Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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N O A - N O A

VON

PAUL GAUGUIN

ch setze meinen Weg fort.

In Taravao — dem weitest
entfernten Distrikt von Mataiea,
am andern äußersten Ende der
Insel — leiht ein Gendarm mir
sein Pferd, und ich trabe an der
von Europäern wenig besuchten
Küste entlang.
In Faone, einem kleineren Ort vor dem bedeutenderen
Itia ruft mich ein Eingeborener an.

— He! Mann, der Menschen macht! (er weiß, daß
ich Maler bin.) Haeremaita maha (Komm und
iß mit uns: die tahitischeFormel der Gastfreundschaft).
Ich lasse mich nicht bitten, so anmutend und herz-
lich ist das die Einladung begleitende Lächeln.

Ich steige vom Pferde. Mein Wirt nimmt das
Tier am Zaum und bindet es ohne eine Spur von Unter-
würfigkeit, geschickt an einen Baum.

Dann treten wir miteinander in eine Hütte, wo
Männer und Frauen plaudernd und rauchend auf dem
Boden sitzen. Um sie her spielen und tummeln sich
die Kinder.

(SCHLUSS)

— Wohin willst du? fragte mich eine schöne, etwa
vierzigjährige Maorie.

— Ich will nach Itia.

— Wozu?

Ich weiß nicht, was mir in den Sinn kam, oder
vielleicht nannte ich den wahren, mir bis dahin noch
selber verborgenen Zweck meiner Reise.

— Um dort eine Frau zu suchen, antwortete ich.
- In Faone gibt es viele und hübsche. Willst du

eine von ihnen?

-Ja?

— Wohlan! Gefällt sie dir, so will ich sie dir
geben. Es ist meine Tochter.

— Ist sie jung?

-Ja-

— Ist sie hübsch?

— Ja-

— Ist sie gesund?

-Ja-

— Gut. So bringe sie mir.
Die Frau ging hinaus.

Nach einer Viertelstunde, als das Mahl wilde

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