Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

Page: 102
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kuh1903_1904/0118
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Uber die Ausbildung der Goldschmiede.

200. von Jos. ffloßmann und Btto Ri ein er -
sch in i d, Pasing.

vieren auf eine anmutige belebende Verteilung des
Wassers Rücksicht genommen. Auffallend treten auch
Anklänge an Eisen- und Bronzesormen in die Er-
scheinung.

In den Entwürfen von Henneberger, Jobst
und auch Schreyügg (Abb. 2\\—2{5) gibt sich als
gemeinsames Moment das
Bestreben einer innigen Ver-
bindung plastischer und archi-
tektonischer Hormelemente zu
erkennen. Wir sehen hier be-
gabte Aünstler an der Arbeit,
die in der einen ksand das
Richtscheit und in der anderen
das Modellierholz halten,

Ja, manchmal will sogar die
Neigung, die Architektur so
wie den bildnerischen Schmuck
zu behandeln, d. h. mittels
Hlächenwirkung den ge-
wünschten Effekt zu erzielen,
die Gberhand gewinnen.

Im Ganzen haben diese
Ronkurrenzen eine Hülle ori-
ginaler plastisch-tektonischer
Gedanken zutage gefördert,
daß nur zu bedauern ist,
davon nicht mehr verwirklicht

ur den Renner unterliegt es keinem
Zweifel, daß wir, trotz vielseitigster
Bestrebungen, noch lange nicht jenen
Grad künstlerischer Vollendung erreicht
haben, wie die großen deutschen Gold-
schmiede des Mittelalters und der Renaissancezeit.
An der Technik kann das nicht liegen, denn wir be-
herrschen sie gegenwärtig wieder in demselben Grade
wie zur besten Zeit, ja wir sind, dank der vorge-
schrittenen physikalischen und chemischen Renntnisse,
in dieser Beziehung den Alten überlegen. And
wenn auch der Aunstsinn nicht so allgemein ver-
breitet ist wie in jener Zeit, so fehlt es doch auch
uns nicht an tüchtigen Vertretern der sogenannten
reinen Kunft, die, wenn auch in das handwerkliche
der einzelnen kunstgewerblichen Zweige nicht einge-
weiht, doch für das Aunstgewerbe arbeiten und je
nach Bedarf und Wunsch Entwürfe liefern, bald
für die Aeramiker, bald für die Schreiner und bald
für die Goldschmiede. Was uns aber fehlt und

20p Von Jos. ff l 0 ß IN a n n Illiv Dtto R i e IN ersch IN l d , Pasing, p/,00 der wirkt. Gr.)

zu sehen. Möge jedem, der sich am Wettkampfe
beteiligte, einmal die seinem Talente zusagende Auf-
gabe zuteil werde», dann wird auch das Sprüchlein
„Der Bildhauer denkt und die Jury lenkt" seinen
bitteren Beigeschmack verlieren, oder nach Norden
zu ziehen. Alexander Heilmeyer.

(ÜKer die Ausßikdung der Gokdr
schmiede.

H02 —
loading ...