Zeitschrift für christliche Kunst — 5.1892

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1892.

ZEITSCHRIFT FÜR CHRISTLICHE KUNST — Nr. 7.

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bracht werden möchten, und ferner allen jenen, welchen
die ehrenvolle Aufgabe obliegt, für die Restauration,
Erbauung oder Ausschmückung der Gotteshäuser Sorge
zu tragen, auf das Eindringlichste die Förderung der
wahren Kunst, insbesondere durch thatkräftige Unter-
stützung der selbstständigen Künstler und Kunsthand-
werker zu empfehlen, wurde unbedingte Zustimmung
und Annahme in der öffentlichen Versammlung auf
Grund der Referate des Hrn. Pfarrers Festing, bezw.
des Hrn. Regierungsbaumeisters Hertel, zu Theil.

Eine eingehende Erörterung fand die Bestrebung
Münchener Künstler, dahingehend, einen Verein von
Künstlern und Kunstfreunden, der sich über ganz
Deutschland erstrecken solle, zu begründen, um die
Interessen der christlichen Kunst, analog der Weise,
in welcher die Görresgesellschaft den Zwecken der
Wissenschaft dient, zu fördern, den jungen Künstlern
eine Gemeinsamkeit und eine Stütze und auch Gelegen-
heit zum Bekanntwerden ihrer Werke, etwa durch
Vereinspublikationen zu bieten. Das Bedürfnifs wurde
anerkannt und der Gedanke an sich freudig begrüfst.
Da aber hinreichende Vorarbeiten für Unterlage und
Statuten nicht vorlagen, so wurde den Antragstellern
nach dem Referate des Hrn. Professors Dr. Schnürer an-
heimgegeben, die erforderlichen Vorbereitungen für die
Begründung und das Inslebentreten einer solchen Ver-
einigung zu treffen und der nächsten Generalversamm-
lung bezügliche Mittheilung zu machen.

Der bereits von der vorigjährigen Versammlung zu
Danzig angenommene Antrag:

„Die Generalversammlung empfiehlt den Katho-
liken Deutschlands recht dringend, die auf Anregung
und auf Grund der Beschlüsse früherer Generalver-
sammlungen in's Leben gerufene „Zeitschrift für
christliche Kunst" (Düsseldorf bei Schwann) kräftiger
als bisher zu unterstützen und dieselbe dadurch in
den Stand zu setzen, für die Zukunft noch wirk-
samer — insbesondere durch reiche Illustrationen —
den Zwecken, für welche sie gegründet ist, mit Er-
folg zu dienen.

Die Zeitschrift hat in drei Jahrgängen den Er-
wartungen und an sie zu stellenden Ansprüchen durch
ihre Haltung und geschickte Redaktion entsprochen."
war wiederum eingebracht worden, und wurde von
Hrn. Professor Dr. Schnürer der Versammlung zur
Annahme dringend empfohlen, indem er über die Be-
strebungen der Zeitschrift, über ihre Bedeutung und
Wichtigkeit sich eingehend verbreitete, worauf die
Annahme desselben erfolgte. — Im Anschlufs hieran
verfehlte der Unterzeichnete nicht, in einigen Worten
einerseits auf den Werth der Beibehaltung und Ver-
folgung der bisherigen Richtung derselben, ander-
seits auf die dringende Notwendigkeit hinzuweisen,
die Zeitschrift durch Abonnement, insbesondere auch
seitens des Klerus, mehr als bis jetzt geschehen, zu
unterstützen. — In der Sektion waren Anregungen und
Wünsche hervorgetreten, die Zeitschrift mehr praktisch
zu gestallen, insbesondere auch mit speziellen Entwürfen
zur Herstellung neuer Arbeiten und Mustervorlagen
auszustatten. Diesen Wünschen wurde entgegengetreten
und mit Recht darauf hingewiesen, dafs derartige all-
gemeine Mustervorlagen an sich schon Bedenken böten,
weil in vielen Fällen der Stil, die Art und Beschaffen-

heit der einzelnen Kirchen bei Restauration oder Neu-
beschaffung und Ausschmückung eine besondere Be-
rücksichtigung erfordern und allgemeine schablonen-
hafte Muster zum Theil nicht geeignet zur Verwendung
sich darstellen, ja sogar mannigfach Gefahren bieten
würden, auch könnte auf solche Weise mit Rücksicht
auf den Wettbewerb unter den Künstlern und Kunst-
handwerkern leicht Anlafs zu Unzufriedenheit und ver-
schiedenen Bedenken geboten werden. Ferner wurde
zugleich auch mit Entschiedenheit betont, dafs der
Charakter der Zeitschrift als ein wissenschaftlicher bei-
zubehalten sei und die Aufgabe derselben, die Grund-
sätze und Bedürfnisse der christlichen Kunst den mit
reicheren Mitteln ausgestatteten Zeitschriften anderer
Richtung gegenüber zu vertreten, in bisheriger Weise
fortgeführt werden müsse; nur hierdurch könne die-
selbe ihren wesentlichsten Zweck erfüllen, und die An-
erkennung, welche sie sich in weiteren Kreisen erworben,
sich dauernd sichern. Diesen Auffassungen wurde dann
allgemeine Zustimmung zu Theil. — Endlich fand noch
ein Antrag, über welchen Herr Direktor v. Steinle re-
ferirte, Annahme in der Versammlung: „für die Aus-
schmückung der Deutschland und Oesterreich über-
wiesenen Kapelle der Kirche zu Loreto, die nach den
bereits in der Zeitschrift V. Bd. 3. Heft mitgetheilten
herrlichen Entwürfen des Hrn. Professors L. Seitz zu
Rom zur Ausführung gebracht werden soll, Gaben
beizusteuern". ci. Frhr. v. Heereman.

Die „Vereinigung der Zeitschrift für
christliche Kunst".

Die statutenmäfsige Generalversammlung der
Inhaber von Patronatscheinen wurde am 20. September
d. J. in dem freundlichst für den Zweck zur Verfügung
gestellten Borromäus-Vereinshause zu Bonn, im An-
schlufs an die vorangegangene Sitzung des Vorstandes,
abgehalten. Der Vorsitzende Freiherr Clemens
von Heereman begrüfste die Versammlung und
widmete zunächst Worte ehrender Anerkennung zweien
im Laufe des Jahres verstorbenen, um die Sache der
„Zeilschrift" wie der christlichen Kunst hochverdienten
Männern, dem am 17. Sept. v.J. gestorbenen Dom-
propst Dr. Valentin Thalhofer in Eichstätt and
dem am 27. Nov. v.J. verschiedenen Generalvikar
Dr. Alexander Straub in Strafsburg, durch deren
allzufrühen Heimgang auch der Vorstand unserer Ver-
einigung einen gar schmerzlichen Verlust erlitten habe.

Mit grofser Freude und Genugthuung nahm die
Generalversammlung Kenntnifs von einem am 10. Mai
d. J. an den Herausgeber und an den Verleger der
Zeitschrift erlassenen Breve Sr. Heiligkeit Papst
Leo XIII., worin für die Gründung, die Haltung und die
Ausstattung der Zeitschrift, von deren vier ersten Bänden
Se. Heiligkeit mit grofsem Interesse Einsicht genommen
habe, lobendste Anerkennung ausgesprochen wird.

Der Kassenführer erstattete den von den gewählten
Revisoren bereits vorgeprüften Kassenbericht und er-
hielt mit dem Dank für seine Mühewaltung die vom
Vorstande beantragte Entlastung.

Grofses Interesse erregte der Bericht des Heraus-
gebers über die Verbreitung der Zeitschrift in den
einzelnen Theilen Deutschlands und in den übrigen
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