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„Die Kunstauktion"

Talirg. III, Nr. 6 vom 10. Februar!.
----'t'TgJJL

meisten Käufer zu den sogenannten Experten
haben. Unsere Väter sagten: „Schön ist, was
uns gefällt.“ Diese Einstellung hat sich heute
in das Gegenteil verkehrt. Die Überheblichkeit
Kunstdingen gegenüber, die für die Genera-
tion hinter uns eigentümlich war, ist einer
sicher oft unbegründeten Bescheidenheit die-
sen Dingen gegenüber gewichen. Diese Be-
scheidenheit hat allerdings meistens keinen
ethischen Grund. Sie resultiert aus der Angst,
an dem Kunstwerk sein Geld zu verlieren. Un-
sere Väter suchten den Genug, wenn sie
Kunst kauften, unsere Zeitgenossen die Kapi-
talsanlage. Der Experte hat darüber zu ent-
scheiden, ob das Kunstwerk schön oder häß-
lich, gut oder schlecht, echt oder falsch ist.
Man läßt sich seine Kunstwerke vom Experten
aussuchen, wie man sich seinen Sommerauf-
enthalt vom Arzt aussuchen läßt, nicht etwa
nach der schönen Landschaft, sondern nach
seinen Schwefel- oder Kohlensäurequellen.
Man gibt sich überhaupt in Behandlung des
Kunstexperten, genau so, wie man sich in Be-
handlung eines Arztes begibt. Und ebenso,
wie man ja nicht Medizin studiert, um nach-
zukontrollieren, ob der Arzt recht oder un-
recht hat, beschäftigt man sich nicht mit
Kunst, denn man hat ja seinen Fachmann zur
Seite, der die Sache studiert hat. Es ist kein
Wunder, daß sich bei diesen Zuständen das
Expertisenwesen zu so üppiger Blüte ent-
wickelt hat. Der Experte ist der Richter, dem
Verkäufer gegenüber wie dem Käufer. Der
leßtere vertraut ihm unbedingt, und deshalb
braucht ihn der erste so notwendig.
Wenn das Publikum heute erfährt, daß die
Experten im allgemeinen durchaus nicht so
unfehlbar sind, wie man allgemein annimmt,
wenn der Glauben an die Wissenschaft in der
Kunstbeurteilung, deren Verdienste es übri-
gens unvernünftig wäre zu leugnen, einen
leichten Knacks erleidet, so ist zu hoffen, daß
ihm dadurch etwas von dem Selbstbewußtsein

A N T I Q U IT Ä T E N
Antike
figürliche und ornamentale
Plastik
Möbel, Kleinkunst
Mme STOECKLIN de GRUNIG
2 Avenue Portalis, Cercle Militaire
Place St. Augustin, PARIS
Tel.: Laborde 69-78

in der Beurteilung von Kunstgegensfänden
zurückgegeben wird, das es in so weitem
Maße verloren hat.
So sehr betrüblich also die Kunstaffären
sein mögen, die in den lebten Monaten soviel
Staub aufgewirbelt haben, so müssen wir sie
also doch begrüßen, denn nur dadurch, daß
der Sammler seine allzu realistische Ein-
stellung verliert und versucht, seine Augen zu
schulen, um zu einem eigenen Urteil zu ge-
langen, daß er den Experten nur dann zu Rate
zieht, wenn sein eigenes Urteil ihm nicht als
zureichend erscheint, ist es möglich, daß die
unhaltbaren Zustände von heute einer Besse-
rung entgegen gehen.

VOKBERICHTE
Berlin
Bibliophile Werke
des 18. und 19. Jahrhunderts
Vorbericht Berlin. — Am 19. Februar findet
die Versteigerung bibliophiler Werke
des 18. und 19. Jahrhunderts, meist
aus Adelsbesiß, bei S. Martin Fraenkel,
Berlin, statt. Diese Sammlung enthält u. a.
(Nr. 431 Chants et chansons popu-
laires, Paris, 1843, mit 340 blattgroßen

Stahlstichen von Daubigny, Grandville, Meis-
sonier usw., Halbkalblederbände mit illu-
strierten Originalkartons von Engelmann und
Graf, 1. Ausgabe, alle Lieferungen im ersten
Druck. Dann Nr. 46, The coronation of
K i n g George IV., London, 1839, mit 44 z. T.
farbigen Tafeln usw., roter Maroquinband —


Hans Leinberger
Höhe 110 cm
Aus der Sammlung Ad. Piel, Bonn
Versteigerung bei Wertheim-Bangel, 26. Febr. 29
Hans Leinb erger: La vierge avec l'enfant Jesus
Collection A. Piel, Bonn
Vente chez Wertheim-B angel, Berlin
le 26 Fev rier 1929
eines der reichsten und größten Kostümwerke
der Zeit. Nr. 61, G. Ferrario, II costume
antico e moderno o storia del governo, della
milizia . . ., 23 Bde., Mailand 1820—29, mit
etwa 1600 kolorierten Kupfertafeln, Hldrbde.,
— mit Kostümen, Volksszenen, Landschaften
usw. Eines der schönsten Stücke ist Nr. 78,
Lafontaine, Fables choisies, 1755
bis 1759, mit 275 Kupferstichen von O u d r y ,
4 Kalblederbde. Großes Interesse wird Nr. 102,
Piranesis Vedute di Roma, erregen,
deren 137 Blatt in zwei alten Halblederbänden
vorliegen. Ein Prachtwerk ist Nr. 135, V o 1 -
taire's Oeuvres completes, 1784
bis 1789, mit 93 Kupfern von Moreau, in 70
marmorierten, signierten Kalblederbänd^p
(Meslant), ebenso Nr. 137, V o 11 a i r e ’ s L a
pucelle d'Orleans, etwa 1765, mit
18 erotischen Kupfern im ersten Abdruck mit
fast handbreitem Rand, in Kalblederbd.
Plastik, Kunstgewerbe, Textilien
Vorbericht Berlin. — Am 26. und 27. Februar
bringen Wertheim und Rud. Bangel, Berlin,
in ihrem neuerbauten Kunstauktionssaal,
Bellevuestr. 7, die Sammlung des ver-
storbenen Herrn Adolf Piel,
Bonn, zur Versteigerung. Diese Sammlung,
das Ergebnis vierzigjähriger Sammlertätigkeit,
umfaßt, neben Textilien, Werken der
Goldschmiedekunst, mittelalterlichen
Geräten, Minnekästen und Uhren,
als bevorzugtes Sammelgebiet eine große An-
zahl von Werken der Klein- und Groß-
plastik des Mittelalters, der
Renaissance und des Barock. Her-
vorragende Stücke der Großplastik bilden eine
rheinische Madonna des 14. Jahr-

L.WANNIECK
1, RUE ST. GEORGES
PARIS

ALT-CHINA
DIREKTER IMPORT

hunderts, eine Vespergruppe um 1430,
eine schwäbische Madonna aus der
Nachfolge Hans Multschers, ein Florian um
1470, vortreffliche flämische und Ant-
werpener Ma donnen um 1500, Relief-
arbeiten der Schule von C a 1 c a r, eine
große stehende Madonna, 1530, eine
eigenhändige Arbeit Leinbergers (s. Abb.L
— Groß ist auch die Fülle von Bildwerken aus
der Zeit um 1600, sowie der reiche Bestand an
Werken der Kleinplastik in Holz, so
eine Gruppe singender Engel, Elfenbein,
Bronze usw. Ferner finden wir inter-
essante und schöne Einzelstücke, wie den
prachtvollen Altaraufsaß des Bildschnißers
Joh. Hobss (s. Abb.), eine Puppenstube der
Rokokozeit (Abb. in Nr. 5, S. 2), und einen
Sakristeischrank des 18. Jahrhunderts aus
Westdeutschland. — Eine Serie reicher
Stickereibilder und eine Fülle einzelner
Decken, Kaselteile usw. repräsentieren die
niederländische, italienische,
französische und deutsche Tex-
ti 1 k u n st v o m 15. bis 18. J a h r h u n d e r t.
Der mit 40 Tafeln versehene Katalog ist
von Prof. Dr. -Baum, Ulm, bearbeitet und
eingeleitet.
Moderne Graphik und Bücher
Vorbericht Berlin. — Am 27. und 28. Februar
versteigert Martin Breslauer in Berlin eine
außergewöhnliche Sammlung von Probe-
und frühen Zustandsdrucken füh-
render Künstler um 1 890 und
später. Max Klinger, Stauffer-
Bern, O. Greiner, W. Leibi, Geyger,
K. Kollwitz, Liebermann sind allein
zusammen mit ungefähr 145 Blättern und
Mappenwerken in ganz frühen Abdrücken ver-
treten. Für die öffentlichen Sammlungen wird
sich hier eine kaum wiederkehrende Gelegen-
heit zur Ergänzung ihrer Bestände bieten.
Nebenbei finden sich noch hervorragende
Drucke von Goya, Dürer, Rembrandt
und einigen neuzeitlichen ausländischen
Künstlern.
Dieser Sammlung aus Wiener Besitz
ist eine Bibliothek desselben Wie-
ners angeschlossen. Der Katalog dieser
Sammlung verrät in seiner Geschlossenheit
einen feinen Geist, dessen Interessen auf dem
Gebiete der Kunst und Literatur weit gespannt
waren. Aber nicht nur inhaltlich ist diese
Biichersammlung von Belang, sondern auch in
ihrem Äußeren, da der feinsinnige Besißer
ganz besonders auf schöne und zum
Teil prunkvolle Einbände Wert legte.
Die Sammlung stammt fast ausnahmslos aus
der Vorkriegszeit. Besonders der
Insel-Verlag ist darin gut vertreten.
Hervorragende Musikautographen
Vorbericht Berlin. — Die durch ihr Musika-
liengeschäft weltberühmte Firma Leo Liep-
mannssohn, Antiquariat in Berlin, zeigt
für den 8. März eine kleine, aber durch den
Inhalt ganz überragende Autographen-Ver-
steigerung an. Als wichtigstes kostbarstes
Stück steht an der Spiße eine eigenhändige
vollständige Niederschrift „Der E r 1 k ö n i g"-
Komposition, 9 Seifen (auf 5 Blättern) um-
fassend (Kat.-Nr. 171). Von Schuberts Meister-
werk kennt man nur zwei eigenhändige Nieder-
schriften, deren eine vom Jahre 1816 sich in der
Preußischen Staatsbibliothek befindet, wobei
es sich aber nicht um die ursprüngliche
Fassung handelt. Das zweite einzig bekannte
weitere Musikautograph ist das vorhandene,
das aus dem Besiß von Klara Schumann
stammt; es ist 1815 oder 1816, sehr kurz nach
der ursprünglichen Entstehung des Liedes,
niedergeschrieben. Die Handschriften zeigen
wesentliche Abweichungen voneinander. Von
Schubert nennt der Katalog nodi das
Manuskript des Liedes „Die verfehlte Stunde“
(Kat.-Nr. 172) und die Handschrift der Kompo-
sition „Vergißmeinnicht“ (Kat.-Nr. 173). Eine
andere Überraschung bietet das Manuskript
von Chopins berühmtester Polonaise
pour le piano . . ., Op. 53, auf sechs Seiten

(Kat.-Nr. 36), das Original des klassr
Meisterwerkes der Polonaise in As-du6
veröffentlicht. Das Manuskript ist in d»
kannten zierlichen Handschrift des S1
Komponisten, übrigens mit allerhand
händigen Korrekturen, niedergeschriebe®
hat wohl offenbar als Vorlage für den N1
stich gedient. Das Autograph stammt £.
falls aus dem Nachlaß von Clara Schuj
zu deren Repertoire es seit 1844 gehör1! £
— Von Beethoven nennt der KataF^R LI
eigenhändige vollständige Musikhand'"——-—-
von „Der Mann vom Wort“ (Kat.-Nr. 8) 12-1;
Reinschrift der 1815 entstandenen Komp^'ebr, 19
— Felix M e n d e 1 s s o h n - B a r t h o
Original-Handschrift der Partitur . ’19
42. Psalms (Kat.-Nr. 103) („Wie der 25-2<
schreit nach frischem Wasser") zeigt die ebr. 26.2-
liehen und sauberen Schriftzüge des K°!e|jr _ ' ‘
nisten. Mendelssohn selbst hielt diese C ’ 27-2l
Position für sein bestes geistliches Stüd' 5
er 1838 im Leipziger Gewandhaus vollst«'« g
aufführte. — Von besonderer BedeutiHjlg,,*
ein Musikautograph von Mozart y. 8
Nr. 119), das Duettino zwischen Sextu5 26-27
Annius, im „Titus" I. Akt, das in der Ori'Gi i^.15
Partitur des „Titus“, die sich in der PL
sehen Staatsbibliothek befindet, fehlt. — *1 £> E
berühmt ist das Albumblatt, das R i c
Wagner 1861 für die Fürstin Pauline Wbi«. 2-
nich niedergeschrieben hat und von del’1|«
4-6
•örz 5



tz

Altaraufsatz v. Joh. Hobss
1709, signiert
Sammlung Ad. Piel, Bonn
Ve-rst. bei Wertheim-Bangel, 26. Febr.
Joh. Hobss
Retable d’autel, 1709
Collection A d. Piel, Bonn t1
Vente chez Wertheim -Bangel, Berit1’
le 26 Fevrier 1929

das Originalmanuskript vorliegt (Kat.-Nr-
— An die Musikautographen schließe!1
Handschriften aus anderen Gebieten an-
dänische Dichter Andersen erklärt inj
prachtvollen deutschen Briefe (Nr. 233
„seitdem ich auf den vaterländischen P,
kam, strömt und sprudelt die Quelle der ,
tung". — Carlyle vergleicht in einem M
skript die Stellung von preußischen !
ämfern mit englischen (Nr. 246 d. K.L
erhebliche Kostbarkeit ist ein eigenhän’
12 Seiten langes Manuskript des rus51S
Dichters Gorkij (Nr. 264 d. K.L —» Hod
(Fortseßung Scii^«

henk
*ird Ihi
Sie


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