Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

Page: 174
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Kleine Nachrichten.

3^3. Altarmodell für die Kirche zu Feucht, vou Gtto Lohr,
München. (Wettbewerb.)

eines geeigneten Modells bzw. Entwurfs hatte die
Gesellschaft für christliche Aunst einen Wettbewerb
unter ihren Mitgliedern ausgeschrieben. Unter den
eingelaufenen 33 Arbeiten wurde die Entscheidung
dahin getroffen, daß die drei Entwürfe von Gtto
Lohr gemeinsam ati erster Stelle prämiiert wurden;
der Preis bestand in dem Auftrag zur Ausführung
eines der Modelle, unter der Bedingung, daß die
liturgischen Anforderungen noch stärker berücksichtigt
werden. Die übrigen Preise fielen auf die Modelle
der Bildhauer Engler, Jos. Faßnacht (Abb. 5^6)
und Aarl Vogt (Abb. 3^7); die Entwürfe von
Jos. Stärk-Nürnberg und Th. Schn eil-Ravens-
burg wurden lobend erwähnt. — Die Ausführung
der Lohrschen Modelle war folgendermaßen gedacht:
Sockel und Mensa in Marmor oder Muschelkalk mit
Mosaikeinlage, — Altaraufbau aus polz mit ge-
triebenem Messing verkleidet, ■— Tabernakel reich

mit Steinen besetzt und feuervergoldet, — Figuren
Bronze, dunkel patiniert.

Die drei letzten Bilder (34(8—350) stellen einen
der ersten der aus Bayern zur Weltausstellung nach
5t. Louis abgegangenen Räume dar: das Präsidial-
ziinmer für das neue Regierungsgebäude in Bayreuth.
Der 8,7^/6,35 m weite und fast % m hohe Raum ist
nach Entwurf der Gebrüder Rank in München von
W. Ballin, ebenda, ausgeführt. Die Wände sind
durchgehends in grau gebeiztem Ahornholz (das
Rahmenwerk — um der Gefahr des Werfens vor-
zubeugen — in sechsfachen Lagen) getäfelt; einfache
Intarsien in Ebenholz, grün gebeiztem und weißem
Ahornholz beleben die Flächen, — am Sockel des
Sofas und des Aästchens find leicht oxydierte Bronze-
auflagen (von Ferd. Dünn). Die Polsterung be-
steht aus stumpfblauem Militärtuch mit zierlichen
Ornamenten in orangegelber Seide bestickt. Das
Prinzregentenporträt ist von Ioh. Aug. Schuster-
Weidenberg gemalt.

Steine (Nachrichten.

(Vereine, (Museen, Schuten, Äussiektungen,
Mettöewerke <rc.

usstellung für künstlerischen Dilettantismus
in Wiesbaden. Die „Wiesbadener Gesellschaft
für bildende Aunst", welche schon feit Jahren ihre
Aräfte in den Dienst der Lichtwarkschen Ideen gestellt,
hat als erste diesjährige Unternehmung eine Aus-
stellung von Arbeiten Hamburger und Arefelder
Dilettanten veranstaltet mit dem pinweis, nächstes
Jahr eine ähnliche mit Wiesbadener Aräften ver-
suchen zu wollen. Lichtwark ist bekanntlich der eifrigste
Förderer für künstlerischen Dilettantismus. Er sieht
in ihm eine künstlerische Beseelung der Alltäglichkeit.
Ein Volk von gebildeten Dilettanten dünkt ihm die
beste Grundlage, auf der sich die wirklichen Aünstler
entwickeln und wohl fühlen können; Beispiel die
italienische Renaissance. Je nun, die Sache hat wie
so manche Dinge zwei Seiten; auf der einen lächelt
uns das schöne Bild eines Volkes an, das mit der
Aunst so vertraut ist, daß es feine Aünstler zu schätzen
weiß; auf der anderen das Zerrbild aller Aunst:
dilettantischer Größenwahn. Den pinweis auf die
Renaissance tun wir am besten, ganz aus dem Spiel
zu lasten. Unsere Zeit gleicht jener in nichts. Wir
dürfen nicht vergessen, daß sich die ganze Aultur der
Renaissance, von der wir immer reden, nur in den
pöhen der Gesellschaft abspielte. Die Renaissance-
dilettanten waren eine pand voll Menschen von um-
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