Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 54.1903-1904

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Das Schicksal des Heidelberger Schlosses.

neint worden" und nun-
mehr für die Großherzog-
liche Regierung erledigt.
Ls ist also zunächst nicht
mehr die Frage, ob das
erste Schäfersche Projekt
init dein Doppelgiebel oder
das zweite mit den Zwerch-

5(2 u. 5(5. Armbänder aus vergoldetem Silber; nach Entwürfen von R. v. Seitz,
ausgeführt von M. lvagmüller, München. Muster geschützt.

Erhaltungsmittel, über die for-
male Durchbildung der Doppel-
giebel oder der Zwerchgiebel,
über Denkmalsschutz und Denk-
malspstege find gesammelt wor-
den, — rührselige Träumer und
geharnischte Mannen, baufreu-
dige Architekten und grübelnde
Uuustgeschichtler, wohlmeinende
Landtagsabgeordnete und ge-
wissenhafte Staatsbeamte — sie
alle haben den Aktenstoß zu einem ansehnlichen
Turm aufbauen helfen. Mb aber der Turm wirk-
lich ein Schutzmittel gegen alle weiteren Angriffe
auf das Heidelberger Schloß ist, muß leider bezweifelt
werden; denn er ist aus allzu verschiedenartigem
Material erbaut, das vielfach keine solide Verbindung
miteinander eingeht.

Als der badische Finanzminister Buchen-
b erg er seinem langen Leiden erlegen war, brach
sich die Meinung Bahn, daß nunmehr die Schloß-
baufrage gegen die Absichten der „Erneuerer" ent-
schieden sei, da man ihn als einen Hauptbefürworter
des Wiederaufbaues angesehen hatte und da auch
die öffentliche Meinung in Baden sich mehr von
dem Schloßrestaurator Schäfer abzuwenden schien.
Nachrichten aus jüngster Zeit lassen indessen erkennen,
daß der Nachfolger des verstorbenen Ministers die
Frage von neuen: in Fluß bringen will — denn
durch das Obergutachten der Miuisterialkommisfion
ist „die Frage, ob der Otto - Heinrichbau in feiner
gegenwärtigen Gestalt erhalten werden kann, ver-

5(-(. Gürtelschließe; Entwurf von Bruno Mauder, Stuttgart.

giebeln zur Ausführung bestimmt wird, sondern ob das
noch Vorhandene durch irgendwelche Mittel erhalten,
ausgebeffert oder erneuert und durch eine Bedachung
gegen weiteren Zerfall geschützt werden kann.

Es gibt aber immer noch „sonderbare Schwär-
mer", die nicht begreifen wollen, daß die vorhandenen
ansehnlichen Baureste der Nachwelt nur in „er-
neuerten: Zustand" überliefert werden können, der
es den: zukünftigen Beschauer unmöglich machen
würde, alt und neu zu unterscheiden, und der dar:::::
einer völligen Verfälschung der Originalurkunde
gleichkäme. Angesichts der von neuem drohenden
Gefahr rüsten sich auch die Gegner wieder. Mit
überzeugenden Worten hat na:ne::tlich Dr. Henry
Thode, der bekannte Ästhetiker an der Heidelberger
Universität, in der „Woche" kürzlich das bisher in
der Schloßrestaurierung Geleistete als eine „Barbarei"
gebrandmarkt.

Als in: Zahre fstOf die Schloßbaukonferenz
tagte, nahm man noch an, daß es technisch möglich
sei, die Ruine zu erhalten; und zwei Jahre nachher
gab die „Süddeutsche Reichskorrespondenz" — unterm
Zs. Januar fstOS — bekannt, daß die neun Monate
vorher (!) beisammen gewesene (dritte) Sachverstän-
digenkommission die Ansicht vertreten hat, es gebe
„kein Mittel, durch welches die Fassade ohne Ein-
griff in ihre Substanz in ihrer gegenwärtigen
Erscheinung zu erhalten wäre". Ein Mitglied dieser
Kommission meinte, daß ein schützendes Dach nur dann
von Bedeutung sei, wenn vorher etwa zwei Drittel der
Fassade erneuert worden. „Das ist" — wie Dr. Theod.
Alt in seiner Broschüre ,die Heidelberger Schloßfrage'

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