Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

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Ergebnisse eines Wettbewerbs um Gaslichtgeräte.

des Wortes zu machen, erschallt aus allen Schichten
— sie dem Kinde zu bieten, das wird doch wohl
die Hauptaufgabe bleiben.

SrzeKmsft eines WeitKewerKs um
Saekichizerate.

Seit das elektrische Licht seinen Siegeszug
über die Kulturwelt angetreten und damit
auch die im Gebiet des Lichtgerätes tätigen
künstlerischen Kräfte auf sich gezogeit hat,
ist unstreitig die künstlerische Durchbildung
des Gasbeleuchtungskörpers etwas in den Hintergrund
gedrängt worden, wer z. B. im letzten Jahre die
Türmer Ausstellung der modernen dekorativen Kunst
nach Beleuchtungsgeräten durchwandert hat, der wird
fast nur Lampen für elektrisches Glühlicht gefunden
und vergeblich nach Gaslampen gesucht haben ;
eigentlich dürfte das bei einer „modernen" Knnsi-
gewerbeausstellung nicht überraschen. And doch hat
das Gaslicht noch lange nicht seine Berechtigung ein-
gebüßt, da es vielerorts eben wesentlich billiger zu
beschaffen ist, als das elektrische Licht.

Zweifellos war aber die Fabrikation moderner
Gasbeleuchtungskörper neben dem gewaltigen Auf-

*) Die „Zentralstelle für Arbeiter-Wohlfahrts-Einrichtungen
in Berlin" hatte für den 2\■ und 22. September d. I. eine
von über 200 Teilnehmern besuchte Konferenz in Mannheim
einberufen, um die Frage: „Die Museen als Volksbildungs-
stätten" in jeder weise nahe zu treten. Alle größeren Museen
Deutschlands waren durch ihre Direktoren vertreten, ebenso aus-
ländische Institute, so das Ruskin-Museum in Sheffield durch
seinen Kurator, die „Museum Association London" durch ihren
Präsidenten, das k. k. österr. Museum zu Wien durch einen
seiner bedeutendsten Leiter usw.; weiter waren anwesend eine
ganze Reihe von Regiernngsvertretern und Bürgermeistern
größerer Gemeinwesen, sowie Künstler und Gelehrte. Nur die
Repräsentanz jener fehlte, die eigentlich in erster Linie in Be-
tracht kämen, der Arbeiter. Nicht ohne Bedeutung erscheint
der Umstand, daß die Verhandlungen durch einen badischen
Minister geleitet wurden. Positive Resultate waren bei diesen,
erstmaligen Ausrollen der Frage in großer Gesellschaft wohl
kaum zu erwarten. Ls war eine Unterhaltung über die Sache
in großem Stile. Inwieweit in Bälde fühlbare Resultate zu
erwarten sein werden, hängt wohl nur ganz und gar von den
lokalen Verhältnissen ab. Manchenorts, so vor allem in ein-
zelnen norddeutschen Städten, Hamburg in erster Linie zu nennen,
ist bereits vorzüglich vorgearbeitet, auch hinsichtlich der rationellen
Reorganisation der Schulverhältnisse schon manches in vorzüg-
liche Wege geleitet. Die Frage ist aber jedenfalls einmal offiziell
angeschnitten worden und damit der Anstoß zum Fortschritt
oder zum Rückschritt gegeben. Die vor zwei Jahren im
Saale des alten Rathauses zu München veranstaltete, höchst
instruktive Ausstellung „Die Kunst im Leben des Kindes"
Ichloß mit einem Defizit. In den andern großen Städten des
deutschen Reiches brachte sie Überschüsse.

schwung des elektrischen Lichtgerätes zurückgeblieben;
zunr mindesten hatte sie, was die Stilwandlung betrifft,
nicht gleichen Schritt gehalten. Das war wohl die
Veranlassung, daß der „Deutsche Verein von Gas-
und Wasserfachmännern" unterm {. Februar dieses
Wahres einen Wettbewerb „zur Erlangung von
Entwürfen für künstlerisch durchgebildete Gas
beleuchtungskörper" erließ, wobei es sich jeweils u,n
dreierlei zusammengehörige, zur häuslichen Beleuchtung
paffende Stücke handelte: Kronleuchter zu drei bis
sechs Flammen, wandarin von ein bis drei Flam-
men und Tischlampe. Um allem schönzeichnerischen
Gefluncker von vornherein den Eintritt in den fried-
lichen Kampfplatz zu verwehren, wurde von jedem
Stück eine Werkzeichnung in natürlicher Größe mit
den nötigen Schnitten ic. verlangt; durch diese
Bedingung waren auch alle nicht mit der Praxis
der Fabrikation vertrauten Künstler ausgeschaltet,
denn konstruktives Detail und konstruktive Notwendigkeit,
das sind Dinge, um die sich so mancher „kunstge-
werbliche Musterzeichner" von heute gerne herum-
drückt, denen er am liebsten in weitem Bogen aus
dem Wege geht. Freilich waren dafür bei den zum
Schlußtermin (\5. April) eingelaufenen Entwürfen
sehr viele, denen man ansah, daß ihre Verfertiger
zwar Praktiker sind, die sehr genau wissen, was
sich machen läßt und wie es gemacht wird, die aber
nur zu oft wenig Geschmack besitzen und sich bisweilen
zu Ungeheuerlichkeiten verirren.

Dem immer mehr an Verbreitung gewinnenden
Verfahren, die Ergebnisse solcher Wettbewerbe durch
Ausstellungsreisen möglichst weiten Kreisen bekannt
zu machen, waren schon im Preisausschreiben die
Wege geebnet; denn der ausschreibende Verein behielt
sich darin das Recht vor, „sämtliche eingegangene
Entwürfe innerhalb eines Zeitraums von 3 Monaten
an geeigneten Anstalten auszustellen". So war man
nicht nur am Einlieferungsort Düsseldorf, sondern
auch anderwärts in der Lage, sich über das
Ergebnis ein Urteil zu bilden; in München waren
die Entwürfe Ende Juli ausgestellt, wir verdanken
es dem Entgegenkommen des ausschreibenden Vereins,
daß unsere Zeitschrift zuerst in der Lage ist, einen
Teil der preisgekrönten, bzw. angekauften Entwürfe
zu veröffentlichen.

Dem Preisgericht gehörten außer den beiden
Vorstandsmitgliedern des Vereins, Baurat Beer-
Berlin und Direktor Drory - Frankfurt a. M.,
noch an: Professor Vr. L rem er von der Tech-
nischen Hochschule zu Berlin, Direktor Frau-
berg er-Düsseldorf, sowie die Architekten Professor
Schill-Düsseldorf und Professor Fr. v. Thiersch
München.
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