Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 6.1889

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Oraw suo saiLAat Marita.
Hem nos dsni§nis nntibus rrllicit,
Leeum^us tLnti pnrticipes doni
U.voptLt omnes; ackvotemus,
Schkoäbische Originale grr Nachahmung.
Vvn vr. Hofele.
Staatsminister a. D. Freiherr Karl von Varn-
b n l e r ('s 26. März 1889) und de ss e n A hnenge s ch k e ch t.
Derselbe ist geboren am 13. Mai 1809 als Sohn des
späteren wnrtt. Finanzministers Freiherrn von Varnbüler,
studierte auf den Universitäten zu Berlin und Tübingen Ins und
Staatswissenschaften und machte dann Reisen nach Oesterreich,
Italien, Frankreich, Belgien w. Später trieb er Landwirt-
schaft auf seinen Gütern Hemmingen und Höfingen, dann
übernahm er die Leitung einer großen Maschinenfabrik in
Wien. Vom Jahre 1864—70 war er Kgl. württ. Minister
des königlichen Hanfes, der auswärtigen Angelegenheiten und der
Verkehrsanstalten, ferner Abgeordneter der Ritterschaft, Mit-
glied des Zollparlaments, des Reichstags w. Frühe war er
auch politisch schriftstellerisch thätig. Er schrieb „über das
Bedürfnis einer Gewerbe-Gesetzgebung in Württemberg" (1846),
„über die Frage eines deutschen Heimatrechtes" (1864), war
Referent über den Bau und Betrieb von Eisenbahnen, Bürger-
recht, Weideablösungsgesetz, württ. Gewerbeordnung, Feldweg-
nnd Gewandreguliernng re. In den 70 er Jahren schrieb er
gegen den Ankauf der Eisenbahnen durch das Reich, und war
für Erhöhung der Zölle ungemein thätig. Im Reichstag war
er eines der bedeutendsten Mitglieder der deutschen Reichspartei.
Varnbüler besaß die vielseitigste Bildung, welche er in
seinen hohen Stellungen als Staatsbeamter und Volksvertreter
nutzbar zu machen wußte, eminenten Scharfblick und scharfen
Verstand, große Lebenserfahrung und Menschenkenntnis und
große Leichtigkeit, seine Gedanken in Wort und Schrift licht-
voll anszudrücken, außerordentliche Energie verbunden mit
unermüdlicher Thätigkeit. Seine geistreichen Vorträge, die
den Nagel ans den Kopf trafen, wurden stets mit höchstem
Interesse ausgenommen. In ihm ist ein Mann hingegangen,
der das Wohl seines engeren Vaterlandes wie des gesamten
Deutschlands mit allen Kräften anstrebte — uns ein Muster
und Vorbild!
Das Geschlecht Varnbüler blühte schon im 12. Jahrhundert
im hohen Rhätien ans den Burgen Greisfenberg und Gntten-
berg. Ein Sohn Ulrich Varnbülers von Greisfenberg war
Bürgermeister von St. Gallen, welches damals im Krieg mit
dem dortigen Abt lag. Die Eidgenossen kamen dem Abt zu
Hilfe, der Bürgermeister mußte fliehen und entkam nach Lin-
dau. Ans seiner Ehe mit Agnes Belg von Belforth stammten
Johann, ch 1515 als Bürgermeister zu Lindau und Ulrich,
erster Präsident des Reichskammergerichts zu Speyer und später
Statthalter zu Nürnberg. Von Johanns zwei Söhnen war
Johann Jakob, geb. 1510, Kanzler des Markgrafen von Baden,
Nikolaus, geb. zu Lindau 1519, ch 1604, Prof, des römischen
Rechts in Tübingen. Dessen Enkel Konrad, geb. 1595, ch 1657
als württ. Geheimrat, vertrat Württemberg bei den Verhand-
lungen über den westfälischen Frieden mit solchem Talent und
Erfolg, daß das Herzogtum, welches zum Teil zur Belohnung
österreichischer Minister und Generale bestimmt war, auch nicht
die geringste Einbuße an Gebiet erlitt. Er wurde vom Kaiser

1650 in den Adelstand erhoben. Nach Kneschkes Adelslexikon
dagegen wurde 1650 der alte Adel der Familie bestätigt. Die-
selbe kam in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Lindau
nach Württemberg.
Hegnbacher Nrbtrssmnrn.
Die hervorragendsten waren Elisabeth Kr ölin von
Ulm (13.), welche die Klausur einführte (1467) und Scho-
lastika Eberhard von Weingarten, die während des dreißig-
jährigen Krieges sehr energisch regierte. Speziell ans Bibe-
rach erwähnen wir Anna Gräter (10.), 1438, aus der
bekannten Patrizierfamilie, Ursula Sch ad, 1559 (20.),
Barbara Hörburger, 1610 (26.), Barbara Gräter,
1627 (27.). Die letzte Aebtisfin — die 36. des Klosters,
welche noch die schlimmen französischen Kriegszeiten durch-
machte, war Maria Anna Vogel von Ummendorf,
erwählt 1792. Der Konvent bestand damals ans 48 Kloster-
frauen: 28 Chorfranen, 4 Novizinnen und 16 Laienschwestern.
Sie hielt bis zu ihrem Tode (1835/36) streng die Ordens-
regeln und verwandte den größten Teil ihrer Pension für
Arme und Hilfsbedürftige, namentlich in den Tenrnngsjahren
1816 und 1817. In der Pfarrkirche zu Ummendorf wird
jährlich im Monat Dezember ein von ihr gestifteter
Jahrtag gehalten. Im obern Saal des dortigen Psarrfchlosfes
und neuerdings auch im Speifesaale des Jordanbads — dort-
hin ans dem Konventfaale zu Heggbach von der nun beide
Anwesen besitzenden Kongregation der barmherzigen Schwestern
zu Rente übertragen — befinden sich Porträts der letzten
Aebtifsin.
Mrszrllrn.
Bischof Sigfried von Augsburg iui Kerker zu Ra-
vensburg. Die Stadt Augsburg hatte öfters Invasionen von seiten
der welfischeu Herzoge zu erleiden. Schon im Jahre 1026 hatte Herzog
Welf von Bayern während des Kaisers Konrad Heerfahrt nach Italien
Augsburg überfallen, rein ansgeplündert und einen an alten Denkmälern
und Urkunden unersetzlichen Schaden angerichtet; aber auch später in
den Jahren t080, 1083 und insbesondere 1088 wurde Augsburg wieder-
holt überfallen und geplündert. Am 12. April des letztgenannten
Jahres erstieg Welf IV. A., schleifte die Mauern, schleppte den kaiserlich
gesinnten Bischof Sigfried in Ketten nach Ravensburg und setzte
den Gegenbischof Wigold ein. Goldners Chronik von Hohenschwangau
sagt hierüber: „1088 wurde die Stadt zum drittenmale und zwar am
Fronleichnamstag (Gründonnerstag) von Welfo überfallen, erobert und
3 Tage mit Sengen, Brennen und Plündern verheert, die noch übrigen
Mauern gänzlich niedergerissen, die Inwohner mißhandelt und viele er-
mordet, deren Güter nebst allen Urkunden, Briefen, Privilegien w. so-
wohl der Stadtkanzlei als auch der Bischöflichen mitgenommen, wie
denn auch Bischof Siegfried gefänglich mit fortgeführt und 3 Jahre
lang im Schloß zu Ravensburg" — dieses wird wohl nichts anderes
als die Veitsburg, die alte Stammburg der Welfen, gewesen sein —
„harren mußte, bis er durch beträchtliche Summen Geldes gelöst wurde;
die Bücher, Briefe, Urkunden wurden ans das Schloß Rothenfels —
welches spater i. I. 1567 durch Ulrich von Montfort an seinen Schwager
den Freiherrn Joh. Jakob v. Königsegg verkauft worden war —, einen
fast unzugänglichen Ort im Allgäu, in Aufbewahrung gebracht, wo solche
sehr lange gleichsam unbewußt zu nicht geringem Schaden und Nachteil der
Stadt begraben lagen, bis lange hernach in Erfahrung kam, wo sie
waren, und sich sogleich der Rat bei dem Grafen von Montfort viele
Mühe gab, solche'wieder zu erhalten, bis sie endlich unter Karl V.
unglücklicherweise auf der Festung Hugenfels (?) in einer Feuersbrnnst
zu Grunde gingen." Nach einer anderen Version wären diese Papiere
in einem Brande auf der genannten Burg eben zu der Zeit im Jahre
1554 zu Grunde gegangen, als Konrad Peutinger ans dem Wege war,
davon Einsicht zu nehmen. Ucll.

Druckfehlerberichtigung. In der Miszelle über das Ge-
schlecht der Geßler in Nr. 8 ds. Bl. S. 32 gehöreil die Worte in
Zeile 7 „Pate zu Theodor Körner" in Zeile 24 nach „Graf Karl von
Geßler".

Stuttgart, Buchdruckerei der Aktiengesellschaft „Deutsches Volksblatt".
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