Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1892.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST

Nr. 6.

192

kloster in Köln als solche zu gelten habe, dürfte doch
trotz Hillinus-Kodex noch nicht erbracht sein. Die
Untersuchung ist aber eine so gründliche, die Zusammen-
stellung eine so erschöpfende, die Beschreibung eine so
eingehende, dafs von deren weiterer Verwendung ab-
schliefsende Resultate zu erwarten sind. k.

Katalog des Bayer. Nationalmuseums. IV. Bd.
Allgemeine kulturgeschichtliche Sammlungen. Die
vorgeschichtlichen, römischen und mero-
vingischen Alterthümer. Von Dr. Gg. Hager
und J. A. Mayer. Mit über 350 Abbildungen in
Photolithographie und Lichtdruck auf 27 Tafeln.
München 1892, M. Rieger'sche Univers.-Buchhdlg.
Dieser vornehmlich von dem Bibliothekar Dr. Hager
zusammengestellte Katalog ist eine mustergültige Ar-
beit, sowohl wegen der Sorgsamkeit, mit welcher er
angefertigt, als wegen der Uebersichtlickeit, mit welcher
er geordnet und wegen der Illustrationen, mit denen
er ausgestattet ist. Von den letzteren beruhen die
meisten auf recht guten Zeichnungen, manche, und ge-
rade die bedeutsameren, auf scharfen photographischen
Aufnahmen. Der Katalog umfafst 1957 Nummern, von
denen jede genau beschrieben ist, unter Angabe des
Fundortes, wo sie möglich war, und unter Beifügung
von allerlei sonstigen, für die Beurtheilung einzelner
Gegenstände wichtigen Notizen. Bei den 3 grofsen Ab-
teilungen, in welche der Katalog zerfällt, wird zwischen
Gruppenfunden und Einzelfunden unterschieden. — In
der I. Abtheilung bieten manche Fundberichte neue
Gesichtspunkte für die Beurtheilung vorgeschichtlicher
Gegenstände. — Die römische Abtheilung zeichnet sich
durch ihren Reichthum von Schmuckstücken aus, deren
Beschreibung nicht genau erkennen läfst, ob sich unter
ihnen auch solche mit eingeschmolzenen Mosaikverzie-
rungen befinden, die in der Rheinprovinz häufiger vor-
kommen und technisch sehr merkwürdig sind. — Das
meiste Interesse erregen verschiedene Schmuckgegen-
stände der merovingischen Abtheilung, zumal diejeni-
gen, die aus dem Doppelgrab (für Mann und Frau) von
Wittislingen bei Lauingen herrühren. Von den letzteren
sind die meisten auf den Lichtdrucktafeln XX u. XXI
abgebildet, namentlich die mit einer langen Inschrift
versehene, spangenförmige Fibel (Nr. 1891), sowie die
mit Filigran und Almandinen verzierte Scheibenfibel
(Nr. 1905). ' s.

Manuel de l'amateur de la gravure sur bois
et sur metal au XV. siecle par W. L. Schreiber.
Tome premier contenant un catalogue des gra-
vures xylographiques se rapportant a laBible, l'histoire
apocryphe et legendaire, la sainte Trinite et la sainte
Vierge. Avec des notes critiques, bibliographiques et
iconographiques. Berlin 1891, Librairie Alb. Cohn.
Von diesem in Bd. IV Sp. 328 dieser Zeitschrift be-
reits angekündigten, auf 6 Bände berechneten Sammel-
werk, liegt der I. Band in eleganter, sehr übersicht-
licher Ausstattung vor, als ein bewundernswertstes Er-
zeugnifs deutschen Fleifses und Opfersinnes, welches
hohe Anerkennung und lebhafte Unterstützung verdient.
Dieser Band beschreibt auf 354 Seiten 1173 Holz-
schnitte des XV. Jahrh., mit Darstellungen aus dem

alten und neuen Testamente, aus den Apokryphen und
Legenden, welche sich auf die drei göttlichen Personen
und die hl. Jungfrau beziehen (während die auf die
übrigen Heiligen sowie auf vieles Andere bezüglichen
Darstellungen dem II. Bande vorbehalten bleiben). Dafs
der Verfasser alle nicht durch die Bibel beglaubigten,
sondern auf Schilderungen der Apokryphen, der Väter-
Kommentare, Visionen u. s. w. beruhenden Szenen zu
einer besonderen Gruppe vereinigt hat, ist eine lobens-
werthe Neuerung, welche zugleich die • reinen ,,An-
dachts"bilder des Heilandes und der hl. Tungfrau um
so leichter erkennen und auffinden läfst. Dafs der Ver-
fasser die zahlreichen Texte, mit welchen viele dieser
alten Blätter ausgestattet sind, ausführlich wiedergibt,
wird von den Kultur- und Kirchenhistorikern wie von
den Sprachforschern, dafs er die ikonographischen Ge-
sichtspunkte so stark hervorhebt, von den Theologen
und kirchlichen Künstlern als ein sehr Schätzenswerther
Beilrag zum Bilderkreise des Mittelalters freudigst be-
grüfst werden. Die Datirungen der Blätter erscheinen
mitunter befremdlich, nicht nur, weil sie von den bis-
her üblichen öfters erheblich abweichen, meistens im
Sinne späterer Entstehung, sondern, weil auch die
Stilkriterien mehrfach neu erscheinen und in einem
gewissen Gegensatze zu den bislang gebräuchlichen.
— Für diese mühselige und doch so frische Arbeit
hat der Verfasser sich den gröfsten Anspruch erwor-
ben auf den Dank aller Interessenten, welche gewifs
von dem innigsten Wunsche beseelt sind, es möchte
ihm die baldige Vollendung des grofsen Werkes ver-
gönnt sein. B.

Ernst von Bändel. Ein deutscher Mann und Künstler.

Von Dr. Hermann Schmidt. Mit 6 Abbildungen.

Hannover 1892, Verlag von Karl Meyer.
Dem eigenartigen Manne, der aus eigenster Be-
stimmung und ureigener Kraft die gewaltige Armin-
säule im Teutoburger Walde zu Stande gebracht hat,
ist hier selbst ein ehrenvolles Denkmal gesetzt worden.
Es ist seinem Leben und Streben, dem begeisterten
Träger des deutschen Gedankens, dem zähen National-
romantiker, dem strebsamen Künstler geweiht. Durch
alle Phasen seines Lebens wird er deswegen in 14 Ab-
schnitten verfolgt, die ihn namentlich in Nürnberg, in
Italien, in München, in Berlin, in Hannover, Göttingen
und Detmold zeigen. Erst kurz vor seinem Tode voll-
endete er (1875) das Hermanns-Denkmal, zu dem er
bereits 1841 den Grundstein gelegt hatte. Es war das
Werk edelster Begeisterung, eines etwas herben, aber
grofsen Charakters, eines talentvollen Bildhauers, der
in einer für ihn passenderen Schule, als Italien sie ihm
bot, zu einer noch vollendeteren und ausgeprägteren
Kunstfertigkeit es gebracht haben würde, über die sechs
der sehr anregend geschriebenen Biographie beigege-
bene Abbildungen das Urtheil erleichtern. a.

Von Fäh's »Grundrifs der Geschichte der
bildenden Künste« ist ein neues sehr reich und
gut illustrirtes Heft (Lieferung VI und VII) erschienen,
welches von der romanischen Kunst die Malerei, von
der Gothik die Architektur, Plastik und Malerei treff-
lich behandelt. (j.
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