Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

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Kleine Nachrichten.

Wettbewerb des Deutschen Vereins von (Las- »tid tvasser-
fachmännern.

t^7. Gaslampe; Entwurf von Guido Fischer, Mainz.
(V, der wirkl Gr.)

daß das elektrische Glühlicht die Möglichkeit
biete, die Achsen der Lampen beliebig zu richten
— und dennoch hatten nur wenige preis-
bewerbcr sich von der bei allen anderen
Beleuchtungsarten unumgänglichen ausrechten
Stellung der Lampen losmachen können, —
und noch lange wurde diese Aufrechtstellung
auch beiin elektrischen Licht beibehalten.

Daß man die Glühbirnen auch von oben
nach unten hängen lassen könne, war fast in
Vergessenheit geraten, als die vielen Berüh-
rungen, die sich gelegentlich der Weltausstellung
in Chicago mit Amerika ergaben, uns die
Augen darüber öffneten, welcher Wandelbar-
keit das elektrische Lichtgerät fähig ist. Und
nun scheinen wir soweit zu sein, daß dieses
den: älteren Gaslichtgerät die Gesetze für seine
formale Durchbildung diktieren will. Daß dies
widersinnig ist, braucht nicht lange bewiesen zu
werden. Eines schickt sich nicht für Alle. Ulan
behandle jedes Ding seinem inneren Wesen
nach, und man zwinge ihm nicht Formeln
auf, die seinen natürlichen Eigenschaften zu-
wider laufen. Das rächt sich immer über kurz
oder lang. G.

Auch Guido Fischers Lüster leitet sein Grund-
motiv aus der Laterne ab; das Ganze ist ein ge-
fälliges Ding, erinnert aber durch die nach unten
hängenden Milchglaslampen mehr an elektrisches
Glühlicht als an Gaslicht, das unter allen Um-
ständen eben von unten nach oben gerichtet sein und
seine Zuleitung von unten erhalten muß. Dcrß
eine derartige Anordnung durchführbar ist, soll keines-
wegs bestritten werden; aber wozu diese Heimlich-
tuerei? Es ist doch keine Schande, das Zuleitungs-
rohr, von dem jeder weiß, daß es vorhanden sein muß,
auch sehen zu lassen. Die gleichen Einwände lassen
sich natürlich gegen Nicolais Lüster und Wand-
arme machen, und zwar in noch erhöhtem Ulaß;
denn wenn die zylindrischen Glaslampen unten völlig
geschloffen sind, wo liegt da der Mahnen zu dem
von oben hereingeleiteten Gasrohr, und woher be-
kommt die Gasflamme die nötige Verbrennungsluft?
Wan sieht, wie stark die Gewöhnung an das elek-
trische Glühlicht und an die aufgehängten Glühbirnen
geworden ist, da sie den Gaslampen bereits ungestraft
ihr Aleid aufdrängen darf.

Als vor etwas mehr als 20 Jahren bei Heran-
nahen der ersten Deutschen elektrischen Ausstellung im
Glaspalast in Ulünchen der Bayer. Aunstgewerbe-
verein ein Preisausschreiben für elektrisches Lichtgerät
erließ, da war darin ausdrücklich darauf hingewiesen,

(Kfettu Nachrichten.

(Vereine, Museen, Schuten, Äussieltungen,
MektKeweröe

n der ko. Generalversammlung der Deutschen
Gesellschaft für christl.che Runst, welche zu
Anfang Oktober in Ulünchen tagte, brachte Prof.
Anöpfler einen für die Förderung des Aunstver-
ständniffes bedeutsamen Antrag ein, betreffend die
Ausgestaltung des Aunstunterrichts in den
Alerikalseminarien, indem er davon ausging,
daß die Stellung des Priesters erheische, Fühlung
mit der Nun st zu nehmen und sich über sie zu in-
formieren. Er empfahl die Annahme einer Reso-
lution, die einen obligatorischen kun st historischen
Unterricht durch fachmännisch gebildete Lehrkräfte
für die Kandidaten der Theologie verlangt, und zwar
unter Zuhilfenahme von Anschauungsmitteln. Weiter
sollen kunsthistorische Exkursionen unternommen und
Ferienkurse eingerichtet werden. Diese Resolution
fand denn auch einstimmige Annahme.

ayerrsches Gewerbemuseum. Eine Griftuug
- zur Förderung der bayerischen Handwerks-
kunst. Zum ehrenden Andenken ihres Gatten,
des verstorbenen Reichsrats Lothar von Faber hat
dessen am 23. Januar dieses Jahres verstorbene
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