Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

Page: 111
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Kleine Nachrichten.

rein aus der Technik entwickelnde Arbeit, wenn auch
anfänglich ohne jede Verzierung, gibt, ait der er
seinen Sinn für das wesentliche — den künstlerischen
Aufbau — entwickeln und üben kann.

In den Schulen ist es dagegen üblich, dem Schüler
zuerst ein aus seiner ursprünglichen Zweckbestimmung
herausgerissenes Ornament zum Modellieren, Schneiden
oder Ziselieren zu geben. Bei dieser Arbeit vergißt
der Schüler, daß das Ornament unter allen Um-
ständen nur etwas Nebensächliches ist und betrachtet
es schließlich als die Hauptsache. Die Folge ist die,
daß so viele Kunsthandwerker, die technisch vor-
züglich ausgebildet find, doch nie selbständig ein
Stück machen können, das in der Gesamtheit seines
Aufbaues den Anforderungen eines - künstlerischen
Geschmackes entsprechen kann, und daß die meisten
Handwerker ihre erste Aufmerksamkeit immer aus
die „Schönheit" des Ornaments richten. Um aber
den uns vor Augen stehenden bewährten Werkstätte-
vorbildern möglichst nahe zu kommen, wären nicht
reine Lehrlingswerkstättcn ins Auge zu fassen, sondern
Werkstätten, in denen auch der mehr Vorgeschrittene,
der „Geselle", einen höheren Grad der künstlerischen
und technischen Ausbildung erlangen und zugleich
durch die seinem Alter entsprechende ernstere Auf-
fassung und Lernbegierde günstig aus den Lehrling
einwirken könnte, denn die gleichalterigen und so
ziemlich auf einer Stufe des Könnens stehenden Lehr-
linge sehen nur das Nächstliegende Ziel vor Augen,
während in einer so gemischten Besetzung einer
Werkstatt die Jüngeren und Schwächeren viel eher
sehen, was ihnen noch fehlt und ihr Eifer dadurch,
daß sie weitere Ziele sehen, viel mehr geweckt wird.
So würde der Betrieb dein der Werkstätten der guten
Zeit, wo auch jeder von jedem lernte, möglichst nahe
kommen und das Ganze würde ein organischeres
Gefüge erhalten. Auch würde die Verbindung mit
anderen ähnlichen Betrieben mehr gewahrt wer-
den , wie ja auch der mittelalterliche wandernde
Handwerksbursche befruchtende Ideen und neue,
irgendwo aufgekommene künstlerische Formen und
technische Fertigkeiten von einer Werkstatt zur andern
trug und so immer neues Leben und neue Anregung
brachte.

Also noch einmal: Wenn die Goldschmiedekunst
auf möglichste Höhe gebracht werden soll, dann
müssen die Goldschmiede (nicht in Schulen sondern)
in richtig geleiteten Werkstätten so ausgebildet werden,
daß sie imstande sind, ein Kunstwerk selbständig,
ohne Beihilfe eines Architekten, zu entwerfen und
selbständig auszuführen.

Ernst Riegel,
Goldschmied und Fachzeichenlehrer.

2 >15. Von 5t. 5chreyögg. C/,5 der wirkt. Gr.)

(Meine Nachrichten.

(Vereine, Museen, Schuten, -Aussiebungen,
Mettkerverke <zc.

er Gewerbeverein für Aachen, Burrsebeid und
Umgegend, der in: letzten Herbst auf ein
25 jähriges Bestehen zurückblicken konnte, hat aus
diesem Anlaß eine Denkschrift — aus der Feder
seines Vorstandes, Geh. Baurat Dr. Friedr. Heinzer-
lin g — veröffentlicht, welche ein treues Bild von
dem Schaffen und Wirken dieses rührigen Vereins
gibt. Die Denkschrift stellt einen gedrängten Akten
auszug dar über alle Lebensäußerungen des Vereins,
die besonders hinsichtlich der Vorträge, Vereins-
ausflüge, Ausstellungen, gewerbliches Unterrichts-
wesen für manche andere Vereine Anregungen zu
geben geeignet sind. Im Jahre (883 bildete sich
innerhalb des Gewerbevereins eine Abteilung für
Kunstgewerbe, mit welcher der Verein seit Früh-
jahr (888 dem Verband deutscher Kunstgewerbevereine
beigetreten ist. — Als Hauptziel schwebt dem Verein
die Schaffung eines eigenen Heims vor Augen,
welches namentlich als Zentralstelle für das heimische
Gewerbe dienen soll und für welches das bisher auf
nahezu SO 000 2TL angewachsene Vereinsvermögen
hauptsächlich bestimmt ist.

Nt
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