Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

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Uber die ethische Kraft des KonstruktimNotwendigen.

47. Aktstudie.

(halbe Größe des Vriginals.)

II.

Wenn man zusieht: wie viel Lsände sind hier an der
Arbeit! Welche Anzahl von Namen drängt sich hier zu-
sammen! Jeder versucht sich. Jeder formt. Forint nach
seinen: Willen dies und das und gibt sein Teil hinzu. Und
nun — als Schluß: welche erschreckende Alonotonie der
Formen! Welche bis zum Überdruß sich steigernde, ewig
variierte Gleichförmigkeit der Linie! Kann es anders sein,
wo jeder hier inittut, gleichgültig, ob er den Beruf dazu, den
Grund in sich mitbringt? Wie viele tun hier mit, um einer
an sich lästigen Nebenbeschäftigung, die die NIode mit sich
bringt, zu genügen? Oder sie betrachten diese Abwechslung
als willkommene Gelegenheit, von ihren Arbeiten auszu-
ruhen! So nebenher geben sie, wie es ihnen nicht anders
wert scheint. Bis in welche Kreise dringt diese NIode?
Kommt sie von innen? Zst sie — so wie sie bisher gehand-
habt wurde — wirklich: For m? Oder nur Schmuck!?
Kommt daher nur von außen? Wie viele erschöpfen sich
hier, weil die NIode einer solchen, im Grunde lohn losen
Beschäftigung das klingende Entgelt bringt. Zerschellt diese
Welle nicht sichtbarlich an einem andern festeren Willen als
einem aufgerichteten Bollwerk?

Diejenigen Künstler, die hier sich so zur Erscheinung
gebracht haben, daß man sie erkennen, daß man ihren
Schöpfungen einen zureichenden Grund, der den Tag über-
daure, zuerkennt: wie viele sind ihrer? Drei oder vier!
Nicht inehr! And diese sind nicht Ziel, sondern Stationen
des Weges — ein Unterwegs. Bei den anderen: ein lässiges
Spiel mit zufälligen Formen, begründet oder unbegründet,
wie es sich trifft, ernst oder spielerisch. Ein gleichgültiges
Aneinanderreihen gedankenloser Anhängsel, ein Aberein-

4J. Illustration zu Grimms Märchen: „Der Teufel mit den drei
goldenen haaren". Derlag von M. Gerlach & Ko. (f. Tafel 2).

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