Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1892. _ ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST - Nr. 5.

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Betonung der Inspiration, auf welche namentlich die
Franziskaner hingewiesen hatten. Hier findet der Ver-
fasser den Bruch mit der mehr handwerklichen, weil nur
lehrhaften (mittelalterlichen) Auffassung, deren Kenn-
zeichen die Erhabenheit gewesen sei, während die neue
durch Giotto eingeführte Richtung ergreifende Leben-
digkeit zeige, allerdings nur in der inneren Natur (Seele),
noch nicht in der äufseren, deren Bedeutung erst das
XV. Jahrh. erfafst habe. S.

Ueber Kirchenbaulen und Renovationen
spricht sich A. Portmann, Professor am Priester-
seminar zu Luzern, in einem bei Gebr. Räber in Luzern
erschienenen Vortrage in einer recht klaren und instruk-
tiven Weise aus, indem er die Grundsätze, die dafür
mafsgebend sind, unter drei Gesichtspunkte zusammen-
fafst: Kirchlichkeit, Brauchbarkeit, Schönheit. Was er
hierüber auf 42 Seiten sagt, darf fast ausnahmslos als
sehr richtig und wichtig, daher als sehr beachtenswerth
bezeichnet werden. D.

Katechismus der angewandten Perspektive.
Nebst einem Anhang über Schattenkonstruktion und
Spiegelbilder. Von Max Kleiber. Mit 129 in den
Text gedruckten Abbildungen. Leipzig 1892, Verlag
von J. J. Weber.
Dem Bedürfnisse nach einem Büchlein, welches kurz
und doch klar, wissenschaftlich und doch gemeinver-
ständlich das Wesentliche über die Perspektive zu-
sammenstellt und durch Illustrationen erläutert, kommt
der vorliegende Katechismus in sehr befriedigender
Weise entgegen. Die Grundsätze auf denen das Ver-
fahren sich aufbaut, werden dargelegt, die Anwen-
dungen derselben auf die gegebenen Fälle gezeigt und
verschiedene Konstruktionsmethoden angeführt, welche
geeignet erscheinen, die an sich oft recht umständlichen
Verfahren zu vereinfachen und zu erläutern. Von den
Zeichnern wird das Büchlein mit Nutzen gelesen wer-
den, alle Interessenten auf verhältnifsmäfsig leichtem
Wege in das Verständnifs der Sache einführen. G.

Martinus Theophilus Polak. Ein Maler des
XVII. Jahrh. Von Mathias Bersohn. Mit 4 Tafeln.
Frankfurt a. M. 1891, Verlag von Jos. Baer & Co.
Dem Leben und den Werken dieses bis jetzt wenig
beachteten Malers, der wahrscheinlich polnischen Ur-
sprunges (dann aber mit dem Breslauer Maler Bar-
tholomäus Polak doch wohl nicht verwandt) ist, die
Hauptzeit seines Lebens in Tyrol verbrachte, widmet
der Verfasser eine sorgsame Untersuchung, als deren
Hauptergebnifs die Zusammenstellung seiner zahlreichen
Gemälde zu betrachten ist. Diese zeigen im Allge-
meinen eine starke Beeinflussung durch die Venetianer,
namentlich Paul Veronese und Tizian, hier und da
aber verrathen sie auch einen gewissen Anschlufs an
die oberdeutsche Schule, besonders an Dürer. Die
Lichtdrucke von drei seiner hervorragendsten Schöp-
fungen ermöglichen die Vergleichung und erscheinen
als eine erhebliche Bereicherung der Kunstgeschichte
in Bezug auf den Bilderschatz des XVII. Jahrh. h.

Festschrift zur 25jährigen Jubelfeier des
Vereins für Geschichte und Alterhumskunde des
Herzogthums und Erzstifts Magdeburg. Magde-
burg 1891, L. Schäfers Buchhandlung.
Diese mit vortrefflichen Abbildungen ausgestattete
Festschrift enthält mehrere interessante geschichtliche
Abhandlungen und zwei recht beachtenswerthe kunst-
historische Studien. Von den letzteren behandelt die
eine Otto d. Gr. in der bildenden Kunst, indem
sie die Münzen mit seinem Bilde, seine Siegel und die
ihn betr. Bildwerke nachweist, namentlich die bekannte
Elfenbeintafel, die Linearzeichnungen im Kreuzgange,
die plastischen Bilder in der Chorkapelle des Magde-
burger Domes, die Wandgemälde zu Memleben, die
Standbilder zu Meifsen, endlich die berühmte Reiter-
statue zu Magdeburg. An diese sehr instruktive Studie
von Paulsiek schliefst sich eine eingehende Beschreibung
und Beurtheilung der Bildwerke des XIII. und
XIV. Jahrh. am Dome zu Magdeburg von Theuner
an, die von ernstem Studium zeugt. tj.

Die Kunstgeschichte an unsern Hochschulen.

Von August Schmarsow. Berlin 1891, Verlag

von Georg Reimer.
Ueber die gegenwärtige Lage der Kunstgeschichte
an unsern Hochschulen, über das Studium der Kunst-
geschichte (in Bezug auf Prinzipien, Auffassung, Me-
thode u. s. w.) über Kunstversländnifs und ästhetische
Erziehung, also über sehr zeitgemäfse und brennende
Fragen verbreitet sich der namentlich seiner italienischen
Kunststudien wegen hochgeschätzte Universitätslehrer
in sehr eingehender und anregender Weise. Den auf
genauer Sachkenntnifs und warmer Begeisterung be-
ruhenden Erörterungen wird man mit grofsem Interesse
folgen, auch wo man mit den Folgerungen nicht ganz
einverstanden sein möchte. g.

Ein neues Bildnifs von Papst Leo XIII. in
Form einer Radirung ist soeben in Paris (6 nie du
Regard) erschienen. Das von Chartran ausgeführte,
vom Papst selber wie von der Kritik sehr wohlgefällig
aufgenommene Gemälde ist von Courtry durch den
Stich vervielfältigt worden. Auch über diese Repro-
duktion hat der hl. Vater sich in der anerkennendsten
Weise ausgesprochen und ihr die Unterschrift gewid-
met: Effigiem subjectam quis dicere faham — Audeat?
Hute simihm vix jam pinxisset Apelles. Leo P. P. XIII.
Der Papst sitzt in einem hohem Stuhle, auf dessen
Lehnen die beiden Arme ruhen, während die Füfse
auf einem Kissen stehen. Der von den Schultern aus-
gebreitet herabhängende Mantel bildet für die weifse
Soutane einen vorzüglichen Hintergrund und vermittelt
zwischen dem Stuhle und seinem Inhaber in ungemein
geschickter Weise. Die Haltung ist mäfsig gebeugt,
aber höchst würdevoll, der Ausdruck des Kopfes über-
aus edel, die glücklichste Wiedergabe des aus Ver-
standesschärfe, Willensstärke und Herzensgüte zusam-
mengesetzten Wesens. Die Technik ist in jeder Be-
ziehung meisterhaft, ein Triumph der Radirnadel. Die
Anschaffung des Blattes darf daher aufs wärmste em-
pfohlen werden. H
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