Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

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Konstruktion und Ornamentik in der neueren Tischlerei.

3(2. Arinband. (wirk!. Gr.)

Silberplättchen das Datum der ersten Nummer der
„Fliegenden Blätter" — 7. November {8^ — und
die Widmung: Zuin Erscheinen der Nummer 3000
der „fliegenden Blätter", 23. Januar ssi05, gewidmet
von Alühlthalers Buch- und Aunstdruckerei. — An
„moderner" Ausfassung solcher Aufgaben lassen die
drei letztgenannten Stücke itichts zu wünschen übrig,
-—- ebenso die beiden Pokale (Abb. 3sO u. ö\\),
auf deren einem die sechsseitigen Felderchen zur Ein-
tragung von Familienereignissen bestinrmt sind,
während beiin anderen seine Beziehungen zur Rad-
lerei nicht nur in dem innerhalb des Fußgestells
aufgehängten Miniaturfahrrad, sondern auch in den:
— fast ebenso rein konstruktiv wie das Fahrrad —
komponierten Fußgestell selbst eingestanden werden.

Eine sehr vielseitige Tätigkeit entfalten die Werk-
stätten im Bereich des Lichtgeräts. Messing und
Schmiedeisen wiegen dabei vor; doch wird auch bis-
weilen dem Glas dabei die Oberherrschaft einge-
räumt svgl. 2lbb. 52<s und die nur aus verglastem
Metallgerippe bestehenden, sternförmigen und anderen

3{3 u. 3(4. Gllrtelschließen. vergoldetes Silber mit großen
Gpalen und kleinen Türkisen. (2/s der wirkt. Gr.) Kluft. gesch.

Laternen: Jahrgang sflOs S. 527). Bon:
kleinen schmiedeisernen pandleuchter an sind
alle Arten von Wandarmen, Standlampen,
Lüstern, Treppenhauskandelabern vertreten,
für Aerzen, Petroleum, —- Gas, elektrisches
Licht. Besondere Beachtung verdient die
Petroleuntstandlampe (Abb. 325).

Wie sehr die Werkstätten auch in
Schmiedeisenarbeit das Zutrauen der
Fachleute genießen, geht daraus hervor,
daß ihnen schon seit Jahren schmiedeiserne Bau-
arbeiten außergewöhnlicher Art — wie z. B. die
Brüstung und die Aandelaber auf 5. s68 u. s69 —
übertragen werdend)

Die Sicherheit und das Selbstvertrauen, mit
denen Steinicken >8: Lohr diesen Zweig kunstgewerb-
lichen Schaffens in ihren Werkstätten eingereiht
haben, trotzdem keiner der beiden Leiter das Schmiede-
handwerk erlernt hat, läßt hoffen, daß sie auch von
den noch ferner in die Vereinigung einzupflanzenden
Schößlingen anderer kunstgewerblicher Zweige dereinst
reife Früchte ernten werden. L. G.

Konstruktion und Ornamentik in
der neueren Tisehkerei.

enn gegen die moderne Gestaltung
des Möbels diejenigen protestieren,
welche allein von der Wiederaufnahme
der Aonstruktionsbestimmungen der
Gotik das peil der Tischlerei er-
warten, so führen sie als ihr Pauptargument an,
daß man nur bei strenger Trennung von vertikalen
und horizontalen Gliedern die Verbindungsstellen der
polzteile also die Aonstruktion deutlich zeigen könne.
Nun ist, wie auch Vr. Liier vor längerer ZeiV) in
der Zeitschrift „Runst und paudwerk" gezeigt hat,
das Bestreben sowohl der Handwerksmeister des
Rokoko als auch vieler moderner Möbelkünstler ge-
wesen, die Aoustruktion durch das Ornament nicht
zu erläutern sondern sie vielmehr dadurch zu ver-
bergen.

Es ist die Frage, ob das überhaupt mit Erfolg
und ob es vor allem auf die Dauer geschehen kann

9 Mindere Früchte dieser Werkstätten hat unsere Zeitschrift
schon in ziemlicher Anzahl gebracht und zwar: 4898: S. 47,
49, 50, *83, 38:, ^2^, 4:25.— 4899: s. 30, 3:, 75, 482, 270,
27p— :Z00: S. 38, 39, <5-*, 65, 96, 498, 279, 3:2.— (90;:
Tafel IV S. 220, 233—238, 245, 279, 285, 325—327. —
:902: s. 59, :9<5, 497, 337. — 4903: s. 279. — 4904: s. 27,
29—32.

2) Jahrgang 4902, s. 444, »Das Fortschrittliche in der
Kunsttischlerei."

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