Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

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Nachtrag. — Vom Büchermarkt.

Nachtrag.

Für das Mosaikbild — die Nornen unter der
Weltesche —, welches die große Bogennische der
Vorderfront des neuen Nürnberger Stadttheaters
schmücken soll, ist für bayerische Künstler in: Wett-
bewerb ausgeschrieben worden, dessen nähere Be-
dingungen und sonstige Unterlagen gegen Einsendung
von 2 M. durch den bauleitenden Architekten, Baurat
P. Seeling (Berlin W. ^5, Kurfürstendamn: 25), be-
zogen werden können. Einlieferungstermin: s5. Sep
tember sflOP

(Vom (KüchermarA.

Vorm und Farbe in: Flachensckmuck. Von Rud.

Rochga und Paul Paustein. 2^ Tafeln in
Farbendruck. Julius poffmann, Verlag Stuttgart.

Ein Vorlagenwerk, das durch die Fülle und
Güte des Gebotenen in Frage kommenden Inter-
essenten warin empfohlen werden kann. Auf großen
Tafeln, in sehr guter Reprodukion, ist eine solche
Wenge von Mustern, Ornamenten, dekorativem
Flächenschmuck niedergelegt, daß man nicht umhin
kann, den beiden Künstlern, die das alles schufen,
seine Bewunderung auszudrücken. Mögen die ein-
zelnen Motive nur einfach kopirt werden, mögen sie
Anlaß geben zu selbständigem ähnlichen Schaffen —
in jeden: Falle ist das Vorhandensein einer solchen
Sammlung zu begrüßen. Und um so mehr, als wir
gerade nicht an einem Überfluß eleganter Tapeten,
guter Wandbemalungen leiden, in: Gegenteil sobald
an eine Verzierung der Fläche mit Farbe geschritten
wurde, sehr häufig Geschinacklosigkeiten, ja Roheit
konstatieren müssen.

Die einzelnen Blätter des erwähnten Werkes
eingehend zu würdigen, wie sie es wohl verdienen,
dazu mangelt uns leider der Raun:; enthalten doch
manche allein 7—8 Muster, die stets in gefälliger
Anordnung zu einem bunten Ganzen vereinigt
wurden. Nur soviel sei gesagt, daß alle Tafeln
ein reifer Geschnmck schuf, daß ihre Darstellungen
stets eine ausgeglichene Farbwirkung aufweisen,
Linienfluß und Anordnung der diversen Details,
unterstützt durch die koloristischen Werte, eine immer
ansprechende, oft apart-vornehme Wirkung geben.
Rud. Rochgas Kunst neigt inehr den: perben zu,
pausten: gibt sich dagegei: lieber in weicheren, zarten:
Schöpfungen aus; feine Arbeiten sind meist von
höchster Eleganz. Unter denen Rochgas müssen wir
unbedingt nennen: Tafel s7, Tafel sfl, Tafel fl

(Vogelmotiv). Von Tafel \ das links befindliche,
unterste Muster. Paustein hat n:it den: Blatt-

motiv auf Tafel so, den überaus schönen Ar-
beiten auf Tafel s2, den: prächtigen Mittelstück
auf Tafel 8, einzelnen Studien auf Tafel s5
usw., Kunstwerke von dauerndem Werte geschaffen.
An: meisten sagt freilich meinem Empfinden —
Geschnmck ist eine persönliche Sache! — das schon
erwähnte Vogelmotiv Rochgas zu. Ich will damit
nicht sagen, daß es das beste Werk der Sammlung
ist, aber der Künstler schlug hier einen Weg ein,
auf den: wir ihn weiterwandeln sehen möchten. Mit
der deutschen Flächendekoration ist es näm-
lich gerade ein so eigenes Ding, als seinerzeit mit
der heimatlichen Landschaftsmalern. Die gaubte
nur Italien verherrlichen zu dürfen: italienische
Ruinen, Gegenden, Rom usw. In neuer Zeit erst
haben unsere Maler begriffen, daß doch auch der
deutsche Wald malenswert, die peide voll Zauber
ist, wie reizvoll Vorberge, weite Gelände, alte deutsche
Städtchen und Gäßchen sind. Und daß eine Gruppe
silberiger Birken, herbstlicher Laubwald, unsere Wol-
kenzüge, dunkle Morre zu ergreifenden Schöpfungen
werden können, wenn man sich innig mit ihnen
beschäftigt.

Wir möchten aber Deutschland auch in der
Tapete, in: Wandschmuck, Fries rc. vor uns sehen!

! Tannenzweige und Farrenkraut, perbstzeitlosen und
rote perbstblätter, Vogelbeeren, Schilf, Palmkätzchen
usw. sollen uns in unseren vier Wänden erfreuen,
außerdem sollte die heimatliche Tierwelt Einzug in
unser Pein: halten. Wie fein gezeichnet ist eine
Schwalbe! Wie zierlich ein Eichhörnchen! Sogar
Vater Rabe hat seine Qualitäten, eine Meise, ein
fetter Doinpfaff, sie sind nicht zu verachten. Man
denke sich nur einmal eine Wand mit Derartigen:
bemalt, in ruhigen, matten Farben, und an solcher
Wand einige Bilder von M. Schwind. Ach, gebt

I uns doch endlich Primat!

Moritz Baron Lasser.

as Jagdschloß Falkenlust, ein rheinisches Bau-
denkmal TuvilUes! Beitrag zur Geschichte des
Rokoko in Deutschland von Felix Dechant, Regierungs-
Bauführer. Aachen. Verlag von Otto Müller.
25 Lichtdrucktafeln, 2 Tafeln n:it Grundrissen und
Schnitt, 25 Seiten gr. Folio-Text nach urkundlichen:
Material. Preis in eleganter Mappe 25 Mark.

Mit der Veröffentlichung dieser mustergültig, reich
ausgestatteten Monographie des für den Kurfürsten
Klemens August, aus den: bayerischen Fürstenhause,
erbauten Schlößchens hat sich der Verfasser um so
mehr den Dank der Fachgenossen verdient, als es
sich un: ein Juwel unter den Rokokobauten handelt,
welches, da in privatbesitz befindlich, nur sehr schwer

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