Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 6.1908

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KARL SPITZ WEG, ERNTE

AUSGEST. IM FRANKFURTER KUNSTVEREIN

Courbets, Victor Müllers, Scholderers u. s. w. laut
werden. Eine feine, lyrisch versonnene und geistreiche
Kunst. Das Bildnis Sräblis, von Zimmermann gemalt,
erklärt sie in jedem Zug. Wir sehen einen Poetenkopf,
in dem es kräftig arbeitet, einen Künstler, dessen Ge-
danken es nicht leicht hatten, sich in den Grenzen der
Malerei zu bescheiden, der aber fast immer doch die
weichen, poetischen Empfindungswerte in malerische
Anschauungswerte umzudeuten wusste. ■—

Die grossen Kaufhäuser legen in letzter Zeit Wert
auf geschmackvoll arrangierte Schaufenster. Sie alle
engagieren Künstler oder Künstlerinnen und erzielen
damit Erfolge, die als sehr erfreulich bezeichnet werden
müssen. Es kommt schon vor, dass man überrascht und
ästhetisch freundlich berührt vor den Auslagen stehen
bleibt und sich der architektonischen und malerischen
Gedanken freut, die im Aufbau der Waaren zu Tage
treten. Besonders dort, wo mit Massen gearbeitet
werden kann, mit Stoffen und Teppichen zum Beispiel,
werden zuweilen überraschend ansprechende Wirkungen
erzielt. —

Die Hauserausstellung der „Woche" in Neu-Finken-
krug und Wandlitzsee ist ein unerfreulicher Abschluss
des erfreulichen Eintretens des Seherischen Verlages für
die gesunde Hausbaubewegung. Die klar formulierten
Leitsätze, die dem damaligen Preisausschreiben der
„Woche" zu Grunde lagen, sind zum Teil auf den Kopf
gestellt. In Neu-Finkenkrug hat man die Sommer- und
Ferienhäuser zu Dauerhäusern umgesrempelt, die
winzigen Häuschen mit einem Kellergeschoss, mit Zen-
tralheizung u. s. w. versehen und dadurch unsinnige
Bauprodukte erzeugt, in denen niemand wohnen kann
und die ausserdem wirtschaftliche Monstra geworden
sind. Überhaupt sind durch die Bauausführungen die
Ankündigungen der „Woche", dass hier nun endlich
dem Mittelstand billige Häuser geschaffen werden
sollten, vollständig ad absurdum geführt. Man kann gut
bauen: dann darf man nicht die Billigkeit zum Ausgangs-
punkt machen wollen. Man kann billig bauen, indem
man nach Art der Bauspekulation unsolide baut. Will
man aber gut und billig bauen, so bleibt nur eins übrig,
nämlich : die Produktionsmethoden zu verbessern,Typen

zu schaffen und zu wiederholen, kurz, in der Bauherstel-
lung so etwas wie den Grossbetrieb einzuführen. Alan
kann aber nicht zugleich die auf erhöhte Qualität ab-
zielenden Kulturbestrebungen fördern und dabei mit
Einzelhäusern die marktgängige Produktion noch im
Preise schlagen wollen. Einen gutsitzenden Jackettanzug
aus solidem Stoff kann niemand für i 2,so Mk. liefern.
Die Häuser der „Woche" sind im Prinzip verkehrt. Sie
sind aber auch in der Ausführung und Durchbildung
ungenügend. Und man weiss bei den Unzulänglichkeiten
nicht, ob diese dem Entwerfer oder der Bauausführung
zuzuschreiben sind. Bei einigen Häusern muss man erst
um das ganze Haus herumgehen, um zum Eingange zu
gelangen. Das kommt augenscheinlich daher, dass sie
für andere Bauplätze entworfen und dass die Entwürfe
willkürlich für neue Verhältnisse verwandt sind.

Was hier geleistet wurde, ist bedauerlich; wenn von
der Ausstellung dieser Häuser eins zu erhoffen ist, so
ist es, dass sie klar und deutlich zeigt, wie es nicht ge-
macht werden darf. —

Unter den Neuerwerbungen der Koni gl. Kunstsamm-
lungen sind einige wunderschöne Kleinbronzen der
italienischen Renaissance zu erwähnen und eine Email-
dose von Chodowiecki, die durch die gefällige Art der
Malerei und durch die rhythmische Feinheit derKompo-
sition wieder alle Zärtlichkeit wach werden lässt, die
man für diesen heiteren Künstler empfindet. —

IM GARTEN
AUSGEST. 1

FRANKFURTER KUNSTVEREIN

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