Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

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Batiks.

63^—636.

(Kaiißb.

(Von Vvöert Hreuer.

>ch vor wenigen Jahren nur den
Ethnographen bekannt, haben
die Batiks, nachdem sie durch
Künstlerinstinkt aus der javani-
schen peimat nach Europa ge-
bracht, dem Europa, dessen Kultur
zu einem guten Teil auf Assimilation exotischer
Elemente beruht, sich bei den Kunstgewerblern schnell
freunde zu sichern gewußt. Dennoch kann nicht
gesagt werden, daß das Batiken sich inzwischen bei
uns akklimatisiert habe; weder die Nachfrage des
Publikums, noch die Produktion ist quantitativ be-
deutsam. Dies liegt einerseits an dem immerhin
hohen Preis größerer Arbeiten, anderseits entbehrt
die Herstellung nicht erheblicher, nur mit größter
Blühe und vielen Opfern überwindbarer Schwierig-
keiten. — Unter solchen Umständen scheint die Frage
angebracht: was bringt diese gepriesene Technik eines

fernen Landes uns eigentlich Neues und Be-
gehrenswertes?

Einfarbige Stoffe können mit Alustern in
ein oder inehreren Tönen bedeckt werden. Das
inachten wir längst sehr sauber und schnell durch
Malze und Alaschine. — Beim Batiken handelt
es sich um Landarbeit. An Stelle der Starrheit
unveränderlicher Druckformen bekommt die Zeich-
nungindividuelles Leben, die nivellierende Schablone
wird durch die jeweilig von Zweck und Alaterial
beeinflußte, nur dem Geschmack gehorchende künst-
lerische Absicht ersetzt. Es ist der Unterschied wie
zwischen einem Ruppiner Bilderbogen und einem
Gemälde, einer gewebten und einer geklöppelten
Spitze. Noch gelang es nicht, in der Reproduktion
die Effekte des Originals zu geben, und es wird
und kann nicht gelingen; der Mangel der mechanisch
hergestellten Ware scheidet Batik und bedruckten
Stoff. Pier vermag zwar eine gewisse Regulierung
gewollte Wirkungen annähernd zu erreichen, da-
gegen gestattet das in verschiedenen Stadien, unter
ständiger Kontrolle vor sich gehende Färbeverfahren

637. Batik-Aissenbezug (Samt), von Irene Braun, München.
(Ve der wirkt. Gr.)

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Kunst und Handwerk. 5^. Jahrg. Heft \2.

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