Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

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Volkskunst, Volksbildung, Volksmuseen.

fertig in alle Lüfte hinausposaunt wird, als hätten
wir schon, was wir erst erreichen sollen. Doch gibt
dann vielleicht das Reden keine Befriedigung mehr.

Es tun die Aünstler not, die abseits stehen von
dem großen Kaufen, die mehr wollen als sich, die
es ernst meinen mit sich, mit ihrer Aunst, mit ihrer
Zeit. Die abseits stehen und doch — und gerade
darum — mit allen Ännen für das Ganze wirken.
Denen diese Bewegung — das Aunstgewerbe -
nur ein Teil eines größeren Strebens ist, ein Teil
einer ernsten Lebensbetätigung. Denen diese
Bewegung daher mehr ist, als ein Spielen mit
willkommenen Formen. Sondern vielmehr: ganzes,
ernstes Leben. Aünstler, die sehen, was not tut, und
die darauf den Blick richten. Aünstler, die nach
diesen: verlangen und wissen, daß der ernsten Arbeit
aus dem Innersten heraus der Segen folgen wird.

Die sollen sich zusammentun und arbeiten. Tin
Zentrum. Ein sichtbarlich ausgerichtetes Zeichen.

Für diese Gebiete — für das Aunstgewerbe,
wohl auch für die Architektur — wäre es nicht
von: Übel, sondern:

Durch die Zeit gerechtfertigt, ja ge-
boten.

(05. Maximilianskirche; Türbeschläg noch Lutwurf vou
ljch. v. Schmidt ausgeführt von R. Kirsch, München.

QMßerßimff, (DoNsKikdung,
(VoNer Museen.

(Von H. S. v. Kerkepsch-(Vakenöao.

fm Jahre l8ß6 fand zu Genf eine
Schweizerische Landesausstellung
von imponierenden: Umfange

statt, gelegentlich deren nicht bloß
die in mancher Beziehung groß-
artig entwickelte inoderne In-
dustrie der Schweiz eine hervorragende Rolle spielte.
Ulan hatte aus Privatbesitz, aus Airchen, Alöstern
und Sammlungen auch eine stattliche Altertums-
ausstellung zusannnengebracht, wie sie jetzt bei fast
allen größeren derartigen Unternehnmngen — es sei
an Düsseldorf erinnert — auftritt. Das war schön
und gut, aber für die weitaus größere Ulehrzahl der
Besucher zieinlich gleichgültig. Standen sie doch
diesen Dingen meist ganz verständnislos gegenüber.
Die Verbindung zwischen den: lebenden Individuuin
und den: aus seinen: Zusammenhangs mit einen:
Ulilieu entfernten Aunstobjekt ist nur vorhanden,
wo eigentlich künstlerisches, kaufmännisches oder
wissenschaftliches Interesse in Betracht koinmt. Ganz
anders verhielt sich das aus allen Teilen pelvetiens
zusammengeströmte Volk, poch und Nichthoch, dem

„Schweizer Dorfe" gegenüber. In äußerst geschickter,
künstlerisch verständnisvoller U)eise und unter Be-
nutzung künstlich hergestellter Terrainverschiedenheiten
waren da Typen aller Bauernhäuser zusammen-
gctragen. Ulan sollte es kann: für inöglich halten,
welche Unmenge grundverschiedener Pausanlagen
auf den: Terrain eines an bewohnter Bodenfläche
relativ kleinen Landes sich gebildet haben, wie ver-
schieden die Physiognomie des Bauernhauses in der
Gesamtanlage und in: Detail sich in: Laufe der Zeit
entwickelt hat. Die in Genf aufgestellten päuser
waren zum größten Teile Abgüsse und Nachbildungen
vorhandener Bauten, hier und da ist auch ein Ori-
ginalstück zur Aufstellung gekoinmen. Ulan sah nun
nicht bloß Fassaden der verschiedensten baulichen
Typen, nein, auch der Grundriß der päuser stinnnte
n:it den Originalen überein. In den Stuben hing
und stand das charakteristische Gerät uncher, und
Ulenschen, wirkliche leibhaftige Ulenschen trieben in
diesen Stuben jene pantierung, die bezeichnend für
dieses und jenes Gebiet des Landes ist. Im Appen-
zeller paus z. B. waren Ulädchen an: Stickrahinen
beschäftigt zu sehen, und in den: beinahe kellerartigen
Untergeschoß dröhnten die dumpfen Stöße des Seiden-
webstuhles usw., kurzun: das Ganze bot ein äußerst
anschauliches Bild des pauses, der Art des Wohnens,
der damit verbundenen künstlerischen und praktischen
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