Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1892.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 6.

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An dem Kreuzgange tritt aufserdem der Tuff-
stein8) besonders in den Bogen auf. An der
Kirche sind auch die Hochwände des Mittel-
schiffes in diesem Material
ausgeführt; ebenso bestanden
daraus, wie dies die Reste
darthun, der ehemalige Vie-
rungsthurm und die oberen
Geschosse der Flankirthürme.
Bei dem Westthurme tritt
neben dem Stenzelberger-
steine, aus dem in den
Untergeschossen die Ecken
und die Verblendung der
Westseite hergestellt sind,
und neben dem Tuffstein
in den Obergeschossen der
gewöhnliche Bruchstein auf;
derselbe wechselt im unter-
sten Geschofs auf der Süd-

nenansic

und Nordseite mit Säulenbasalt, der, allerdings
nicht ohne mehrfache Unregelmäfsigkeiten, als
abgleichende Schicht angeordnet ist.

Während die Kirche durch
Vertrag in den Besitz und
die Unterhaltung der Ge-
meinde übergegangen ist,
sind die ehemaligen, jetzt
zur Wohnung der Geistlichen
dienenden Propsteigebäude
mit den zugehörigen Oeko-
nomiegebäuden im fiskali-
schen Besitz verblieben. Zu
den letzteren rechnet seiner
jetzigen Benutzung nach auch
der Kreuzgang, wie dies die
unter Figur 18 und 19 mit-
getheilten Abbildungen zur
Anschauung bringen.
Freiburg (Schw.). W. Kffraann.

des Kreuzgnuges.

Wesseling am Rhein, mit dem Römerkanal im Vor- I 3) Der in Oberpleis verwendete Tuffstein und eben-

gebirge« (Annalen des historischen Vereins für den so der an der Abteikirche von Heisterbach stammt

Niederrhein, 1882 37. Heft, S. 43); ferner Nögge- j wohl nicht aus dem Brohlthale, sondern aus den um

rath »Bausteine der Münslerkirche zu Bonn« (Nieder- I Heisterbach gelegenen, jetzt nicht mehr im Betrieb

rhein. Jahrbuch von Lersch, Bonn 1843, S. 214). I befindlichen Brüchen.

Gedanken über die moderne Malerei.

I.

uch für den, der über die Entwicke-
lungsgeschichte der Kunst wohl Be-
scheid weifs, ist es nicht leicht, ein
sicheres Urtheil zu gewinnen über
den gegenwärtigen Stand der Malerei, über ihr
Wollen und Können, über das Zeichen, unter
welchem sie steht und welches ihre Bahn, sei es
aufwärts, sei es abwärts lenkt. Das ist deswegen
um so schwieriger, weil die Vertreter der Ma-
lerei selbst, von denen am ehesten klare Aus-
kunft zu erwarten wäre, nur ausnahmsweise
neben dem Pinsel die Feder zu führen geneigt
oder fähig sind, weil sie nicht im klaren öffent-
lichen Wort ihr Glaubensbekenntnifs ablegen
und sich über ihre Grundsätze und Ziele aus-
sprechen, sondern nur in der Bilderschrift ihres
Pinsels, in den Geheimzeichen der Formen und
Farben. Wohl hat die Neuzeit in den perio-
dischen Ausstellungen ein Mittel gefunden, die
Erzeugnisse der Malerei aus allen Ländern und
Ateliers an einem Ort zu vereinigen und eine

bequeme Überschau über alle zumal zu gewähren.
Aber, noch immer ist die Aufgabe schwierig genug,
aus diesen Tausenden von Gemälden gleichsam
das eine Riesenbild der ganzen modernen Ma-
lerei sich im Geist zusammenzusetzen und aus
und nach diesem Bilde derselben das Urtheil zu
sprechen. Es wird immer ein unvollkommenes
sein, dieses Urtheil aus der Gegenwart über
die Gegenwart; die Nachwelt wird es revidiren
und korrigiren; sie wird viel Hochgewerthetes
als Unwerth darthun, manch stolzen Namen des
Ruhmes entkleiden und zu manchem Gering-
geachteten sprechen: Freund rücke weiter hin-
auf. So könnte man nun freilich versucht sein,
sich der ganzen schweren Aufgabe zu entschlagen
und sie einfach auf die Zukunft überzuwälzen.
Schon in zwei bis drei Dezennien wird ja in
unserer rasch lebenden Aera die Arbeit viel
leichter zu besorgen sein; man sieht in die
Vergangenheit überhaupt klarer als in die um-
nebelte Gegenwart; die furchtbare, aber auch
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