Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 3.1887-1888

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Er vergasz, dasz er ein Maler war-

von A. Bei borg

um 9 Uhr!" stand auf der Einladung und schon war mache selbst sah's wiederum ans, als hätten eben ein Dutzend
die Uhr lange an dieser Stunde vorüber. Der Maler pedantische Wirtschafterinnen die letzte Hand angelegt. Pe-

Max Dohna machte rasch Toilette, strich noch einmal den danterie und geniales Gehenlassen wohnten beieinander,

dunklen Vollbart, stieß unter einem „Na-
türlich! Die verwünschten —" — einen
von den zweiknöpfigen Handschuhen ab-
gesprungenen Knopf beiseite, suchte sich
mit dem sitzengebliebenen zu behelfen, eilte
auf die Straße und warf sich in einen
Wagen.

Dohna war seit 8 Jahren Witwer
und ein wenig von dem, was man einen
Sonderling nennt. Nach dein Tode seiner
Frau hatte er sich anfänglich ganz von
der Geselligkeit zurückgezogen. —- Sein
Schmerz schien sich nicht besänftigen zu
können.

Aber um so vollendetere Bilder
hatte er seitdem geschaffen. Erst jetzt
schien sein eigentliches Können erwacht zu
sein. Wie meistens eine Sängerin erst
dann zu der ausdrucksvollen Schönheit
ihrer Stimme gelangt, wenn sie das
Wort „Liebe" in seiner innersten Bedeu-
tung empfunden hat, so war auch hier
Tiefe und Verständnis der Auffassung
gewachsen nnd hatte sich die Technik in
überraschender Weise vervollkommt. Und
mehr als das: Man zählte ihn unter
die Meister. Und er war einer!

Wie das Wesen des Mannes ein
eigentümliches Gepräge trug, so waren
auch seine Schöpfungen von besonderer
Art. Er gehörte zu den unberechenbaren
'Naturen. Wenn man annahm, er würde
Nein sagen, sprach er ein Ja, und rasches,
volles Leben so gut, wie gänzliches Zu-
rückziehen von der Welt verteidigte er
mit gleich großem Aufwand von Gründen,
wenn ihm eben die Laune stand.

Er kleidete sich auch abweichend von
andren und besaß Passionen, die man
bei einem Künstler nicht eben sucht. So
war er zum Beispiel ein eifriger Reiter
und Pistolenschütze und auf seinen Aus-
flügen oft einen halben Tag unterwegs.

Bis in die sinkende Nacht konnte er
beim Schachbrett sitzen, nnd wenn man
glaubte, er sei am Platz und arbeite, hatte
er sich, einem plötzlichen Einfall uach-
gebend, auf die Eisenbahn gesetzt und
die Richtung irgendwohin genommen.

Ein andermal klopften seine Freunde
um die Mittagszeit an die Thür und
sahen einen gähnenden und noch mit dem
Schlaf kämpseuden Menschen im Bette.

Und doch wieder nicht im Bette, sondern
auf einem phantastisch zurechtgebauten G^mania für das siegesdenkmal xu lripstg. (Luthüllung am ^8. August)

Lager, umgeben von ausgeschnittenen Zeit-
schriften und Büchern. Und in dem Ge-

vre Aunfl für Alle 141

von R. Sieinering

Nach dem Hilss-Modell, zur Zeit au» der Münchener Iubil.-Ausstellung
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