da sie durchweg
von hoher wissenschaftlicher Bedeutung sind, so machte
der Wunsch, dafs sie zu einem grofsen Gesammtwerke
vereinigt werden möchten, um so mehr sich geltend,
als sie durchaus einheitlich in ihren Grundsätzen und
Anschauungen, sich gegenseitig vortrefflich ergänzen.
Der Verfasser hat daher neben seinem »Traite d'icono-
graphie chretienne«, der in dieser Zeitschrift (Bd. IV
Sp. 71/72) eine eingehende Besprechung erfahren hat,
seine »Oeuvres completes« herauszugeben angefangen,
von denen bereits 3 Bände erschienen sind. Sie bil-

den die I. Serie, insoweit sie sich nur auf Rom be-
ziehen und zwar der I. Band auf alte Schatz Ver-
zeichnisse einzelner Personen oder Kirchen; der
II. Band auf den Vatikan, zuerst auf den Palast,
seine Museen, Bibliotheken, Gärten, sodann auf den
Petersdom und seine Schätze; der III. Band auf den
Papst. Eine reiche Fülle von kirchen- und kunst-
historischem Material ist hier zusammengetragen und
verarbeitet, so reich, dafs es zu weit führen würde,
Einzelnes hervorzuheben. Wer immer sich mit diesen
Studien beschäftigt, wird dieses Werk als eine Fund-
grube zu betrachten haben, deren Benutzung durch
umfassende alphabetische Register wesentlich erleichtert
wird. Mögen dem hochverdienten Gelehrten die Ver-
hältnisse sich so günstig gestalten, dafs er sein grofses
Sammelwerk bald zu Ende führe! B.

Der Bau der Stadtkirche in Brüx von 1517 bis
1532. Von Joseph Neuwirth. Prag 1892, Hof-
buchdruckerei A. Haase und Selbstverlag.
Als I. Beitrag für die »Studien zur Geschichte
der Gothik in Böhmen« führt sich dieser den »Mit-
theilungen des Vereins für die Geschichte der Deutschen
in Böhmen« entnommener Abdruck ein, der auf Grund
der Rechnungsbücher ein höchst anschauliches Bild ent-
wirft von den Umständen, unter welchen der Bau der
spätgothischen Stadtkirche in dem an seinem Deutsch-
thum zäh festhaltenden Brüx angefangen, fortgesetzt
und vollendet wurde. Was hier über die Verwaltung
und Leitung des Baues, über die Künstler und deren
Thätigkeit, über die Handwerker und ihre Bezahlung,
über die Materialien und ihre Preise, sowie über viele
andere wichtige und interessante Dinge an der Hand
der als Anhang beigegebenen Rechnungsauszüge
mitgetheilt wird, ist so lehrreich, dafs die konsequente
Fortsetzung dieser »Studien« als sehr wünschenswerth
bezeichnet werden mufs. A.

Eine deutsche Malerschule um die Wende des
ersten Jahrtausends. Kritische Studien zur Ge-
schichte der Malerei in Deutschland im X. u. XI. Jahrh.
von Wilh. Vöge. Mit 46 Abbildungen. Trier 1891,
Verlag der Fr. Lintz'schen Buchhandlung.
Mit ungemeinem Fleifs und scharfer Beobachtungs-
gabe hat der Verfasser die deutschen Malereien aus der
sächsischen Kaiserzeit (die vornehmlich in Miniaturen,
zum geringen Theile in Wandgemälden sich erhalten
haben) in Bezug auf deren technische, stilistische und
ikonographische Eigenthümlichkeiten auf's sorgfältigste
untersucht. Es gelang ihm, die meisten derselben als
die Erzeugnisse einer grofsen Schule zu erkennen, deren
Leistungen er in den „Vorstudien und Materialien" zu-
sammenstellt und durch „zusammenfassende Charakte-
ristik" der Technik, des Bilderkreises, des Motiven-
schatzes als einheitliche Schöpfungen nachzuweisen
sucht. Zahlreiche Abbildungen begleiten diesen Ver-
such, dessen Ergebnifs die Statuirung einer Central-
schule und einer Anzahl von Zweigschulen ist, ohne
dafs jedoch der Sitz dieser Centralstätte mit Sicherheit
sich ergeben hätte, denn der Beweis, dafs das Dom-
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