Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

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Unsere Bilder.

3^( u. 342. Möbel eines Empfangszimmers.

Träger des darüber gelagerten offenen
Faches aufzunehmen. Ich wüßte nicht,
was gegen solchen Zierat vom Standpunkte
der Tischlerei einzuwenden wäre. Die Kon-
struktion wird dadurch nicht verschleiert, sondern im
Gegenteil nachdrücklich bekräftigt. Ts ist die Stelle,
wo die Deckplatte auf dein Kastenschrank befestigt
und gleichzeitig die Zapfen der schlanken oberen Stütze
eingefügt sind, eine Veranlassung zum Leimen und
Ausammenfügen, wie sie von jeher anerkannt worden
ist. Auch kann sich da niemals ein Riß auftun,
der eine Formeinheit zersprengte. Denn das kleine
Ornament besteht ganz aus einem Stück und gibt
durch feine Gestalt deutlich zu verstehen, daß es ein
anderer Körper fei als Schrankwand oder Platte,
deren Vereinigung es symbolisiert.

Die feinen Intarsiaornamente und die Schnitzerei-
motive, welche Pankok an bevorzugten Stellen ebener
Flächen anbringt, können noch viel weniger den
berechtigten Ansprüchen zu nahe treten, welche ver-
langen, daß die notwendigen cholzverbindungen an
Stellen verlegt werden, wo der bloße Augenschein
die Zusammensetzung verschiedener Funktionsträger
vermuten läßt. An der glatten polzfläche, wo die
Konstruktion dadurch nicht beeinträchtigt wird, durften
zu jeder Zeit Phantasie und Schmuckbedürfnis ihre

Befriedigung suchen. Wenn so das Grnament auf
bestimmt abgegrenzte Gebiete verlegt wird, so ist die
Gefahr nicht vorhanden, daß es über feine Kompetenz
hinausgreife. — Gb nun die Tischlerei Ornament
anwende, oder ob sie es ablehne, jedenfalls wird sie
gut tun, mit den: Umstande zu rechnen, daß die Ver-
bindungsstellen der polzteile früher oder später sichtbar
werden müssen. Sie sollte dieselben an Punkte ver-
legen, wo dieselben der Logik des Wöbelaufbaues
nicht widersprechen. ^ x, pie{?n.

m Anschluß an die der kunstgewerblichen
Werkstätte von Steinicken & Lohr ent-
stammenden Arbeiten folgen die Altar-
modelle, welche aus dem S. f60 er-
wähnten Wettbewerb als Preisträger
hervorgegangen sind (Abb. 5^5—5^7). Ts handelt
sich hierbei u:n einen Altar für die romanische
Kirche zu Feucht bei Nürnberg; zur Erlangung

(Unsere (Kikder.

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Aunst und Handwerk. 5^. Jahrg. Heft 6.

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