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30. «Juni 1929

Nr. 26

und Buchmarktes

tilienbil^ [.

Einzel-Nr. 40 Pf. Quartal für Deutschland M. 4,— u. 40 Pf. Be-
stellgeld, Jahrespreis einschl. Porto M. 16.60; Quartalspreis
einschl. Porto für Deutschösterreich S 7; Tschechoslowakei
40 cK; Frankreich/Belgien 25 Frs.; Holland 3 fl.; England 5sh;
Schweiz und die nicht angeführten Länder 6 Fr.; Übersee $1.50

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' an abonniert bei den Buchhändlern, bei der Post oder direkt
,eint Verlag. Pariser Büro: 122 Bd. Murat, Paris, XVle.
. h*eigenannahme beim Verlag bis Donnerstag. Telegr.-Adr.:
. Unstauktion Berlin. Postscheck-Konto: Berlin Nr. 118054;
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Verlag: Die Kunstauktion Q. m. b. H.
Redaktion und Lesesaal
Berlin W 62, Kurfürstenstraße 76/77
Telefon: B 5 Barbarossa 7228
Herausgeber: Walter Bondy-Berlin und Dr. von Saxe-Paris



den künstlerischen Werten, die man über-
rascht erkannte und anerkannte, ist es wohl
auch das verstärkte Selbstbewußtsein, das
sich hier plöfelich auf künstlerischem Gebiet
geltend machte.
*
Das interessanteste Ereignis der Ge-
mälde-Auktionen war die Versteige-
rung von zwei Hauptwerken der Carl W.
Hamilton-Sammlung, die am 8. Mai

nischer Kunsthändler nach Europa mag viel
zu der mehr abwartenden Haltung beigetragen
haben. Und so kam es, daß das figurenreiche,
schön komponierte Gemälde von Piero
della Francesca (s. Abb. unten), das
man mit 3 360 000 M. bewertet hatte, für
1 575 000 M. an Sir Joseph Duveen zugeschla-
gen wurde. — Fra Filippo Lippis’ Ma-
donnen-Bild (s. Abb. Seite 12) ging für
525 000 M. an Leon Schinasi. — Dalj beide Re-
sultate gegenüber den Hoffnungen Enttäu-

P i e r ,o della Francesca, Die Kreuzigung


Holz. ;—,35,6 : 40,6 cm. — Sammlung C. W. Hamilton
Brachte auf der Versteigerung in New York, Anderson Galleries,
am 8. Mai 1929: rund 1 575 000 M.
Piero della Francesca, La Crucifixion.
Bois, 35,6: 40,6 cm.
Coll. C. W. Hamilton.
Adjuge environ 9450000 fr. d New York, Anderson Galleries, le 8 Mai 1929.

in den Anderson Galleries zum Ausgebot
kamen. Das eine war Fra Filippo Lippis
„Madonna mit Kind“, das andere „Die Kreu-
zigung" von Piero della Francesca.
Man hatte dieser Auktion mit grojjer Span-
nung entgegengesehen. Die Qualität der Bil-
der hatte zu einem Schäßungspreis von über
4 Millionen Dollar für beide zusammen ge-
führt. Bei der Seltenheit solcher Objekte auf
amerikanischen Versteigerungen war man
überzeugt, dalj sich ein erbitterter Kampf
zwischen den Interessenten abspielen würde,
und ließ auch die Radiohörer an diesem
Ereignis teilnehmen. Diese hochgespannten
Erwartungen verwirklichten sich nicht im
vollen Umfange. Die Stimmung während der
Auktion war keineswegs so kampflustig, wie
man gehofft hatte, — die Abfahrt amerika-

schung bereiteten, läßt sich nicht leugnen. Aber
andererseits ist es doch von hoher kunst-
händlerischer Bedeutung, dalj das Interesse
amerikanischer Kunstsammler, das sich bisher
auf die englischen Porträtisten konzentrierte,
sich nunmehr auch, und zwar mit gleicher
Intensität, den italienischen Gemälden zu-
gewendet. In dieser Hinsicht ist also doch ein
neues Preisniveau geschaffen worden. Wie
sehr hier die übliche amerikanische Ge-
schmacksrichtung, die an den englischen Por-
träts bisher Genüge fand, verlassen worden
ist, und wie schwer die rein künstlerische Auf-
fassung sich durchseßen kann, zeigt die Be-
urteilung dieser Versteigerung durch ein
amerikanisches Fachblatt: „Vielleicht ist die
Zeit noch nicht gekommen, dalj ein bedeu-
tendes Werk seinem vollen Wert nach und

ohne Beihilfe durch vertrauten und populären
Namen beurteilt wird. Doch ist es schließlich
ermutigend zu sehen, daß ein wirkliches Kunst-
werk mit einem hübschen Bild konkurrieren
kann."
Bedeutendere italienische Gemälde
waren in dieser Saison sonst nicht auf den
Markt gekommen. Wir notieren nur aus der
Pepoli-Auktion (18. und 19. Januar) die Preise
für Rondinellis „Apostel Johannes“ mit 11340
Mark und für Tiepolos Kopf eines Rabbi mif
44 100 M., — aus der Pulißer-Gould-Auktion
HO. Januar) das Bildnis des Dogen Grimani
von Tizian mit 84 000 M. Ein Madonnenbild
„Luinis“ brachte auf der Stokes-Cameron-
Auktion (9. bis 11. April) 8820 M.
Englische Bildnisse vorzüglicher
Qualität kamen mit der Gemäldesammlung von
Pulißer-Gould auf den Markt. Hier brachte
Romn eys hervorragendes Porträt von
Sheridan, dem berühmten Redner und Dra-
matiker (s. Abb. S. 8), 151 000 M., — Rey-
nolds würdevolles Bildnis von Caroline,
Herzogin von Marlborough: 105 000 M., —
J Höppners weniger repräsentatives, aber
stimmungsvolleres Bild der Herzogin von
Bedford: 121 800 M., — Raeburns Herren-
bildnis 75 600 M., — schließlich Th. Lawren-
ces enthusiastisches Gemälde „Miß Gibbon
als Miranda im .Stürm’“: 42 000 M. Auch sonst
wurden für die englischen Porträtisten leid-
liche Preise erzielt. So gab man auf der
Stokes-Cameron-Auktion für Th. Gains-
boroughs Porträt von Mrs. Dav. Garrick
J2 000 M .
f An älteren deutschen Bildern brachte
wieder die Püiiß^r-Gould-Auktion einiges
Material. So wurae Barthel Behams
Bildnis eines Staatsmannes mit 21 840 M.
bezahlt.
Von alten Niederländern erwähnen wir aus
der gleichen Auktion das schöne Bild der
Eleonore von Medici von Fr. P o u r b u s d. J.
mit 6720 M., aus der Larache-Sammlung
(21. März) das Bild eines Winterfestes von
H. van Avercamp, mit 3570 M., aus der Stokes-
Cameron-Versteigerung P. P. Rubens Bild
eines der hl. drei Könige mit 16 800 M.
Interessanter war das Material an fran-
zösischen Gemälden der früheren Zeit, das
auf den Markt kam. Hochwertig war es z. T.
freilich nicht, und so wurden zwei Gemälde,
die J. A. Watteau zugeschrieben waren, auf
der Larache-Versteigerung mit je 11 000 M.
bewertet, ein J. L. David „Antonius und Cleo-
patra“ der gleichen Sammlung brachte nur
1260 M. Auf der Pulißer-Gould-Auktion
wurde A. V e s t i e r s Bildnis der Prinzessin
von Polignac mit 11 000 M. verkauft. Auf der
Spißer-Äuktion brachte P. A. Willes Ge-
mälde „Les Soins mafernels", die Vorlage für
das bekannte gleichnamige graphische Blatt
seines Sohnes J. G. Wille: 12 180 M., und den
gleichen Preis des gleichen Malers „Les
Delices maternels“. Nie. de Largillieres
Dame mit Hirtenstab brachte hier 14 700 M.
Von Gemälden des 19. Jahrhun-
derts kamen besonders Arbeiten der Bar-
bizon-Schule auf den Markt. So auf der
Stokes-Cameron-Auktion ein Jul. Dupre,
Französische Landschaft, 1680 M., auf der La-
rache-Auktion ein Th. Rousseau, Dorf-
ruine, für 2520 M. Höhere Preise erzielte die
Sammlung George Barr Mc Cutcheon
(31. Januar). Hier brachte das vortreffliche
Bild Cam. C o r o t s , Baumgruppe am See,


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'r amerikanische Kunsthandel zeigt ein
Mi?les Gesicht, als wie wir es vom europäi-
S^11 Kunstmarkt her gewöhnt sind. Während
M ’ uns das merkantile Hauptinteresse
e Auktionen konzentriert und von ihren
n fasziniert wird, vollzieht sich der
gliche Kunsthandel großen Stils in den
'It/'nigten Staaten in Verhandlungen abseits
■ii großen Öffentlichkeit. Der Hauptgrund
diesen Ausschluß der Publizität ist gewiß
'im daß die wichtigste Aufgabe des amerika-
Kaasfhandels darin besteht, das euro-
VC‘le Kunstgut nach Amerika zu überführen,
m bald langsamen, bald rapiden, aber,
V es scheint, unaufhaltsamen Prozeß die
zu ebnen, ist vorläufig die mit Geschick
^mgeführte Haupttendenz. Der Austausch
en verschiedenen Besißern, das Fluk-
fflted der Kunstwerke im Lande selbst
V ms jeßt noch sehr in den Hintergrund.
Standpunkte der originalen, gewachsenen
t^mbung aus gesehen, sind ja die Ver-
ß dien Staaten noch immer Kolonialland, und
L'Hrd noch geraume Zeit dauern, bis der
j'Ja an wichtigeren Kunstdingen so umfang-
Y1 geworden ist, daß Verschiebungen größe-
StiLs sich bemerkbar machen.
’^rzu kommt, daß die amerikanischen
VJbesißer vielfach testamentarisch ihre
vyschäße den Museen ihres Landes über-
T und auch sonst geschenkfreudig sind,
mmt darin ein großes Verpflichtungs-
JfJd' der Allgemeinheit gegenüber zum Aus-
'|.'iiI'• Und sicherlich erhält dieser Verpflich-
fjsgedanke ein starkes Stimulans durch die
^he der glänzenden finanziellen Position
•weise, die für uns in Betracht kommen,
Wet,d die allgemeine Notlage Europas hier
den größten Kunstenthusiasten zwingt,
V Kunstwerke als Kapitalsanlage zu be-
uten.
'^"'merhin bleibt auch so troß aller Ein-
V "r'kung des verfügbaren Materials durch
V^Gnde Eigenproduktion, durch große
Wumsvermächtnisse usw. eine nicht un-
S ,ldende Fülle von Werken der Kunst und
j Unstgewerbes, die in den Versteigerun-
NewYorkerAuktionshäuser
K . Ausgebof kommen. Die hinter uns lie—
%i| *■ Saison hat seit Oktober 1928 eine
von Auktionen in den American
%i.fjalleries und in den Anderson
er j e s gebracht, aus denen wir die
1 ssantesten herausgreifen.
?»!■ deh innerhalb dieses engeren Bereiches
w Auktionen zeigt sich ein beträchtlicher
i’iiL Schied zwischen Amerika und Europa.
l'lhf||Qnd bei uns das künstlerische und mer-
Hauptinteresse von den Werken der
i in Kunst *n Anspruch genommen wird, ist
y, Amerika das Kunstgewerbe, das
.Sf ^‘rdergrunde steht. Auf diesem Gebiete
vornehmlich die sensationelle Hausse-
iSjfddg abgespielt, die wir analog auf dem
ijhtj fischen Kunstmarkt beobachten konnten.
Sßd’arakteristischerweise handelte es sich
,rl)('.' um einheimische, also amerikanische
'' d- Cri. die mit einem ganz energischen Ruck
c erste Reihe rückten. Abgesehen von



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BRUMMER NEW - YORK
27 Fast 57^ Street
 
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