Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

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Unsere Bilder.

475. Glasschrank aus dem Damensalon von A. Niemes er
und K. Bertsch, München (f. Abb. 476).

ünchener Gold- und Buntpapiere. Unter
diesen: Namen bringt die Firma Meyer & Seitz,
München, eine erste Serie von 20 Papiermustern in
den Handel, die nach Entwürfen von Otto Pupp
hergestellt und in der mannigfaltigsten Gold- und
Farbenpressung gedruckt worden sind; diese erste —
aus 70 verschiedenen Proben bestehende — Serie
beweist erstens, daß Otto Pupp in gleicher Frische
wie vor 20 Jahren ani Werke ist, und zweitens,
daß seine durchaus gesunde Schaffensweise auch heute
noch von keinem „Modernen" übertroffen ist. Wenn
man will, dann kann man hin und wieder Einflüsse
moderner Stilrichtung wittern, aber nie werden sie
so mächtig, daß auch nur die geringste Abweichung
von den für derartige Muster natürlichen Stilgesetze
dadurch veranlaßt wird. Der Markt für Borsatz-
papiere hat selten eine so glückliche Bereicherung er-
fahren wie durch diese Puppschen Muster. G.

(Unsere (Kikder.

ie Abbildungen nach Balmers Arbeiten,
welche mit dem zugehörigen Text den
Grundstock dieses peftes ausmachen, be-
dürfen nur noch etwa nach der Richtung
einer weiteren Erläuterung, daß die
Doppeltasel auch als Beispiel moderner Reproduktions-
technik besondere Beachtung verdient; die Klischees
dafür (fünf Platten) wurden von Meisenbach,
Riffahrt & To. in München hergestellt.

Es folgt dann wieder eine Reihe von Möbeln
und Wohnungsteilen, die ihre wesentlichste Beschreibung
schon in den Textunterdrucken aufweisen. Bei den ersten
— von Wilh. Michael —■ wäre etwa nur zu be-
merken, daß bei dem Speisezimmer (Abb. ^63) die
Ausgabe gestellt war, einen geräumigen Fensterplatz
zu gewinnen ohne die übliche Einfriedigung; das
wurde durch Einbau von Wandschränken von be-
trächtlicher Tiefe, die bis an die Decke reichen, be-
wirkt.

Die Abb. ^67—$77 stellen Teile einer kleinen
Ausstellung dar, welche die „Werkstätten für
Wohnungskunst", München, in ihren eigenen
Räumen (Arcisstr. 33) veranstaltet haben. Eine
schlichte, vornehme Solidität, die alles aufsehen-
erregende Getue vermeidet, beherrscht die Gestaltung
jedes einzelnen Stückes; dabei ist überall für ruhige,
milde Farbenstimmung gesorgt. Karl Bertsch,
seines Zeichens Tapezierer, gehört mit zu den ersten
seines Fachs, die die Tapezierkunst auf moderne
Wege geleiteten (vgl. besonders Zahrg. \8ty8, S. \j
und \899, S. 288); vor etwa anderthalb Jahren
verband er sich mit den Malern Adelbert Niemeyer
und Willy v. Beckerath, die sich schon früher im
Bereich der Wohnungskunst betätigt hatten, zu ge-
meinsamem Schaffen auf diesem Gebiete. Die Ab-
bildungen selbst sind durch die Textunterdrucke ge-
nügend erläntert.

Den Schluß (Abb. bildet die Darstellung
der Deckplatte eines mit Elfenbeinbelag gezierten
Kästchens im Bayerischen Nationalmuseum. Das
Kästchen gehört zu einer Reihe ähnlicher kleiner
Kastenmöbel, die sämtliche aus dem Schlöffe zu
Bamberg in das Museum gelangten. Das eigent-
liche Gerüst der Möbel ist sehr einfach in schwarzem
polz hergestellt, gegen das die Elfenbeinauflagen
Stirnseiten von Schubladen, Berkleidungen von
Schranktüren —• wirksam abstechen. Die sämtlichen
Kästchen scheinen, nach der Zeichnung des Ornamentes
und der Modellierung zu schließen, auf ein und die-
selbe pand zurückzugehen; es sind Arbeiten der zweiten
pälfte des ^7. Jahrhunderts.

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